Europol gegen Live-Gesichtserkennung

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Lea Wedekind von Europol spricht sich beim 25. Europäischen Polizeikongress gegen Live-Gesichtserkennung aus. (Foto: BS/Trenkel)

Soll die Polizei alles, was technisch möglich ist, für die Verbrechensbekämpfung nutzen? Eine Vertreterin des europäischen Polizeiamts Europol hat sich gegen die Gesichtserkennung bei Live-Bildern aus Überwachungskameras ausgesprochen.

Technisch gesehen wäre es möglich, die Gesichter von Bürgerinnen und Bürgern mit  einer Datenbank abzugleichen, während sie sich im öffentlichen Raum bewegen. Voraussetzung ist erstens, dass sie dabei gefilmt werden. Zweitens muss  die Polizei eine Künstliche Intelligenz (KI) mit den Daten füttern. Diese Maschine gleicht dann riesige Datenmengen miteinander ab und erkennt die Gesichter.

“Da kommen Erinnerungen an einen gewissen Roman von Orwell auf”, sagt Guido Brockmann, Head of Product Management bei der Europäische Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (eu-LISA). Im Roman “1984” von George Orwell überwacht der Staat seine Bürger überall mit Kameras und Mikrofonen. Die eu-LISA entwickelt und implementiert die IT-Systeme für EU-Sicherheitsbehörden wie Europol und Frontex. Zu diesen Systemen zählen unter anderem das “Shared Biometric Matching System”. Darin werden die biometrischen Daten von Menschen gespeichert, die aus Drittstaaten in die Europäische Union (EU) einreisen. Doch eine Live-Gesichtserkennung in der EU hält Brockmann für ethisch bedenklich.

Lea Wedekind von Europol erklärt, dass es eine Live-Gesichtserkennung in der EU nicht geben werde. Es fehle die rechtliche Grundlage. Außerdem gilt das Verfahren als nicht ethisch. “Aber ein Abgleich von Bildern, das ist Standard. Ohne würden wir der Arbeit gar nicht Herr werden”, schränkt Wedekind ein. Die Polizei nutze KI, um große Bildmengen zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Wenn der Algorhythmus Gemeinsamkeiten entdeckt, kann das zur Identifikation von Personen führen. Beispielsweise, wenn die KI das Facebook-Profil zu einem Fahndungsfoto findet.  

Doch die Technologie könne durch so einen Abgleich auch Tatorte identifizieren. Zum Beispiel setze die Polizei sie bei der Bekämpfung von Kinderpornografie ein. Ein automatisiertes Programm geht Aufnahmen von Kindesmissbrauch durch. Dabei kann es erkennen, ob es sich bei den abgebildeten Orten, Gegenständen oder Personen um dieselben handelt. So nehme die Technik den Polizistinnen und Polizisten psychisch belastende Arbeiten ab und helfe bei der Aufklärung von Missbrauchskomplexen .

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