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StartDigitalesKI und Klimakrise

KI und Klimakrise

RZ-Boom und KI-Hype sind eng miteinander verbunden und führen zu einem drastischen Anstieg des Ressourcenverbrauchs. Der Bedarf an Strom, Wasser und Fläche durch immer mehr Rechenzentren steht dabei in Konkurrenz zu Industriebedarfen und zu Bedarfen im Kontext Energiewende, aber auch zur Landwirtschaft. Gegen die Ausbremsung der Energiewende und die Intransparenz rund um den Ressourcenverbrauch regt sich Widerstand – erste Länder treten auf die Bremse.

Laut Rechenzentrumsstrategie will die Bundesregierung die hiesige RZ-Kapazität von +3.000 auf 6.000 Megawatt Nennleistung im Jahr 2030 verdoppeln. Rechenleistung misst man eigentlich mit FLOPS, mit Watt misst man Stromverbrauch. Die Leistung der RZ kann man also damit nicht bewerten, wohl aber ihren Energieverbrauch. Ein UN-Sonderbericht von Juni 2026 warnt vor einem massiven Anstieg des Energie-, Wasserund Ressourcenverbrauchs durch den KI-getriebenen RZ-Boom. Der globale Energieverbrauch durch RZ soll sich von 2025 bis 2030 auf fast 1.000 Terrawattstunden verdoppeln, das ist dreimal soviel wie der aktuelle Jahresstromverbrauch von Bangladesh, Nigeria und Pakistan, mit insgesamt 650 Millionen Menschen.

Dieser Anstieg wird stark durch den Ausbau energieintensiver KI-RZ getrieben. Schon das Training großer KI-Modelle verschlingt enorm viel Strom, für GPT-4 geschätzte 50- 70 Gigawattstunden (GWh), trotzdem werden 90 Prozent Energie bei der Nutzung verbraucht, mit jedem einzelnen Prompt. Laut UN soll allein GPT täglich etwa 2,5 Milliarden Prompts, mit etwa 380 GWh Strom verarbeiten – damit kann man ein Jahr lang etwa 190.000 Zweipersonenhaushalte oder die Berliner S-Bahn mit Energie versorgen. Wie dieser extreme Energiehunger überhaupt gedeckt werden soll, ist ungelöst, auch in Europa.

EU droht enormes Stromdefizit durch KI-Rechenzentren

Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft vom April 2026 errechnete für die EU bis 2030 ein Stromdefizit von 85 Terawattstunden (TWh) – nur für den geplanten Zuwachs an KI-RZ. So viel Energie verbraucht ganz Finnland. Die Stromversorgungsplanung passe nicht zur Planung der RZ-Kapazitäten, kritisiert Matilde Ciani, Forscherin in der Macrofinance- Forschungsgruppe am Kiel Institut, und belegt, dass die geplanten Energiekapazitäten nur dann für den KI-Zuwachs reichen, wenn alle anderen Sektoren nicht mehr wachsen, z. B. E-Autos im Verkehrssektor und Wärmepumpen im Wohnungsmarkt.

RZ werden häufig in regionalen Clustern gebaut, in den USA in Texas und Virginia, in Deutschland z. B. in Frankfurt am Main, wo RZ schon 40 Prozent des Stroms verbrauchen. Wo sich RZ ballen, sind die Folgen spürbar, z. B. durch steigende Strompreise. Weil in Irlands Hauptstadt Dublin schon 80 Prozent des Stromverbrauchs auf RZ entfallen und landesweit ein Fünftel, wurde dort bis 2028 ein RZ-Neubau-Moratorium verhängt. Der RZ-Boom bremst auch die Energiewende aus, weil der Zuwachs an Erneuerbaren Energien nicht hinterherkommt, nutzen viele Hyperscaler fossile Energiequellen, bauen eigene Gaskraftwerke oder betreiben illegal Flugzeugturbinen in mobilen Containern mit Methangas, wie Elon Musk in seinem gigantischen RZ „Colossus“ in Memphis, in dem seine KI Grok trainiert wird. Seitdem riecht es in der Gegend nach Gas. Weil die Luft schädliche Stickoxide und Formaldehyd enthält, nehmen dort Herz- und Lungenkrankheiten zu.

Entweder oder

Die RZ-Strategie des Bundes vom März 2026 konstatiert eine Konkurrenz zwischen Anträgen auf Netzanschlusskapazität für RZ auf der einen Seite, und für Batteriegroßspeicher, Großwärmepumpen und Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse elektrifizieren, auf der anderen. Die Frage ist also, ob ein Hyperscaler-RZ ans Netz geht und damit auch die Klimakrise weiter verschärft oder ein Unternehmen, das zur Energiewende beiträgt und damit die Klimakrise mildert und im Fall der Batteriegroßspeicher sogar Netze entlasten könnte. Zu diesem Dilemma steht in der RZStrategie der ernüchternde Satz: „Den Übertragungsnetzbetreibern sollte mehr Handlungsspielraum eröffnet werden, Kapazitäten für Rechenzentren vorzuhalten.“ Das freut die RZ-Branche, die in Goldgräberstimmung ist: In Brandenburg wollen laut Bitkom Betreiber zu 44 bestehenden 844 neue RZ bauen, in Mecklenburg-Vorpommern sollen aus 20 RZ, Stand 2025, künftig 1.000 werden.

