Webseiten raus aus der Bundescloud

0
367
Die Technische Vize-Direktorin des ITZBund Christine Serrette würde die Bundescloud gerne hauptsächlich für kritische Daten nutzen. (Foto: BS/Hilbricht)

Cloud-Ressourcen sind rar in der Verwaltung. Deswegen würde die Technische Vizedirektorin des ITZBund Christine Serrette die Webseiten des Bundes am liebsten nicht mehr in der Bundescloud hosten.

Die Bundescloud ist eine Cloud-Infrastruktur, die das ITZBund gebaut hat. Der IT-Dienstleister des Bundes hat dafür eine VS-NfD-Freigabe erhalten. „Wir sind wahnsinnig stolz darauf“, sagte Christine Serrette auf einer Veranstaltung in der Dänischen Botschaft. „Wir sind die weltweit ersten, die derartige Daten händeln dürfen.“ Doch sie findet, dass die vorhandenen Ressourcen effektiver genutzt werden sollten. „Wir betreiben große Infrastrukturen für Webseiten. Ich würde dies gerne in die Public Cloud legen, damit ich in der Lage bin, meine Ressourcen für Wichtigeres zu verwenden.“

Übrigens werde die Bundescloud nicht 20 Jahre lang halten, schiebt Serrette hinterher. Es sei unmöglich mit der technischen Entwicklung mitzuhalten und dieselben Services und Sicherheitsstandards wie die großen Anbieter vorzuhalten. Im ITZBund arbeiteten 24 Menschen an der Cloud. Bei den großen Tech-Konzernen seien es hunderte. „Wir müssen einen Weg finden, eine private Cloud in unseren eigenen Datenzentren zu betreiben“, schließt Serrette. Wichtig sei Standardisierung. Jeder Kunde und jede Kundin solle sich fragen: „Bin ich wirklich so besonders, wie ich denke.“ Sie sollten Standard-Services nutzen. Sonderanfertigungen müssten die Ausnahme sein.

Erst implementieren, dann lernen

Dänemark habe sich in den letzten zwanzig Jahren zu der führenden Nation in der öffentlichen Digitalisierung entwickelt, erklärt die Dänische Botschafterin, Susanne Hyldelund. „In Dänemark läuft es nach dem Motto, erst implementieren, dann lernen. In Deutschland ist es umgekehrt“, scherzt die Botschafterin. Das haben die Dänen laut Hyldelund „nicht zuletzt durch öffentliche-private Partnerschaften“ erreicht.

Deutsche Industrievertreterinnen sehen hier noch Verbesserungspotenzial in Deutschland. Dabei habe die Industrie große Erwartungen, betont Iris Plöger von der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Die deutsche Digitalisierung ist eher aus der Sicht der Bürgerinnen und Bürger als aus der Sicht der Industrie konzipiert, obwohl die Industrie ein Poweruser der Verwaltung ist. Ein Industrieunternehmen hat bis zu 200 Verwaltungskontakte pro Jahr. Eine Bürgerin etwa sechs“, klagt Plöger.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein