Mit dem Collaborative Combat Aircraft Program (CCA) strebt die U.S. Air Force an, eine Flotte halbautonomer Begleitdrohnen für den F-35A Joint Strike Fighter und die nächste Generation der F-47 zu entwickeln. Diese sollen mit minimaler Beeinflussung durch die Pilotinnen und Piloten der bemannten Plattformen die Operationsreichweite erweitern.
Konkret sehen die Pläne der Air Force vor, dass die CCAs Angriffsmissionen durchführen, Aufklärungsflüge unternehmen, gegnerische Signale sowie Kommunikation stören oder Angreifer von den bemannten Plattformen ablenken.
Aus Zweikampf wird Dreikampf
Bereits im Jahr 2024 stattete die US-Regierung Anduril und General Atomics mit Entwicklungsverträgen aus, um diese Vision umzusetzen. Erste Testflüge erfolgten im vergangenen Jahr.
Allerdings bleibt es nicht beim Zweikampf zwischen den beiden Unternehmen. Wie die US-Luftstreitkräfte am 22. Dezember vergangenen Jahres bekannt gaben, wird Northrop Grummans Drohne Talon unter dem Projektnamen YFQ-48A offiziell Teil des Entwicklungsprogramms. Die Bekanntmachung folgt nur zwei Wochen auf die öffentliche Vorstellung der Talon. Entstanden ist die Drohne in Zusammenarbeit zwischen Northrop Grumman und dem Mittelständler Scaled. Letztere verfügen lediglich über ein kleines Team mit etwa 200 Mitarbeitenden. Trotz seiner geringen Größe hat sich das Team einen Namen gemacht, da es dafür bekannt ist, Test- oder Einzelstückflugzeuge hoher Qualität in kurzer Zeit umzusetzen.
Abgesehen davon hält sich Northrop Grumman mit Informationen zur Drohne bislang allerdings zurück. In den Stellungnahmen bezieht sich der US-amerikanische Rüstungskonzern vornehmlich auf Verbesserungen gegenüber der ersten Iteration des Entwicklungsprogramms. Diese erste Konzeptionierung scheiterte noch daran, die Planerinnen und Planer im Pentagon davon zu überzeugen, die Talon in das CCA-Programm aufzunehmen. Mit der zweiten Iteration – die laut Northrop rund 500 Kilogramm leichter ist, 50 Prozent weniger Teile verwendet und sich 30 Prozent schneller produzieren lässt – ist dies nun gelungen.
Den internationalen Markt im Blick
Neben dem CCA hofft Northrop Grumman, mit der Talon auch internationale Kunden anzusprechen. Nach Angaben von Tom Jones, Vice President bei Northrops Aeronautics Division, hätten bereits erste Interessenten den Produktionsstandort besichtigt.
Ein Konzept macht Schule
Die Idee, eine bemannte Plattform durch unbemannte Systeme zu ergänzen, ist nicht nur in den USA verbreitet. Das geplante deutsch-französisch-spanische Kampfflugzeug der sechsten Generation, das Future Combat Air System (FCAS), sieht ebenfalls autonome Anteile neben dem bemannten Jet vor. Für die Entwicklung des sogenannten Loyal Wingman zeichnet vornehmlich Airbus verantwortlich. Analog zum CCA soll den menschlichen Pilotinnen und Piloten eine unbemannte Plattform zur Seite gestellt werden. Für die unbemannten Anteile sind Aufgaben wie Aufklärung, elektronische Kriegsführung (EW) oder Gefechtsunterstützung vorgesehen. Allerdings erschöpfen sich die Bemühungen um Manned-Unmanned-Teaming (MUM-T) für Kampfflugzeuge der sechsten Generation nicht auf Europa und die USA. Entwicklungsprogramme laufen unter anderem in Australien, China, Indien oder der Türkei. Es handelt sich somit um ein globales Entwicklungsbestreben.

