Komplette Anerkennung von Krebs als Ziel

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Marcus Bätge ist Feuerwehrmann bei der Feuerwehr Hamburg und Geschäftsführer von FeuerKrebs gUG. (Foto: BS/Klawon)

Für die komplette Anerkennung von Krebs als Berufskrankheit setzt sich Marcus Bätge, Feuerwehrmann und Geschäftsführer von FeuerKrebs, schon seit längerem ein. Mit der neuen Einstufung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist er einen Schritt weiter. Die Fragen stellte Bennet Klawon.

Behörden Spiegel: Wie ist die Situation der Anerkennung von Krebserkrankungen?

Marcus Bätge: Es hat sich generell etwas beim Thema Krebsprävention im Feuerwehrdienst getan. D. h., wir haben eine große Aufmerksamkeit, was das Thema Einsatzhygiene betrifft.

Die Feuerwehren denken darüber nach, was sie tun können, und ändern ihre Arbeitsweisen. Darunter fällt beispielsweise die Umsetzung einer nachhaltigen Schwarz/Weiß-Trennung. Dabei entkleiden sich die Einsatzkräfte nach dem Brandereignis entsprechend, packen das Equipment in Plastikbeutel und ziehen saubere, extra vorgehaltene Wechselwäsche an. Es wird mit dem Thema anders umgegangen. Im Bereich der Anerkennung haben wir leider noch keine Fortschritte verzeichnen können.

Behörden Spiegel: Wo ist die Politik am dringendsten gefordert?

Bätge: In der Kommunalpolitik ist es immer noch ein Manko, dass die Gelder eher für Freizeitangebote wie Schwimmbäder oder Spielplätze in der Gemeinde eingesetzt werden. Nachsehen haben dabei meistens die örtlichen Feuerwehren. Diese Gelder fließen dann nicht in neue Ausrüstung, Gerätehäuser, Fahrzeuge und eben auch nicht in Hygienemobile oder -anhänger. Das ist immer noch ein Problem. Dabei wird immer gesagt: “Für diese zwei, drei Feuer im Jahr braucht ihr ja keine Schutzkleidung für Tausende von Euros.” Die komplette Anerkennung von Krebs als Berufskrankheit ist unser größtes Ziel. Dafür müssen sich jedoch einige Dinge ändern.

Behörden Spiegel: Was muss aus der neuen Einstufung der IARC folgen?

Bätge: Mit Veröffentlichung der Einstufung durch die IARC in die Kategorie 1A (Stoffe, die auf den Menschen bekanntermaßen karzinogen wirken), wird der Kausalzusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Stoffen und der Entstehung von Krebs, bei Tätigkeiten von Feuerwehreinsatzkräften als “ausreichend nachgewiesen“ bestätigt. Hier hat der Arbeitgeber künftig eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern. Er hat ein geeignetes, risikobezogenes Maßnahmenkonzept anzuwenden, um das Minimierungsgebot umzusetzen.  Hierbei sind die bekannt gegebenen Regeln, Erkenntnisse und Beurteilungsmaßstäbe zu berücksichtigen.

Ein Arbeitsplatzgrenzwert, wie er in der Gefahrstoffverordnung durch den Ausschuss für Gefahrstoffe festzulegen ist, kann gerade für das Milieu, in dem sich unsere Einsatzkräfte aufhalten, nicht oder nur sehr schwer festgelegt werden. Zudem ist es nicht nur das Brandfolgeprodukt, welches das Gremium der IARC dazu bewegt hat, die Tätigkeit der Feuerwehrleute entsprechend einzustufen. Hinzu kommen Nachtschichtarbeit (unterbrochener Schlaf), im Feuerwehrdienst eingesetzte Betriebsstoffe (PFAS- Imprägnierungsmittel zur Abweisung von Wasser oder auch PTFE bei Beschichtungen), Dieselpartikel, die physiologische und psychische Belastung durch den Job oder auch die Gefahr von ansteckenden Krankheiten, die krebserregend/-fördernd sind. All das muss selbstverständlich erst noch von hiesigen wissenschaftlichen Mitarbeitern bewertet und anhand der 1.250 Seiten der Monografie Vol. 132 durchgearbeitet werden. Dies kann durchaus hilfreich sein, wenn es um die Neubewertung von Berufskrankheiten und die Aufnahme in den BK-Katalog geht.

Das vollständige Interview findet sich in der aktuellen Behörden Spiegel-Ausgabe aus Seite 21.

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