Mit dem neuen MAD-Gesetz vom 9. Januar 2026 ist dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) die jährliche Veröffentlichung eines umfassenden Lagebilds vorgeschrieben. Der nun vorgelegte Jahresbericht 2025 löst damit den bisherigen MAD-Report ab. Die Zahlen zeigen eine deutliche Zunahme der Bedrohung: von innen wie von außen.
So erklären die Autorinnen und Autoren, dass die Bundesrepublik ein „priorisiertes Aufklärungsziel russischer Spionageaktivitäten“ sei. Geostrategische Schlüsselrolle Deutschlands innerhalb von NATO und EU, der personelle sowie materielle Aufwuchs der Streitkräfte und die Einführung neuer Waffensysteme seien dafür ursächlich. Darüber hinaus nehme neben der klassischen Spionage die Bedrohung durch hybride Kriegführung weiter zu. Konkret bedienten sich die Akteurinnen und Akteure kombinierter militärischer, wirtschaftlicher und propagandistischer Mittel, um den Staat und seine Institutionen zu destabilisieren. Besondere Sorge dabei bereitet dem Dienst der verstärkte Einsatz sogenannter „Low-Level-Agents“. Das Bedrohungspotenzial durch Sabotageakte solcher kurzfristig angeworbenen Auftragsagenten wachse erheblich an. Mit genaueren Zahlen hält sich der MAD allerdings bewusst zurück. Der Dienst befürchtet, durch konkrete Angaben gegnerischen Nachrichtendiensten Rückschlüsse auf eigene Erkenntnisstände zu ermöglichen.
Klassische Spionage weiterhin relevant
Nebst der Sabotage- und Spionagetätigkeit durch Wegwerfagenten wächst auch das Bedrohungspotenzial durch professionell nachrichtendienstlich aktive Personen. So stellen russische Legalresidenturen – als Diplomaten oder Pressevertreter getarnte Nachrichtendienstler in Botschaften und Vertretungen – weiterhin ein zentrales Instrument der Informationsbeschaffung dar. Darüber hinaus monierte der Bericht Reisen von Bundeswehrangehörigen nach Russland oder Belarus. Trotz Warnungen gerieten dort wiederholt Soldatinnen und Soldaten – häufig mit familiären Bindungen in die Region – ins Visier lokaler Sicherheitsbehörden. Damit ginge ein hohes Erpressungs- und Erfassungsrisiko einher.
Neben Moskau sieht der Dienst auch zunehmendes disruptives Potenzial durch China. Ausspähungen militärischer Infrastruktur, Drohnenüberflüge über Liegenschaften sowie die Instrumentalisierung der chinesischen Diaspora lassen laut Bericht auf aus Peking gesteuerte Akteure schließen.
Extremismus bei den deutschen Streitkräften nimmt zu
Parallel zur äußeren Bedrohung wächst der Druck im Inneren. Im Phänomenbereich der Extremismusabwehr verzeichnete der Dienst 2025 insgesamt 610 Neuaufnahmen von Fallbearbeitungen. Das stellt ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (524 Fälle) dar. An der Spitze dieser Entwicklung steht insbesondere der Rechtsextremismus. Insgesamt stufte der MAD im Jahr 2025 elf Personen als gesicherte Extremisten ein. Bei 21 weiteren Angehörigen der Truppe wurden vorhaltbare Erkenntnisse festgestellt, die Zweifel an der Verfassungstreue begründen. Als einen wesentlichen Faktor für die Zunahme rechtsextremer Verdachtsfälle benennt der Dienst neue, stark digital organisierte rechtsextreme Gruppen. In allen übrigen Phänomenbereichen sind die Fallzahlen hingegen rückläufig.
- Rechtsextremismus: 519 Fälle (2024: 413 Fälle; +25,7 Prozent)
- Auslandsbezogener Extremismus: 42 Fälle (2024: 50 Fälle; −16,0 Prozent)
- Islamismus: 30 Fälle (2024: 35 Fälle; −14,3 Prozent)
- Linksextremismus: 10 Fälle (2024: 13 Fälle; −23,1 Prozent)
- Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates (DEL): fünf Fälle (2024: 7 Fälle; −28,6 Prozent)
- „Reichsbürger“ / „Selbstverwalter“: vier Fälle (2024: 5 Fälle; −20 Prozent)





