Das zu hoffnungsvolle Weltbild

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Die Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.n.r.): General a.D. Hans-Lothar Domröse, Oberbefehlshaber des Allied Joint Force Command Brunssum (2012-2016); Dr. Cordula Droege, Leiterin der Rechtsabteilung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Genf; S. E. Torgeir Larsen, Botschafter des Königreichs Norwegen in der Bundesrepublik Deutschland; ; Dr. Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages (2015-2020); Dr. Hans-Gert Pöttering, 12. Präsident des Europäischen Parlaments.

Der Ukraine-Krieg hat das sicherheitspolitische Gefüge der Welt erschüttert. Vor allem die freien Werte Europas stehen auf dem Prüfstand und nicht nur die baltischen, auch die nordischen Länder befinden sich in besonders exponierter Lage.

Die Botschaft des Königreichs Norwegen veranstaltete gestern gemeinsam mit der Berliner Sicherheitskonferenz eine Diskussionsrunde, in der die Auswirkungen und bestehenden Handlungsmöglichkeiten eruiert wurden.

“Es ist unmöglich für uns, so weiterzumachen, wie wir es vorher gemacht haben”, sagte Torgeir Larsen, Botschafter des Königreichs Norwegen in Deutschland, zu den Beziehungen zwischen seinem Land und Russland. Nach dem Ende des Kalten Krieges habe man auf Kooperation, auf das Einhalten gemeinsamer Werte, auf eine friedliche Existenz neben- und miteinander gehofft. All dies sei durch den Angriff Russlands auf die Ukraine zerstört worden. “Wir kennen nicht die Konsequenzen”, sagte Larsen. Man wisse, dass die Konsequenzen für die gesamte Welt, für die Wirtschaft, die Menschen und das Zusammenleben groß sein werden. “Aber wie groß, das wissen wir nicht.”

General a.D. Hans-Lothar Domröse, in seiner letzten Verwendung Oberbefehlshaber des Allied Joint Force Command Brunssum, fokussierte den Kern der Erschütterung des Sicherheitsgefüges mit einem persönlichen Rückblick. Er habe sich bei seinen Besuchen in den baltischen Staaten und Polen oftmals gewundert, warum er als deutscher General so gut behandelt werde. Und als Antwort bekommen: “Because you have changed.”

“Von Adenauer bis heute Scholz, keinem Bundeskanzler würde man vorwerfen, dass er irgendwie auch nur annähernd Nazi-artig wäre”, betonte General a.D. Domröse. Das neue Deutschland und die Nachkriegsgenerationen seien als etwas anderes als das Naziregime anerkannt worden. Es habe die Aussöhnung gegeben. “Und das war der Gegensatz zu den Russen”, sagte General a.D. Domröse.  Diese Botschaft habe er aus den osteuropäischen Ländern oftmals vernommen, dass Russland sich nicht geändert habe. “Das machte mir klar – schon damals, und das ist bald zehn Jahre her – dass sich in Russland etwas tut, was nicht gut ist.”

Die Reaktion Europas auf die Annexion der Krim sei der erste konkrete Fehler gewesen. Bezogen auf die großen europäischen Nationen sagte General a.D. Domröse: “Wir haben Sanktionen ausgesprochen, die wir selbst nicht wirklich ernst genommen haben.” Es sei im Nachgang der Krim-Annexion bis auf Patenschaften wenig zur Unterstützung der Ukraine geschehen. “Wir haben uns selbst in Sicherheit gewogen, obwohl wir es hätten ahnen können.”

So seien nun auch die militärischen Erfolge der ukrainischen Streitkräfte vor Kiew ausschließlich auf amerikanische und kanadische Waffenlieferungen zurückzuführen. “Denn die haben vorher investiert, von 2014 beginnend spätestens bis zum Kriegsbeginn”, sagte General a.D. Domröse. “Wir haben Russland falsch eingeschätzt und die Ukraine auch nach 2014 nur verbal unterstützt.”

Die Aufzeichnung der Sendung ist hier abrufbar.

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