Auch wenn die Zeiten unbegrenzt möglicher Bargeldzahlungen in Europa dem Ende entgegengehen, spielt Bargeld immer noch eine bedeutende Rolle – sowohl im Alltag als auch im kriminellen Milieu. Für viele Menschen gilt das Bezahlen mit Bargeld als Ausdruck bürgerlicher Freiheit. Doch insbesondere in Kreisen der Organisierten Kriminalität (OK) bleibt Bargeld ein zentrales Element. Diese Rolle wird es wohl auch in den nächsten Jahren beibehalten, trotz der zunehmenden Popularität von Kryptowährungen.
Kriminelle Netzwerke sehen sich jedoch mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert: Taterträge lassen sich immer schwerer auf reguläre Bankkonten einzahlen. Dies führt dazu, dass alternative Finanzierungswege wie das Underground Banking oder das sogenannte Hawala-Banking zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei diesen inoffiziellen Finanzsystemen werden keine Fragen zur Herkunft oder beabsichtigten Verwendung des Geldes gestellt. Ein Codewort und eine Provision genügen, um Gelder anonym zu transferieren. Diese Anonymität macht das System ideal für Geldwäsche, Terrorismus- und Proliferationsfinanzierung. Sicherheitskräfte sind gefordert, gegen solche kriminellen Finanzstrukturen vorzugehen. Genau dieser Thematik widmet sich das Fachforum „Finanzermittlung/Geldwäsche“ auf dem Europäischen Polizeikongress am 20. Mai um 15:55 Uhr. Auf dem Panel werden verschiedene Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie man dem Hawala-Banking auf die Spur kommen und es effektiv unterbinden kann.
In Bielefeld und Hamburg
Dass die Herausforderungen der Geldwäsche und der OK nicht nur theoretischer Natur sind, zeigte ein aktueller Großeinsatz der Polizei. Mit Durchsuchungen in sechs Bundesländern und mehreren Festnahmen gelang es den Sicherheitskräften, einen mutmaßlichen Menschenhändlerring zu zerschlagen.
Nahe Bielefeld und in Hamburg wurden vier mit Haftbefehl gesuchte Beschuldigte festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Bielefeld mitteilten. Sechs weitere Personen wurden in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls verhaftet. Nach umfangreichen Ermittlungen durchsuchten Einsatzkräfte zeitgleich 29 Objekte. Die Razzien fanden unter anderem in Bad Oeynhausen, Minden, Löhne, Enger, Bünde, Hille, Gütersloh, Hamburg, Bremen, Osnabrück, Lüneburg, Gießen und Rostock statt. Die festgenommenen Hauptbeschuldigten – ein 57-jähriger Deutscher und drei thailändische Staatsangehörige im Alter von 22, 53 und 56 Jahren – stehen im Verdacht, bandenmäßig Menschenhandel, Zwangsprostitution und Geldwäsche betrieben zu haben. Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter Bargeld in sechsstelliger Höhe.

