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Verfahren gegen Menschenhandel auf dem Höchststand

Sexuelle Ausbeutung, Arbeitsausbeutung oder Zwangsheirat: Menschenhandel hat viele Gesichter. Im Jahr 2024 haben die Ermittlungsbehörden so viele Verfahren dazu abgeschlossen wie seit Beginn der Erfassung vor 25 Jahren nicht mehr. Das geht aus dem aktuellen Bundeslagebild „Menschenhandel und Ausbeutung 2024“ des Bundeskriminalamts (BKA) hervor.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der abgeschlossenen Ermittlungsverfahren um 13 Prozent auf 576. Laut BKA wurden in mehr als 200 Fällen Kinder und Jugendliche als Opfer erfasst. Besonders erschütternd: In zwei Fällen sollen Kinder sogar im Internet zum Kauf angeboten worden sein. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Fälle bei Minderjährigen sei, dass viele Online-Portale nur unzureichende Schutzmechanismen böten. Dadurch werde die Ausbeutung im Netz zusätzlich erleichtert. In 195 Verfahren handelte es sich um kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen.

Die Loverboy-Methode

Häufig stammten sowohl Opfer als auch Tatverdächtige aus dem europäischen Ausland. Zunehmend seien jedoch auch Menschen aus China und Kolumbien betroffen. In vielen Fällen laufe die Kontaktaufnahme über die sogenannte Loverboy-Methode: Täter täuschen über das Internet zunächst eine Liebesbeziehung vor, machen ihre Opfer emotional abhängig und führen sie dann in die Prostitution, um sie finanziell auszubeuten.

Sowohl psychische als auch physische Gewalt spielten dabei eine immer größere Rolle, so das BKA. Mit 364 Fällen registrierte die Behörde im Jahr 2024 im Bereich sexuelle Ausbeutung den höchsten Wert seit zehn Jahren. Zu Ermittlungen komme es jedoch oft nur durch gezielte Polizeiarbeit. Einerseits, da diese Taten immer öfter in Privatwohnungen stattfinden würden und zweitens, da viele Opfer sich nicht bei der Polizei meldeten.

Über Grenzen hinweg

Auch bei der allgemeinen Arbeitsausbeutung registrierte das BKA einen neuen Höchststand. Mit 41 Verfahren stieg die Anzahl um über 10 Prozent an – verglichen mit dem Vorjahr. Hauptsächlich handele es sich dabei um Delikte von Zeitarbeitsfirmen. Betroffen seien vor allem Menschen aus Osteuropa und Südostasien.

Ein Teil der Tatverdächtigen im Bereich Menschenhandel und Ausbeutung gehöre laut BKA Gruppierungen der Organisierten Kriminalität an. Da diese Gruppen international agieren, arbeitet auch die Polizei in internationalen Zusammenschlüssen gegen diese Form der Kriminalität. Zudem kooperiert das BKA mit NGOs und Fachberatungsstellen, um Menschenhandel zu bekämpfen.

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