General Mark A. Milley zum Ukraine-Krieg

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Die Fähigkeiten der russischen und ukraini- schen Kräfte sind auch im Zusammenhang mit der Länge der Frontlinie zu sehen. (Bild: BS/Ministry of Defense of Ukraine)

Im Rahmen des Ukraine Defense Contact Group Meeting auf der Ramstein Airbase gab der Vorsitzender des Generalstabs der US-Streitkräfte, General Mark A. Milley, einen Überblick zur Kriegsentwicklung in der Ukraine. Dieser ließe sich in mehrere Abschnitte unterteilen. Während des ersten Zeitabschnitts, vom 24. Februar bis etwa Mitte April, hätten die russischen Streitkräfte im Rahmen eines strategischen Angriffs versucht Kiew einzunehmen, zum Fluss Dnipro zu gelangen, über den Süden der Krim in den Donbass vorzustoßen und dann möglicherweise auch einen Angriff auf Odessa durchzuführen. “Diese Angriffe sind gescheitert”, sagte General Milley. “Sie haben die Hauptstadt nicht eingenommen, sie haben die Regierung nicht gestürzt, sie sind nicht bis zum Dnipro-Fluss vorgedrungen und sie haben Odessa nicht eingenommen.”

Deshalb hätten sich die russischen Kräfte ab etwa Anfang April umgestellt und ihre Kräfte im Osten konzentriert, um den gesamten Donbass einzunehmen und sich gegen Odessa zu richten. “Sie starteten diese Offensive um den 15. oder 16. April herum und wurden dabei besiegt”, beschrieb General Milley. “Ihre operativen Ziele bei dieser Offensive waren nicht erfolgreich. Sie haben nicht den gesamten Donbass umfasst, sondern nur den Fluss Dnipro im Süden, in der Nähe von Cherson, überschritten. Ihre operativen und strategischen Ziele wurden also durch eine sehr erfolgreiche Verteidigung der Ukraine vereitelt.”

Nun kommt es erneut zu einem neuen Einschnitt, diesmal eingeleitet durch den ukrainischen Gegenangriff. “Zu Beginn dieses Monats, etwa am 1. September, hat die Ukraine eine Offensive gestartet, um die operative und strategische Initiative zu ergreifen”, sagte General Milley. “Ich möchte an dieser Stelle nicht auf spezifische Vorstoßachsen oder spezifische Ziele eingehen. Ich denke, dafür ist es noch zu früh.” Es zeichne sich allerdings ab, dass der ukrainische Angriff eine erfolgreiche Linie verfolge. Zum Vorgehen der ukrainischen Streitkräfte sagte General Milley: “Ihr Fortschritt ist stetig, und er ist beabsichtigt.”

Die Front sei allerdings weiterhin zu groß, um eine deutliche Tendenz ausmachen zu können. “Es handelt sich um knapp 2.500 Kilometer Grenze, die die Ukraine zu schützen hat. Und etwa 1.300 Kilometer sind in aktive Kämpfe verwickelt”, beschrieb General Milley. “Im Moment finden die intensivsten Kämpfe oben in Charkiw statt. In der Gegend um Bakhmut wird heftig gekämpft, und dann natürlich die Offensive unten in Cherson.”

Von einer Überdehnung der ukrainischen Kräfte könne dennoch nicht gesprochen werden. “Sie haben die nötigen Kräfte dafür und wir werden sehen, wie es weitergeht”, sagte General Milley. Die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten hätten die Nutzung der gelieferten Waffensysteme schnell erlernt und sie erfolgreich in ihre taktischen Vorgehensweisen einbezogen. “So haben die Ukrainer beispielsweise über 400 Ziele mit dem HIMARS-System beschossen – und das mit verheerender Wirkung.”

Zum Gegner der Ukraine sagte General Milley: “Die russischen Kommunikations- und Nachschubkanäle sind stark beeinträchtigt. Das wirkt sich unmittelbar auf die Fähigkeit Russlands aus, Kampfkraft zu entwickeln und zu erhalten. Das Command and Control in den Hauptquartieren ist gestört und die russische Führung hat große Schwierigkeiten, ihre Streitkräfte wieder aufzustocken und die Verluste zu ersetzen.” Dennoch sei es zu früh, um von einer Niederlage zu sprechen. General Milley betonte: “Der Krieg ist noch nicht vorbei. Russland ist ein großes Land. Sie haben sehr ernste Ambitionen in Bezug auf die Ukraine. Es wird also notwendig sein, die Ukraine zu unterstützen, damit sie ihren Kampf ums Überleben fortsetzen kann. Und ich weiß, dass der Minister und alle Mitglieder der Kontaktgruppe auch in Zukunft mit unseren Partnern zusammenarbeiten werden, um der Ukraine das zu geben, was sie braucht, um ihren Kampf um Freiheit fortzusetzen.”

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