Digitale Spaltung verhindert Cyber-Resilienz

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Parlamentarischer Staatssekretär und MdB Johann Saathof (SPD, ganz links im Bild) macht sich bereit, den Digitalen Führerschein an Absolventinnen und Absolventen zu übergeben. DsiN-Geschäftsführer Dr. Michael Littger schaut zu (im Bild ganz rechts). (Foto: BS/Hilbricht)

Politikerinnen und Politiker sowie der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) urteilen, dass die Digitalisierung zu einer Spaltung zwischen kompetenten Anwenderinnen bzw. Anwendern und Zurückgelassenen führe. Um cyber-resilient zu werden, müsse diese Spaltung überwunden werden. Sie schlagen zwei Maßnahmen vor.

Der Jahreskongress 2022 des DsiN stand unter dem Motto “Cyber-Resilienz”. “Cyber-Resilienz betrifft inzwischen nahezu alle Lebensbereiche”, sagte Michael Saathoff (SPD). Der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) begründet diese These mit der galoppierenden Digitalisierung nach der Corona-Pandemie. Aber auch der Krieg in der Ukraine mache die Notwendigkeit augenfällig. Staatlicherseits arbeite sein Ministerium zusammen mit der Europäischen Union an der schnellen Annahme der Network and Information Security Directive (NIS2). Aber staatliche Regulierungen seien nur ein Teil der Lösung. Die Anwenderinnen und Anwender müssten selbst Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Dazu bräuchten sie Know-How. Hier kritisierte er, der ländliche Raum liege aus Sicht der Berliner Büros “oft hinter der Erdkrümmung”. Doch DsiN wirke mit gezielter Aufklärungsarbeit im ländlichen Raum gegen diese Tendenz.

“Es gibt mittlerweile eine Gesellschaftskluft, einen wirklichen Digital Divide”, bringt der Autor, Journalist und Podcaster Richard Gutjahr das Problem auf den Punkt. Damit meint er nicht nur die Stadt-Land-Spaltung in der Digitalisierung. Die alten Leute verstünden die Technik nicht. Die Jungen könnten die Technik zwar anwenden, aber eine vernünftige Quelle im Internet nicht von einer gefälschten unterscheiden. Bei beiden Zielgruppen bestehe – wenn auch unterschiedlicher – Bildungsbedarf.

“Digitale Kompetenzen machen die Grundlagen für eine gelebte Digitalisierung in Deutschland aus”, gibt Thomas Tschersich beim DsiN-jahreskongress 2022 als Devise aus. Der Vorsitzende des DsiN betont die Wichtigkeit der Aufklärungs- und Bildungsarbeit seines Vereins. An die Politik richtet er den Appell, das Rad nicht neu zu erfinden. Digitale Bildung und Aufklärung müsse ein Grundstein jeder Cyber-Sicherheitsstrategie sein. Der DsiN stehe Gewehr bei Fuß, um diese Arbeit zu leisten.

Dr. Michael Littger betont die Unterschiede zwischen digitaler Kompetenz und Autofahren. Frage man jemanden, ob er oder sie Auto fahren könne, dann sagt die Person klar ja oder nein. “Bei der Digitalisierung ist das anders” erklärt der Geschäftsführer des DsiN. “Wir können alle ein bißchen, aber niemand kann alles.” Zusätzlich entwickelt sich die Cyber-Kriminalität ständig weiter. Daher hält Littger lebenslanges Lernen für einen Kernaspekt der Cyber-Resilienz.

Der DsiN ergänze den Digitalführerschein deswegen mit neuen Fokusthemen, berichtet der Geschäftsführer Littger. Er kündigt an, dass ab dieser Wochen der Digitalführerschein mit den Fokusthema Künstliche Intelligenz (KI) absolviert werden könne.

2FA einfacher machen

“In der Cyber-Sicherheit kommt es oft auf unser eigenes Verhalten an, und das ist eine Besonderheit, die nicht besonders zufriedenstellend ist”, kritisiert Dr. Anna Christmann (Bündnis 90/ Die Grünen). Die Beauftragte des Bundeswirtschaftsministers für Digitale Wirtschaft und Start Ups fordert, dass Produkte künftig nicht nur sicher, sondern auch einfach gestaltet werden sollten.

Gutjahr stimmt ihr zu und nennt ein Beispiel. Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) sei sehr sicher, stelle aber gerade für ältere Menschen eine Hürde da. Denn bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzt man klassischerweise zwei verschiedene Geräte, um die eigene Identität zu bestätigen. Beispielsweise einen Computer und ein Telefon. Ältere besäßen manchmal aber nur ein einziges Gerät. Da 2FA politisch gewollt ist und das BSI einen flächendeckenden Übergang zu dem Verfahren empfiehlt, folgern Gutjahr und die DsiN-Vertreterinnen und -Vertreter, dass 2FA technisch deutlich vereinfacht werden müsse.

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