Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr – er ist Realität. Immer häufigere und intensivere Starkregenereignisse, lange Trockenphasen und extreme Hitze setzen Städten und Gemeinden zunehmend zu. Allein im Jahr 2024 verursachten Unwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel versicherte Schäden in Höhe von 5,7 Milliarden. Starkregen und Überschwemmungen allein schlugen mit 2,6 Milliarden Euro zu.
Um die Folgen des Klimawandels zumindest abzumildern, müssen wir unsere Städte und Gemeinden klimaresilient und wasserbewusst umbauen. Aus unseren Städten müssen Schwammstädte werden. Ein Ausbau der Kanalisation für eine schnellstmögliche Ableitung der Niederschläge ist keine Lösung. Die Wassermassen im Starkregenfall übersteigen die technisch und wirtschaftlich realisierbaren Möglichkeiten eines Ausbaus der Kanalisation mehr als deutlich. Zudem muss das Wasser in der Stadt gehalten werden, um es in langen Trockenphasen zur Verfügung zu haben, beispielsweise für die Versorgung des Stadtgrüns. Positiver Nebeneffekt der Klimaanpassung durch blau-grüne Infrastruktur: die Aufwertung des Stadtbildes sowie die Verbesserung der Lebensqualität im urbanen Raum.
Die Antwort auf den Klimawandel
Die Schwammstadt vereint blaue, grüne und graue Infrastruktur. Und die Schwammstadt ist mehr als ein technisches Konzept – sie ist ein Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung und fordert sektorübergreifendes Denken und Handeln. Stadt- und Landschaftsplanung, Architektur, Umwelt- und Klimaschutz sowie Wasserwirtschaft müssen gemeinsam unsere Städte klimaresilient und wasserbewusst gestalten.
Wichtig für kommunale Entscheider: Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wollen die Schwammstadt. Das Meinungsforschungsinstitut Civey ermittelte in einer von der DWA beauftragten Umfrage eine überaus deutliche Mehrheit für entsprechende Konzepte und Maßnahmen. 84 Prozent der Befragten würden es begrüßen, wenn die Kommunen stärker in Schwammstadt-Konzepte investieren würden. Lediglich fünf Prozent lehnen das Schwammstadtprinzip ab. Hintergrund für diese Forderung aus der Bevölkerung: die Sorge vor Überflutungen. Knapp die Hälfte der Befragten stuft die Überflutungsvorsorge der eigenen Kommunen als kritisch oder unzureichend ein. Lediglich eine deutliche Minderheit von zwölf Prozent hält ihre Stadt für „auf jeden Fall gut“ vorbereitet.
Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung
Der Handlungsdruck durch den Klimawandel ist immens, Lösungsmöglichkeiten sind bekannt, die Bevölkerung fordert entsprechende Maßnahmen ein – trotzdem geht der wasserbewusste Umbau unserer Siedlungen nur äußerst schleppend voran. Einzelne Leuchtturmprojekte zeigen die Möglichkeiten und den Nutzen, es mangelt aber weiter an der Umsetzung in der Fläche und vor allem an der Umsetzung im Bestand. Nach wie vor arbeiten die verschiedenen Stakeholder nicht ausreichend miteinander, das Säulendenken ist weit verbreitet. Doch der Umbau unserer Städte wird aus rein sektoraler Sicht nicht gelingen. Es braucht interdisziplinäre Zusammenarbeit und politische Sensibilisierung auf allen Ebenen.
Genau hier setzt die von der DWA initiierte Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ an. Mehr als 20 Organisationen und Verbände, vom Bundesverband Gebäudegrün über den Bund Deutscher Landschaftsarchitekten und der Bundesarchitektenkammer bis zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt, haben sich in der Allianz zusammengeschlossen, um gemeinsam den wasserbewussten Umbau unserer Städte voranzutreiben. Die Allianz versteht sich als Impulsgeberin, Vernetzerin und politische Stimme für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung. Klares einheitliches Credo: Nur gemeinsam – über Sektorengrenzen hinweg – können wir die Transformation unserer Siedlungsräume erfolgreich gestalten. Die Schwammstadt ist dabei nicht nur ein technisches Konzept, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag.
Werkzeuge für die Praxis: Das DWA-Audit
Starkregen, Trockenheit und Hitze sind die Folgen des Klimawandels, immense materielle Schäden und auch die Gefährdung von Menschenleben durch Überflutungen eines der konkreten Risiken für Städte und Gemeinden. Starkregen kann nicht vermieden werden, die Folgen für die Bevölkerung und die Wirtschaft können aber durch eine intelligente Starkregenvorsorge minimiert werden. Mit dem Audit „Überflutungsvorsorge“ bietet die DWA Kommunen eine praxisnahe Hilfestellung an. Fachleute der DWA analysieren vor Ort die Hochwasser- und Starkregenvorsorge und leiten daraus gemeinsam mit der Kommune klimaangepasste Maßnahmen ab. Das Audit Überflutungsvorsorge, ein wichtiger Baustein zur Überflutungsvorsorge und zugleich Einstieg in eine umfassendere wasserbewusste Stadtentwicklung.
Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2026
Wasser ist wesentlicher Teil der kritischen Infrastruktur und der Daseinsvorsorge, Wasser ist zentraler Baustein der Klimaanpassung. Die Schwammstadt und die klimaresiliente Stadtentwicklung steht dementsprechend auch beim Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2026 am 21. und 22. Januar 2026 in Berlin im Fokus. Diskutieren Sie mit Fachleuten aus Stadtplanung, Wasserwirtschaft, Architektur und Klimaschutz, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. Ich freue mich auf Sie in Berlin!
Autor dieses Artikels ist Dr. Friedrich Hetzel. Er ist Abteilungsleiter Wasser- und Abfallwirtschaft der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) und Koordinator der Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“




