Bundeslagebild zur Organisierten Kriminalität vorgestellt

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Die Polizei hat erneut mehr Verfahren wegen Organisierter Kriminalität (OK) geführt als im Vorjahr. Handlungsschwerpunkt der Kriminellen sind Rauschgiftdelikte. (Foto: BS/BKA)

Die Polizeien in Deutschland haben im vergangenen Jahr fast 20 Prozent mehr Ermittlungsverfahren gegen Organisierte Kriminalität (OK) geführt als im Jahr 2020. Der starke Anstieg der Verfahren erklärt sich auch aus der Auswertung der Daten aus kryptierten Messengerdiensten.

Mehr als ein Viertel aller im Bereich OK eingeleiteten Ermittlungsverfahren (187 Verfahren; 26,9 Prozent) lassen sich auf sichergestellte Daten des mittlerweile abgeschalteten Kommunikationsdienstes EncroChat zurückführen. Die Übermittelung der Daten erfolgte durch internationale Partner. Dies geht aus dem aktuellen Bundeslagebericht Organisierte Kriminalität des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor.

Der Schwerpunkt organisierter krimineller Aktivitäten liegt weiterhin im Bereich der Rauschgiftdelikte. Fast die Hälfte aller eingeleiteten Ermittlungsverfahren sind dieser Kategorie zuzuordnen. Die Anzahl der Tatverdächtigen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 14,9 Prozent. Deutsche Tatverdächtige bildeten mit einem Anteil von etwa 40 Prozent unverändert die größte nationale Gruppe innerhalb aller OK-Tatverdächtigen. Mehr als zwei Drittel der aufgedeckten Organisationen verfügen über weniger als zehn Mitglieder. Erstmalig überschreitet die jährlich festgestellte Schadenssumme durch OK zwei Milliarden Euro.

BKA-Präsident Holger Münch mahnt, die Aktivitäten der OK ernst zu nehmen: “Das Bundeslagebild OK zeigt: Wir dürfen die Gefahr, die von organisierten Kriminellen ausgeht, nicht unterschätzen. Eine Vielzahl von Täterinnen und Tätern konnte dank der Möglichkeiten anonymisierter Kommunikation jahrelang im Verborgenen agieren – und sich damit oftmals unseren Ermittlungen entziehen. Durch die Auswertung der Daten aus kryptierten Messengerdiensten haben wir nun einen besseren Einblick in die Strukturen der OK.” Dennoch sei das Dunkelfeld anhaltend groß.     

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärt die Bekämpfung der OK zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit. Von dieser Tätergruppe gehe große Gewaltbereitschaft aus. Man müsse entschlossen handeln, um Verhältnisse wie in Schweden oder den Niederlanden zu verhindern.  

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, betrachtet das Entschlüsseln klandestiner Telekommunikation als wichtigstes Werkzeug gegen OK. Und der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, unterstreicht: “Rauschgifthandel, Wirtschaftskriminalität und Eigentumskriminalität durchdringen mehr und mehr unsere Gesellschaft. Wir müssen deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um Organisierte Kriminalität wirksam zu bekämpfen.” Da kriminelle Banden überwiegend verschlüsselt kommunizierten, brauche die Polizei grundsätzlich die Möglichkeit der Online-Durchsuchung und Quellen-TKÜ.

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