StartVerteidigungTrump plant Anwachsen des Verteidigungsetats

Trump plant Anwachsen des Verteidigungsetats

Nachdem US-Präsident Donald Trump im Rahmen seiner „Big Beautiful Bill“ bereits den Verteidigungsetat erhöht hatte, kündigte er in der vergangenen Woche weiteren Zuwachs an.

„Wir können die Traumarmee aufbauen, die uns schon lange zusteht – und noch viel wichtiger: uns Schutz vor Feinden und Sicherheit bietet“ – so klingt die Zukunftsvision, die der US-amerikanische Präsident Donald Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social auslegte. Dem voraus ging die Ankündigung, den Verteidigungsetat für das Jahr 2027 auf 1,5 Billionen US-Dollar zu steigern. Das Budget für das laufende Jahr beläuft sich noch auf 901 Milliarden US-Dollar. Damit könnten sich die Mittel für die Verteidigung im Laufe von zwölf Monaten annähernd verdoppeln.
Der Aufwuchs des Etats ist allerdings kein Selbstläufer. Es ist davon auszugehen, dass der demokratische Anteil des Kongresses sich gegen die Budgetierung stemmen wird. Doch auch innerhalb der Grand Old Party ist mit Widerstand zu rechnen. Insbesondere Politikerinnen und Politiker, die einen schlanken Staat anstreben, werden an den Plänen Anstoß nehmen.

Die Zölle sollen es richten

Trump hingegen sieht keine Probleme darin, den Verteidigungsetat zu steigern, weil er die Staatseinnahmen durch seine Zollpolitik bedeutend erhöht habe. Tatsächlich ist der Kern dieser Aussage korrekt. Schenkt man dem Bipartisan Policy Center Glauben, erzielte die US-Regierung im vergangenen Jahr Bruttoeinnahmen in Höhe von 288,5 Milliarden US-Dollar. Diese Einnahmen stammen vornehmlich aus Zöllen und anderen Verbrauchssteuern. Im Vorjahr belief sich diese Zahl noch auf 98,3 Milliarden US-Dollar. Das stellt zwar einen enormen Zuwachs dar, um die verschiedenen Versprechen und Projekte des 59. US-Präsidenten umzusetzen, genügen diese Einnahmen aber bei Weitem nicht. Zumal Trump bereits im vergangenen Jahr die Budgets für die US-amerikanischen Streitkräfte aufstockte. Im Rahmen der kontroversen „Big Beautiful Bill“, die vornehmlich Steuererleichterungen und Ausgabenkürzungen vorsieht, profitierte auch das Militär. Sie stattet die Verteidigung ein Mehrbudget von rund 150 Milliarden US-Dollar aus.

Diese Summe soll insbesondere für die Beschaffung neuer Fähigkeiten und Munition aufgewendet werden. So sind jeweils zwischen 23 und 29 Milliarden US-Dollar für den Schiffsbau, das Luftabwehrsystem Golden Dome, die Küstenwache und die Munitionsbeschaffung vorgesehen. Zusätzlich fließen jeweils zwischen 12 und 16 Milliarden US-Dollar in militärische Innovation – insbesondere KI, nukleare Abschreckung und Fähigkeitssteigerungen im Indo-Pazifik. Diese Investitionen eingerechnet, erwartet das Congressional Budget Office im Jahr 2026 ein Haushaltsdefizit von 5,5 Prozent des BIP. Als nachhaltig gilt ein Wert von unter drei Prozent.

Trump schlägt der Industrie auf die Finger

Während die US-Regierung Pläne für den finanziellen Aufwuchs der Streitkräfte schmiedet, blickt der Mann im Oval Office zunehmend skeptisch auf die Industrie im eigenen Land. So verband Trump am vergangenen Mittwoch seine Budget-Versprechungen mit einer Drohung gegen den Rüstungsriesen Raytheon. Konkret warnte der US-Präsident das Unternehmen, Beschaffungsvorhaben zu streichen, sollte Raytheon weiterhin Gewinne in den Rückkauf von Aktien statt in den Ausbau seiner Waffenproduktionskapazitäten investieren.
„Entweder Raytheon legt einen Gang zu und beginnt, mehr in Vorabinvestitionen wie Anlagen und Ausrüstung zu investieren, oder sie werden keine Geschäfte mehr mit dem Verteidigungsministerium machen“, stellte der Präsident auf Social Media unmissverständlich klar. Raytheon zeichnet für eine Reihe der meistverwendeten Lenkflugkörper des US-Militärs verantwortlich – darunter den Tomahawk-Marschflugkörper, die schultergestützten Javelin- und Stinger-Raketen sowie die Sidewinder-Luft-Luft-Rakete.

Der jüngste Ausbruch markiert den Höhepunkt eines bereits seit Längerem schwelenden Disputs zwischen dem Präsidenten der USA und der amerikanischen Rüstungsindustrie. In den letzten Monaten monierte Trump gehäuft, dass Rüstungsunternehmen Dividenden und Aktienrückkäufe an Investoren ausschütten und Managerinnen und Managern Boni auszahlen, während die Lieferungen wichtiger Waffensysteme deutlich im Verzug sind. Diese Meinung findet im Pentagon und in der US-Regierung Widerhall. Schon seit Längerem bestehen dort Sorgen, dass die heimische Industrie nicht mit der wachsenden globalen Rüstungsnachfrage mithalten kann. Erschwerend kommt aus dieser Perspektive hinzu, dass die Reserven durch die Unterstützung der Ukraine und Israels geschrumpft sind.

Worte mit Wirkung

Während sich Raytheon mit einer offiziellen Stellungnahme zu Trumps Aussagen bisher zurückhält, zeigt die Kritik an der Börse bereits erste Auswirkungen. Direkt nach dem Posting verzeichneten die Kurse der gesamten Branche Einbrüche. Unklar ist unterdessen, warum der Präsident seine Kritik so explizit an Raytheon richtete. Denn während der Präsident dem zweitgrößten Rüstungsunternehmen seines Landes auf Social Media droht, unterzeichnete die Regierung mit dem weltweiten Rüstungsprimus Lockheed Martin einen Rahmenvertrag, um dessen Produktionskapazitäten dauerhaft zu steigern. Dabei sind Probleme, Liefertermine einzuhalten, auch bei Lockheed Martin seit Jahren virulent. Aktienrückkäufe führt das größte Rüstungsunternehmen der Welt dennoch durch. Auch mit Bonus-Zahlungen an das Management hielt man sich nicht zurück.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein