Lieferungen an die Ukraine

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Deutschland wird sieben Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine liefern. (Foto: BS/U.S. Army/Hayden AllegaNeuer)

Bei der Betrachtung der öffentlichen Rezeption kann der Eindruck entstehen: Deutschland macht nichts. Zumindest nichts, um der Ukraine zu helfen. Die paar Richtminen oder Panzerabwehrwaffen sind schließlich fast nichts, obwohl sie aus militärischer Sicht in diesem Stadium des Krieges wahrscheinlich besser zur Verteidigung geeignet sind, als die oftmals geforderten noch nicht einsatzbereiten Geparden oder Marder. Dennoch stand Deutschland mehr in der Kritik als andere Nationen, bei vergleichsweise großer Leistung.

Hier sei nur das Großgerät aufgelistet. Die USA leisten mit Abstand am meisten materielle Unterstützung, vor allem Artillerie und Haubitzen, aber auch Mi-17 Hubschrauber. Großbritannien schickt Artillerie und 13 geschützte Fahrzeuge – weitere Fahrzeuge wurden versprochen. Hinzu kommt ein Ringtausch, bei dem britische Challenger 2 Kampfpanzer an Polen gehen sollen, das wiederum seine T-72 Kampfpanzer an die Ukraine liefert. Frankreich liefert Caesar 2 Haubitzen. Die Türkei schickt bewaffnete Drohnen. Australien hat Haubitzen und geschützte Bushmaster-Fahrzeuge zugesagt. Selbst Japan schickt Material: Helme und Schutzwesten.

Wie diese Liste zeigt, fällt Deutschland kaum aus der Masse heraus. Dass die Kritik in Deutschland trotzdem größer war als in anderen Nationen mag an drei Faktoren liegen. Zum einen ein ukrainischer Botschafter, der das Augenmaß und vor allem die Grundlagen der Diplomatie vergessen hat. Damit schadet er allerdings der Ukraine, da die NATO-Staaten kein Land in ihren eigenen Reihen wollen, das solch aggressive Repräsentanten als Diplomaten einsetzt.

Zum zweiten die deutsche Rüstungsindustrie, die immer wieder hervorhebt, was sie – in der Theorie – alles liefern könnte. Tatsache ist, die Bundesregierung hat zu Beginn des Krieges die Industrie aufgefordert Listen mit lieferbarem Material zu übermitteln. Diese wurden durch die militärischen Experten auf ihre Nutzbarkeit und von der Politik auf ihre Machbarkeit geprüft. Das daraus entstandene Resultat ging an die Ukraine und die USA. Dieses übermittelte Angebot war der Industrie anscheinend nicht umfangreich genug, weshalb sie nun dafür wirbt, was noch alles fast abholbereit auf dem Hof steht. Wie wenig abholbereit dies wirklich ist, zeigt sich, wenn die Ukraine (bzw. die koordinierende USA) das zusätzliche Angebot tatsächlich annehmen.

Und zum dritten liegt es vielleicht auch an der Binnensicht, dass nur Deutschland alleine die Ukraine retten könnte. Retten müsste. Dabei ist es ein Bündnis aller freien Länder, die der Ukraine helfen. Und zu dieser Hilfe zählt neben der Abgabe von Waffen auch die Aufnahme von Flüchtlingen, die Versorgung von Verwundeten oder die Bereitstellung von Logistik für die ankommenden Waffensysteme oder die auszubildenden ukrainischen Soldatinnen und Soldaten. Alles zusammengefasst befindet sich Deutschland gemeinsam mit Polen und Großbritannien weit vorne bei den europäischen Unterstützungsleistungen. Eine Leistung, die es ebenfalls anzuerkennen gilt.

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