Die RZ-Strategie nennt als Ziel nachhaltig betriebene RZ in Deutschland, aber gleichzeitig schwächt die Ende Juni vom Kabinett verabschiedete Novelle des Energieeffizienzgesetzes massiv die Nachhaltigkeitsvorgaben für große RZ: Übergangsfristen für die Umstellung auf Erneuerbare und die Einhaltung von Energieeffizienzvorgaben wurden um Jahre verlängert, ihre Ziele abgesenkt, verbindliche Vorgaben wurden in freiwillige umgewandelt und statt ab 300 kW Nennanschlussleistung sind nun erst RZ ab 500 kW erfasst – ihr Anteil dürfte unter einem Prozent liegen. Die Bundesregierung wünscht sich Dialoge zwischen Energiebranche und RZ-Branche und verspricht sich in der EU für eine Entlastung der RZ-Betreiber von indirekten CO2 Stromkosten einzusetzen, was kaum zu mehr Energieeffizienz führen wird.

Neue RZ nur bei 100 Prozent zusätzlicher Erneuerbarer Energie

Dagegen stimmt eine Zweidrittel-mehrheit der in mehreren europäischen Ländern in einer repräsentativen Studie befragten Bürgerinnen und Bürger der Forderung zu, neue RZ nur noch zu genehmigen, wenn sie ihren Energiebedarf zu 100 Prozent durch zusätzliche Quellen Erneuerbarer Energie decken können. Neben dem Energiehunger ist auch der Wasserverbrauch ein Problem: 2025 verbrauchte allein Amazon 9,5 Milliarden Liter Wasser für seine RZ. In den USA entsteht die Mehrheit der RZ in Gegenden mit Wasserstress. Wo es zu wenig Wasser für alle gibt, haben RZ oft Vorrang, mit Nachteilen für die lokale Bevölkerung und die Landwirtschaft. Laut UN-Bericht soll der Wasserverbrauch durch RZ 2030 bereits dem Wasserbedarf von 1,3 Milliarden Menschen entsprechen. Diese Rechnung kann gar nicht ohne Schaden für Mensch, Tier und Natur aufgehen.

Wasserbedarf der Chip-Industrie gefährdet Reisanbau in Taiwan

Auch die Herstellung der Hardware dieser RZ verbraucht nicht nur Energie und viele Rohstoffe wie z. B. seltene Erden, sondern auch extrem viel Wasser. In Taiwan entschied die Regierung deshalb bei einer Dürre, einem Fünftel der bewässerten landwirtschaftlichen Fläche den Wasserhahn abzudrehen, damit Chip-Fabriken weiter produzieren können. Reis oder Chips – das war die Entscheidung. Solche Entscheidungen werden häufiger werden.

Der KI-Hype ist riesig, das Geschäftsmodell fragwürdig, denn die Hunderten von Milliarden Dollar, die in den Bau immer größerer RZ fließen, müssen ihren Investoren irgendwann eine lohnende Rendite bringen.

KI wird nicht wieder verschwinden, aber bald wird man sich öfter fragen, welchen Preis ihr Einsatz im Vergleich zum Nutzen, den sie stiftet, wert ist – und man wird nicht nur monatliche Kosten für Tokens damit meinen, sondern auch alle anderen Kosten und Nebenwirkungen.

Um Umweltlasten in Entscheidungen einbeziehen zu können, braucht es aber mehr Transparenz, wie nicht nur AlgorithmWatch fordert, sondern auch Dreiviertel der in der o. g. Studie befragten europäischen Bürgerinnen und Bürger. Es geht im Kern schon um die Frage: „Klima oder KI?“ oder, präziser: „Klima oder KI möglichst viel und möglichst schnell – um jeden Preis?“ Entscheidungen darüber wirken langfristig, sie können potenziell Lebensgrundlagen zerstören. Wofür KI eingesetzt wird, entscheiden am Ende die Nutzenden. Man muss keine KI fragen, wenn eine normale Internetsuche reicht. Man braucht keine energiehungrigen KI-Agenten, um PDFs in maschinenlesbare Daten umzuwandeln, denn ein gut digitalisierter Prozess macht diesen Schritt überflüssig. Man braucht keine LinkedIn-Posts, die sich alle gleich lesen oder PowerPoint-Bilder, die alle ähnlich aussehen. Das sachliche Abwägen vor jedem Einsatz von KI trägt zu einer besseren Balance von Nutzen und Nebenwirkungen der KI bei. Bessere Regulierung ersetzt das nicht.

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