Zuschlagsentscheidung für “P20” gefallen

0
643

Die lang erwartete Zuschlagsentscheidung im Rahmen des Projektes “P20” (ehemals Polizei 20/20) ist gefallen. Die Wahl des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums (BeschA) ist auf das Unternehmen Accenture gefallen. Alle anderen Firmen und Konsortien, die im Rennen waren, kamen nicht zum Zug.

Ursprünglich eine amerikanische Gründung hat Accenture heute seinen Hauptsitz im irischen Dublin. Die Firma verfügt weltweit über knapp 700.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 50 Milliarden Euro. Accenture hat in letzter Zeit durch mehrere Firmenkäufe, darunter die Übernahme von Umlaut (vormals P3), von sich reden gemacht. Zum aktuellen Accenture-Konsortium gehören auch einige seiner Tochterunternehmen. Das US-Unternehmen Palantir zählt nicht dazu. Die Firma hat sich eigenen Angaben zufolge an keinem der vier bietenden Konsortien beteiligt. Palantir ist also nach wie vor nur über VERA bei “P20” involviert. Dort gibt es derzeit den bayrischen Zuschlag, aber noch keine Entscheidungen über den Einstieg weiterer Länder beziehungsweise des Bundes.

Nach Informationen des Behörden Spiegel sollte die Zuschlagsentscheidung bewusst erst nach dem Europäischen Polizeikongress verkündet werden. Gleiches galt für die Absagebriefe an die unterlegenen Bieter. Allerdings war die Information über den Zuschlag an Accenture, der auch innerhalb der an der Entscheidung beteiligten Stellen bis zuletzt strittig war, längst durchgesickert und das Top-Thema beim Networking auf der Veranstaltung des Behörden Spiegel in Berlin. Die Absagen wurden einen Tag nach dem Polizeikongress versendet und waren alle mehr oder minder gleichlautend.

Welchen Stellenwert hat digitale Souveränität?

Doch es bleiben Vorbehalte. Die fachlichen Zweifel sind nicht das Entscheidende. Das Unternehmen Accenture wird das gut hinbekommen. Vielmehr bleibe die Frage bestehen, wie ernsthaft mit der digitalen Souveränität umgegangen werden solle. Ein Insider, der ungenannt bleiben möchte, sagte dem Behörden Spiegel: “Wir drehen an allen Rädern, um im Kernbereich der Sicherheit national autonom zu werden, und vergeben den Kern der deutschen Polizeizukunft an ein US-Unternehmen. Das ist nicht nur nicht nachvollziehbar, es ist unverzeihlich.” Andere Stimmen aus dem Sicherheitsbereich sind hingegen froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde, um das Projekt eines einheitlichen Datenhauses für die deutschen Polizeien voranzutreiben. Nun kann das Projekt endlich Fahrt aufnehmen. Es wurde auch dringend Zeit.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here