Das Ende des Eurofighter-Nachfolgers FCAS?

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(Grafik: BS/Spree Service GmBH)

(BS) Vergangene Woche veröffentlichte das BMVg den 15. Rüstungsbericht, der den Status der größeren Rüstungsprojekte Deutschlands darlegt. Diese Veröffentlichung findet jedes Jahr statt, um die Politik und die Öffentlichkeit über den Fortlauf der Programme zu informieren. Da es sich um eine fortführende Publikation handelt, sind viele Elemente durchaus identisch mit den vorigen Rüstungsberichten. Interessant wird es allerdings in den Details. Besonders in der Beschreibung zum Future Combat Air System (FCAS), dem zukünftigen Multirole-Fighter der Luftwaffe und designiertem Eurofighter-Nachfolger, liegt Zündstoff.

“Die Unstimmigkeiten zwischen den Industrien – hier insbesondere zwischen Dassault Aviation und Airbus – führen zu einer Verzögerung des Starts der nächsten Phase (Technologiematurierung). Sollte auch weiterhin keine Einigung gefunden werden, die die Interessen aller drei Nationen nach einer Beteiligung auf Augenhöhe erfüllt, ist die Fortsetzung der Kooperation zu hinterfragen”, ist im aktuellen Rüstungsbericht zu lesen.

Das hier beschriebene Problem liegt darin, dass die politische Führung (Angela Merkel und Emmanuel Macron) seinerzeit zwei Konkurrenten zwangsverheirateten, die in zu vielen Projekten und Programmen eigene Lösungen anbieten, um tatsächlich kooperieren zu wollen. Die Säule des Next Generation Fighter (NGF) ist zwar für das Programm die wichtigste und steht unter dem Lead von Dassault, dieser Dassault stehen allerdings in allen anderen Säulen sehr viele Airbus-Unternehmen gegenüber, die alle Informationen von der Dassault benötigen, welche das Unternehmen nicht unbedingt mit einem Konkurrenten teilen möchte. Jede dieser sieben Säulen beinhaltet Hochtechnologie und bringt die Unternehmen und Wissenschaftler zusammen, die in diesen Bereichen in ihren Ländern führend sind. Dass Airbus in fast allen Säulen vertreten ist, könnte tatsächlich einen Wettbewerbsvorteil bei zukünftigen Programmen bringen.

Diese Diskrepanz war früh bekannt und wurde dadurch unterdrückt, dass dieses Programm auf höchster politischer Ebene beschlossen wurde. FCAS ist ein Drei-Nationen-Programm mit Frankreich als “Lead Nation” in der Führungsrolle. Der politische Wille sollte durch das tri-nationale Combined Project Team (CPT) in Paris, das unter französischer Leitung steht, in Verträge gegossen werden. Nun weigert sich allerdings Dassault bereits seit fast einem Dreivierteljahr, den entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen, mit dem das Flugzeug weiterentwickelt werden könnte. Wobei Dassault als Grund nennt, dass zu viele Patente und Geheimnisse an den Konkurrenten Airbus gehen würden. Andererseits könnte man es auch als Schwäche des französischen Präsidenten deuten. Zuerst wartete Dassault die französische Wahl ab und nun scheint Macron nicht mehr das Durchsetzungsvermögen zu haben, mit dem er seinerzeit die Konkurrenten in eine Kooperation zwingen konnte. Die weitere Entwicklung ist dementsprechend von der Stärke und dem Willen des französischen Präsidenten abhängig. Durchaus ein Unsicherheitsfaktor.

Das Thema FCAS behandelt der Behörden Spiegel umfassend in einer Sonderpublikation, die in diesem Jahr erschienen ist und hier bestellt werden kann.

Der neueste Rüstungsbericht ist hier abrufbar.

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