Wie Österreich gegen häusliche Gewalt vorgeht

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Hinter häuslicher Gewalt stecken oft nahe Angehörige oder die eigenen Partner. Das macht es den Opfern schwer zu entkommen. Doch die österreichische Familienministerin Susanne Raab betont: "Jede Frau muss wissen, dass es einen Ausweg gibt." (Foto: BS/Ulrike Mai/pixabay.com)

Das österreichische Bundeskriminalamt (BKA) hat seine Halbjahresbilanz gezogen. Die Polizei sprach rund 7.100 Betretungs- und Annäherungsverbote an Gewalttäterinnen und -täter aus. Um häusliche Gewalt zu verhindern hat die Alpenrepublik bestehende Gesetze verschärft, Neue erlassen und plant ein Konzept aus Wien im ganzen Land einzuführen.

Das Hauptproblem bei ist die hohe Dunkelziffer. “Frauen, die von Gewalt betroffen sind, müssen ermutigt werden, die Polizei zu verständigen, um diesen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen”, erklärt der österreichische Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Bisher stammen die meisten Anzeigen wegen häuslicher Gewalt von den Opfern selbst. Aber auch Nachbarn und Angehörige sollten bewusst hinsehen, fordert der Minister. Auf ihre Zivilcourage komme es an. “Der Fokus wird daher in Zukunft noch mehr auf die Sensibilisierung der gesamten Gesellschaft vor Gewalt im privaten Zusammenleben gelegt werden”, versprach der Innenminister.

“Gewalt in den eigenen vier Wänden ist keine Privatsache”, stimmt seine Kollegin Susanne Raab (ebenfalls ÖVP) zu. Die Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien betont: “Jede Frau muss wissen, dass es einen Ausweg aus der Gewaltspirale gibt. Wer gewalttätig ist, muss gehen.” Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Staatliche Maßnahmen

Entsprechend hat der österreichische Staat Maßnahmen ergriffen. Seit Jahresbeginn gilt mit der Aussprache eines Betretungs- und Annäherungsverbots auch ein Waffenverbot für die Täter. Außerdem sind sie seit Herbst des vergangenen Jahres gesetzlich verpflichtet, Gewaltpräventionsberatungen zu besuchen. Rund 5.900 potenzielle Gewalttäter hat die Polizei im ersten Halbjahr 2022 an die Beratungsstellen verwiesen.

Zudem stellt sich die österreichische Polizei auch personell und strukturell auf den Gewaltschutz ein. So hat sie in den letzten Jahren etwa 960 Polizeikräfte zu Präventionsbeamtinnen und -beamten ausgebildet. Diese haben eine Sonderqualifikation und stehen mit ihrer Expertise für einschlägige Einsätze  bereit. Ziel des Innenministeriums ist, eine solche Spezialkraft in jeder Polizeidienststelle zu haben.

Die Landespolizeidirektion Wien hat darüber hinaus eine Hotline entwickelt. Auf “GiP-Supports” unterstützen speziell geschulte und erfahrene Polizisten die Ersteinschreiter beim Einsatz. Unter anderem bieten sie Gefährdungseinschätzungen sowie juristische Beratung für die Beamten vor Ort. Dieses Konzept soll in ganz Österreich implementiert werden.

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