Erst die Privathaushalte, jetzt auch die Unternehmen – Textilien dürfen nicht mehr einfach so im Müll entsorgt werden. Ausnahmen gibt es für stark verschmutzte oder beschädigte Ware. Für Verbraucher gilt das schon seit Januar 2025, für Hersteller und Labels treten die in der Ökodesign-Richtlinie 2023 verabschiedeten Regelungen dieses Jahr in Kraft.
Ab 19. Juli dürfen große Unternehmen nicht verkaufte Kleidung nicht mehr vernichten – obwohl das für sie bisher die günstigste Form war, mit ihren Restbeständen umzugehen. Besonders in der Fastund Ultra-Fast-Fashion ist der Wert pro einzelnem Kleidungsstück oft so gering, dass es sich bei Retouren aus dem Online-Handel nicht lohnt, diese händisch sortieren zu lassen. Mittlere Unternehmen haben noch bis 2030 Zeit, um sich umzustellen.
Ressourcen und Rohstoffe
Dass die EU der Überproduktion und anschließenden Verbrennung von Kleidung einen Riegel vorschieben will, ist Teil der Strategie zum Erreichen einer Kreislaufwirtschaft. Immerhin werden allein in Europa zwischen vier und neun Prozent der Textilprodukte vernichtet, ohne jemals genutzt worden zu sein. Dabei entstehen CO2-Emissionen in Höhe von 5,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: Die Netto-Emissionen für Malta lagen 2024 bei 2,2 Millionen Tonnen, die von Luxemburg bei sieben – so die vorläufi gen Angaben von Eurostat.
Auf der Gegenseite steht nur ein Prozent der Kleidung, dass zu neuen Kleidungsstücken recycelt wird. Auch dieser Umstand wird durch die vergleichsweise schlechte Materialqualität bei Fast- und Ultra- Fast-Fashion noch verschärft.
Einheit als Beschleuniger
Die neue Vorgabe könnte also messbare Effekte auf die Umweltschädlichkeit der Textil-Industrie haben – zumindest auf den europäischen Bereich – und gleichzeitig nachhaltigere und kleinere Unternehmen fördern, wenn die Kosten und damit vielleicht auch die Preise der Billig-Hersteller steigen. Ähnliche Bestrebungen hatten Frankreich im vergangenen Jahr bereits veranlasst, ein Anti-Fast-Fashion- Gesetz vorzuschlagen, das für Billig- Anbieter wie Shein und Temu, die ohne Zwischenhändler online ihre Ware vertreiben, besondere Aufl agen vorsieht. Gegen Absatz- Giganten aus Asien haben die Regelungen einzelner europäischer Staaten nur wenig Gewicht.
Ob Unternehmen sich an die Vorgaben halten, kontrollieren die jeweils zuständigen Behörden der Mitglieder. In Deutschland obliegt dies dem Bundeumweltministerium, sowie den Landesämtern für Umwelt und Gewerbeaufsicht.Doch was soll mit den retournierten oder nicht verkauften Kleidungsstücken zukünftig geschehen?
Weiterverkauf, Wiederverwendung oder Spende bleiben den Unternehmen als Option offen. Langfristig hofft man auch auf eine nachhaltigere Planung in der Produktion. Doch gerade bei den Varianten Weiterverkauf und Spende müssen die beaufsichtigenden Behörden verhindern, dass sich ähnliche Strukturen wie beim Export von Plastikmüll oder gesammelten Altkleidern entwickeln. Export wird in diesen Bereichen für die deutschen Statistiken als erfolgreiche Weiterverwendung der Ressource gewertet. In der Realität aber verursachen die Müllberge in den Zielländern große Probleme in Form wilder oder unkontrolliert wachsender Deponien.
Ohne Hintertür
Solange diese Lücke jedoch bewusst geschlossen wird, gilt: Wenn die zuständigen Behörden sich auf eine einheitliche Umsetzung der Regelungen einigen, mit gleichwertigen Anforderungen an die Kontrollen, könnten die Effekte auf kleinere und nachhaltigere Unternehmen und, in geringerem Ausmaß, auch auf die CO2-Emissionen der EU-Mitgliedsstaaten bald spürbar werden.
Das Problem der hohen Umweltkosten des Textilsektors wird durch Einzelmaßnahmen jedoch nicht gelöst werden können. Chemikalien in der Färbung sowie die Anbaubedingungen von Naturfasern sorgen in den Herstellerländern für Probleme. Und allein der Textilkonsum in der EU im Jahr 2022 erforderte 23 Quadratmeter Land, zwölf Kubikmeter Wasser und 523 Kilogramm Rohstoffe pro Kopf, so die Statistik der Europäischen Umweltagentur. Eine wirksame Maßnahme kann zukünftig aber durchaus als Musterbeispiel dienen, um dieses Problems gemeinsam Herr zu werden.





