Geringe Bereitschaft für ein Ehrenamt

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Das Wissen um die Bedeutung des Ehrenamtes ist da, aber die Bereitschaft zur Übernahme ist kaum vorhanden. (Foto: BS/Anemone123, pixabay.com)

TTrotz Ukraine-Krieg, Flutkatastrophe oder Corona-Pandemie ist die Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement nicht gestiegen. Dies geht aus dem zweiten Ehrenamtsmonitor des Malteser Hilfsdienstes (MHD) hervor. Wie schon im vergangenen Jahr führte das Unternehmen YouGov im Auftrag der Hilfsorganisation eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Erwachsenen in Deutschland zu ihrer Einstellung zu ehrenamtlichem Engagement durch.

Auffällig bei der Umfrage ist, dass die Befragten (rund ein Drittel) sich spontan hilfsbereit zeigen, aber nur wenige sich langfristig in einer Hilfsorganisation engagieren wollen. Die Zahl, die sich länger binden wollen, liegt wie im vorherigen Ehrenamtsmonitor bei nur sieben Prozent. Von diesen sieben Prozent sind bereits fünf Prozent ehrenamtlich tätig. Dabei äußerten sich die Befragten durchaus sorgenvoll zu den kommenden gesellschaftlichen Herausforderungen. Rund drei Viertel der befragten Personen sahen den Themen Migration und Zuwanderung (76 Prozent), Pandemien (75 Prozent) Naturkatastrophen (72 Prozent) mit mehr Beunruhigung als früher entgegen.

Spontanhelfereinsatz beliebter

Gleichzeitig wissen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage um die Bedeutung des Ehrenamtes bei der Bewältigung von Krisensituationen. 70 Prozent halten das Ehrenamt bei der Bewältigung von Naturkatastrophen für wichtig und sehr wichtig. Nur noch höher (73 Prozent) wird die Bedeutung des Amtes für den sozialen Zusammenhalt bewertet. In diesem Zusammenhang ist zwar die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, leicht gestiegen – von 28 Prozent auf 31 Prozent, doch bei 54 Prozent hat sich die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, nicht verändert. Unter dem Eindruck der Flutkatastrophe 2021 ist die Bereitschaft, spontan helfen zu wollen, konstant mit 35 Prozent geblieben.

Als Konsequenz aus diesem Missverhältnis von geringer Bereitschaft und den drängenden Herausforderungen fordert die Hilfsorganisation die Schaffung von verlässlichen Strukturen. “Die kurzfristige Hilfsbereitschaft reicht nicht aus, wo Zeit und Qualifikationen erforderlich sind, um wirkungsvoll helfen zu können. Daher müssen die auf langfristiges Engagement angelegten Strukturen im Bevölkerungsschutz gestärkt werden, damit diese im Notfall zur Verfügung stehen. Außerdem gilt es, die Hürden für den Eintritt ins Ehrenamt zu senken”, schreiben die Autorinnen und Autoren des Ehrenamtsmonitors. Eine Lösung könnte laut den Autoren die Schaffung eines “Gesellschaftsdienstes im Bevölkerungsschutz”, der eine vierjährige freiwillige Selbstverpflichtung vorsieht, sein. Für einen solchen Aufbau eines neuen freiwilligen Dienstes im Bevölkerungsschutz für alle Altersgruppen, mit umfassender Ausbildung und mehrjährigem ehrenamtlichen Einsatz im Bevölkerungsschutz sprachen sich in der Umfrage über 60 Prozent aus.

“Die breite Zustimmung für einen “Gesellschaftsdienst im Bevölkerungsschutz“ und die Stärkung der bereits tätigen Hilfsorganisationen zeigt, dass unsere Forderungen auf Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Nun ist es an der Politik die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und bestehende Strukturen zu festigen. Unsere Gesellschaft braucht Ehrenamt, nicht nur in Krisenzeiten, wir brauchen auch Strukturen, die eine dauerhafte Versorgung sicherstellen”, erklärte dazu MHD-Präsident Georg Khevenhüller.

Der zweite Ehrenamtsmonitor findet sich hier.

Am 24. Mai diskutieren Expertinnen und Experten zu diesem Thema “Nachwuchsgewinnung im Katastrophenschutz” auf NeueStadt.org. Weitere Informationen finden sich hier.

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