Frauenförderung bei der Polizei noch verbesserungswürdig

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Diskutierten über Frauen in der Polizei (v.l.n.r.): Prof. Dr. Heike Wagner, Sabine Schumann, Dr. Eva-Charlotte Proll (Moderatorin) und Britta Zur. (Foto: BS/Boris Trenkel)

Braucht es eine Quote für Frauen in polizeilichen Führungspositionen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Aber egal welcher Position man anhängt, eines eint die unterschiedlichen Lager dann doch: bei der generellen Förderung von Polizistinnen ist noch deutlich Luft nach oben.

So müssten sich Polizeipräsidentinnen in ihrer Amtsführung und mit Blick auf ihren Führungsstil deutlich mehr beweisen als ihre männlichen Kollegen, kritisiert die Gelsenkirchener Polizeipräsidentin und baldige Düsseldorfer Beigeordnete, Britta Zur. Zudem würden sie teilweise oberflächlich und herablassend behandelt.

Auch die Präsidentin der Hochschule der Polizei Brandenburg, Prof. Dr. Heike Wagner, konstatiert, dass Frauen in der Polizei zum Teil immer noch mit Vorbehalten zu kämpfen hätten. Aus diesem Grunde ließen sich einige Mechanismen und Abläufe innerhalb der Polizei nur durch die Einführung von Quoten verändern, meint Sabine Schumann, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Aus ihrer Sicht sollte der Polizeiberuf zudem noch weiblicher werden. Derzeit liege der Frauenanteil hier noch bei unter 30 Prozent. Diese Schwelle müsse unbedingt überschritten werden, findet sie. Dafür müsse die Frauenförderung aber auch “in den Köpfen ankommen”.

Keine feministische Polizei schaffen

Eher gegen eine Quote, aber klar für eine bessere Frauenförderung, ist Zur. Sie ist der Auffassung, dass es keine feministische Polizei brauche. Eine solche könnte vielmehr eher abschreckend wirken. Polizei müsse für alle da sein, ist sie sich mit Wagnereinig. Die Hochschulpräsidentin plädiert eher dafür, Frauen in allen Lebensphasen mitzunehmen. Das werde angesichts von Dienstzeiten von bis zu 50 Jahren in der Polizei immer wichtiger. Gleiches gelte für kontinuierliche Chancen zur Fortbildung und Weiterentwicklung. Zudem komme es darauf an, dass Frauen in der Polizei – und vor allem in dortigen Führungspositionen – noch sichtbarer würden. In der Brandenburger Polizei gebe es hierfür ein spezielles Mentorenprogramm, das sich ausschließlich an Frauen richte. Denn Frauen hätten einen anderen Führungsstil als Männer.

Beurteilungswesen reformieren

Ein solches Mentorenprogramm sei ein begrüßenswertes Instrument, meint DPolG-Vertreterin Schumann. Allerdings brauche es zugleich noch andere Maßnahmen. Dazu gehörten unter anderem Veränderungen im Beurteilungswesen. Denn nach der Geburt von Kindern würden Polizistinnen oftmals schlechter bewertet, bemängelt Schumann. Zu oft herrsche bei den Beurteilern noch das Denken vor: “Die Beamtin war ja nicht da, die kann ja nicht geleistet haben.” Des Weiteren müssten weibliche Führungskräfte noch stärker herausgehoben werden. Denn sie könnten für Polizistinnen – insbesondere für junge Beamtinnen – gut als Vorbilder dienen. Auch die Frauen in der Polizei seien gefordert. Sie sollten andere Frauen bei Karriereverläufen auch mitnehmen und sie gezielt fördern. Generell sei in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Polizei noch einiges zu tun, findet die DPolG-Vertreterin.

Kinderbetreuung verbessern

Da will Zurnicht widersprechen. So brauche es etwa noch viel häufiger flexible und kreative Modelle der Kinderbetreuung. Auch müssten ein stärkeres dienstgruppenübergreifendes Arbeiten, mehr Home Office oder Angebote wie Eltern-Kind-Frühstücke für Kolleginnen und Kollegen, die sich aktuell in Elternzeit befinden, noch häufiger implementiert werden. Gleiches gelte für das Aufteilen einer Vollzeitstelle auf mehrere Teilzeitkräfte.

Problematisch sei zugleich aber auch, dass Frauen teilweise noch zu Führungsfunktionen “getragen” werden müssten. Sie würden zum Teil massive Bedenken haben, ob sie der Aufgabe auch tatsächlich gewachsen seien. Hier brauche es noch mehr Selbstbewusstsein. Eine Frauenquote bei der Polizei ist aus ZursSicht nicht nötig. Sie wäre künstlich erzwungen. Auch Wagnerhält einen solchen Schritt nur für die ultima ratio. Gleichwohl müsse die Polizei noch flexibler werden, etwa Arbeitszeitmodelle betreffend. Brandenburg sei hier schon auf einem guten Weg, lobt sie.

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