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StartVerteidigungDann eben ohne Deutschland

Dann eben ohne Deutschland

Weil die EU den Export von deutschen Dieselmotoren versagte, verzögerte sich die Auslieferung in China erbauter U-Boote an die thailändische Marine. Jetzt laufen die Schiffe stattdessen mit chinesischen Aggregaten zu – die Qualität ist vergleichbar.

Nach einer mehrjährigen Odyssee hat das thailändische Kabinett Änderungen an einem aus dem Jahr 2017 stammenden Vertrag bestätigt. Die Änderungen beziehen sich auf über die Lieferung des U-Boot S26T der Yuan-Klasse.

Auslöser für die Streitigkeiten war eine Entscheidung der Europäischen Union. Der vor acht Jahren erteilte Vertrag im Umfang von 356 Millionen Euro sah den Einbau deutscher MTU-396-Dieselaggregate vor. Allerdings verhinderte ein Waffenembargo der EU, dass der Dual-Use-Motor seinen Weg nach Peking fand. China und Thailand traten daraufhin erneut in Verhandlungen. Die chinesische Seite bemühte sich, die Königlich-Thailändische Marine (RTN) davon zu überzeugen, auf das in China hergestellte Antriebssystem CHD620 umzusteigen. Aus chinesischer Perspektive ist der auf heimischem Boden entstandene Motor dem deutschen Fabrikat gleichwertig. Die thailändische Regierung wiederum schlug unter anderem vor, den bestehenden Vertrag aufzukündigen und stattdessen eine in China gebaute Fregatte zu beschaffen. Mit der Entscheidung Anfang August sind diese Ideen offensichtlich vom Tisch.

Stattdessen haben sich China und Thailand auf die Variante mit chinesischem Antrieb geeinigt. Ganz ohne Zugeständnis Chinas ging die Vertragsanpassung allerdings nicht vonstatten. Bangkok forderte eine Entschädigung. China stimmte dem zu und erließ Thailand 21 Millionen Euro des Vertrages. Darüber hinaus stellt das Reich der Mitte Wartungsservice für die kommenden acht – und nicht wie ursprünglich vereinbart zwei – Jahre bereit, liefert weitere Ausrüstung und Waffen sowie einen Simulator. Allerdings hat Peking mehr Zeit, bis die Auslieferung der Yuan-Klasse anfällt. Der Produktionszeitraum wurde im beidseitigen Einverständnis um 1.217 Tage erweitert. Damit sind die chinesischen Werften vertraglich verpflichtet, bis zum Dezember 2028 ein einsatzfähiges U-Boot auszuliefern. Darüber, welche Waffen Peking für die thailändische S26T bereitstellt, bewahrten beide Parteien Stillschweigen.

Zwei Drittel abgeschlossen

Bevor Unsicherheiten bei der Frage des Antriebs im Jahr 2021 den Baufortschritt zum Erliegen brachten, konnte die Wuchang Shipbuilding Industry Group bereits einige Fortschritte erzielen. Am 5. September 2019 erfolgte die Kiellegung des U-Bootes. Mittlerweile ist das Schiff zu 64 Prozent fertiggestellt. Für diesen Arbeitsprozess wurde die Werft von der thailändischen Regierung entlohnt. Umgerechnet etwa 204 Millionen Euro wurden in zehn Raten ausgezahlt. Etwa 145 Millionen Euro stehen weiterhin aus.

Rigoroses Testverfahren

Dass das thailändische Kabinett dem Motorentausch der S26T zustimmte, liegt auch daran, dass China das landeseigene Aggregat einer ausführlichen Testprozedur unterzog. Nach 6.000 Stunden Labor-tests in China zeigte sich Bangkok von der Qualität des chinesischen Aggregats überzeugt. Die thailändische Marine attestierte dem CHD620 eine mit dem Motor von MTU vergleichbare Qualität. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Motorentausch das Unterwasserfahrzeug in seiner Leistungsfähigkeit kompromittiert.

Damit ist es dem chinesischen Fabrikat gelungen, erfolgreich mit dem deutschen zu konkurrieren. Die in Friedrichshafen entwickelten Diesel-Aggregate der Baureihe 396 sind als V-Motoren mit acht bis 16 Zylindern ausgelegt. Je nach Ausführung leisten sie zwischen 640 kW (870 PS) und über 3.500 kW (4.700 PS). Sie kommen sowohl in der zivilen als auch in der militärischen Seefahrt zum Einsatz.
Dafür, dass das CHD620 auch praktischen Ansprüchen genügen kann, gibt es Beispiele. Die pakistanische Marine betreibt acht baulich ähnliche chinesische U-Boote der Hangor-Klasse. Diese sind ebenfalls mit dem CHD620 ausgestattet.

Anlass für das beim Bau der thailändischen Yuan-Klasse geltende EU-Embargo war das Massaker am Tiananmen-Platz im Jahr 1989. Seitdem ist es untersagt, Waffen in das Reich der Mitte zu verkaufen. Zumindest bei Dual-Use-Gütern war die Bundesrepublik bei der Durchsetzung des Embargos nicht immer konsequent. Laut Medienberichten gaben die deutschen Behörden seit 2021 grünes Licht für den Export von Dual-Use-Gütern im Wert von 2,5 Milliarden Euro.

U-Boote und Flugzeuge

Für die thailändischen Streitkräfte ist der August ein ereignisreicher Monat. Es gelang nicht nur, eine Einigung beim dahindarbenden U-Boot-Projekt zu erreichen. Das Landeskabinett erteilte zusätzlich seine Zustimmung zur Beschaffung schwedischer Gripen-JAS-39-Kampfjets. Für einen Wert von insgesamt 515 Millionen Euro sollen vier Flugzeuge bei den Luftstreitkräften des Landes zulaufen. Sie sollen die in die Jahre gekommenen Gripen JAS-Kampfflugzeuge ersetzen.
„Das Kabinett hat den Kauf von JAS 39 Saab Gripen genehmigt, um die Königlich-Thailändische Luftwaffe zu stärken und die Souveränität Thailands zu schützen“, erklärten die Königlich-Thailändischen Luftstreitkräfte (RTAF) in einer Stellungnahme. Die Pläne der RTAF sind allerdings weitaus ambitionierter. Die Teilstreitkraft plant den Zukauf von zwölf Flugzeugen über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Unterdessen gibt es Gerüchte, dass die schwedische Regierung anlässlich des Grenzkonflikts zwischen Thailand und Kambodscha eine Waffenlieferung an den ostasiatischen Staat ablehnen könnte. Insbesondere kambodschanische Medien verbreiteten diese Idee. Allerdings dementierte die schwedische Botschaft in Bangkok derartige Gerüchte.

Bei dem jüngsten Grenzkonflikt wurden mehr als 40 Menschen getötet. Mehr als 30.000 Personen wurden vertrieben. Ursache des Konflikts sind Grenzstreitigkeiten aus der Zeit des französischen Kolonialismus. Die 1907 vollzogene Grenzziehung wurde in Thailand nie vollumfänglich akzeptiert.

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