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StartStaat & RathausFehlendes Freibadfeeling

Fehlendes Freibadfeeling

Die Freibadsaison ist in vollem Gange. Doch nicht in jeder Kommune haben die Schwimmbäder geöffnet, Sanierungsstau und Personalmangel lassen das vielerorts nicht zu. Die Eintrittspreise sind bereits gestiegen, verbessert hat sich die Lage dadurch nicht.

Hochsommerliche Temperaturen, die Badetasche ist gepackt. Doch die Tore an der Schwimmbadkasse sind geschlossen und der Freibadbesuch muss an den nächsten Badesee verlegt werden. Gähnende Leere statt langer Besucherschlangen – dieses Szenario bot sich in der aktuellen Freibadsaison in vielen Kommunen den Badegästen. Anfang Juli schrieben beispielsweise die Betreiber eines Nürnberger Freibads auf ihrer Webseite: „Der Worst Case ist eingetroffen.“ „Bei den heißesten Temperaturen des Jahres“ habe man das Freibad schließen müssen. Der Grund: technische Ausfälle, Sanierungsstau. Es habe schon lange vorher Vorbereitungen gegeben, um die aus dem Jahr 1967 stammende Badtechnik zu sanieren und Ausfälle zu vermeiden. Nun sei eine solche Situation trotzdem eingetreten.

Im Hamburger Bezirk Rahlstedt führte das örtliche Freibad in dieser Saison einen wöchentlichen Ruhetag ein. Als Grund führten die Betreiber die Notwendigkeit an, Personalengpässe auszugleichen: Im Falle einer Sieben-Tage-Öffnung bliebe den Mitarbeitenden keine Freizeit mehr. Ebenfalls wegen Personalmangels führte das Freibad im Essener Grugapark von Montag bis Freitag Schließzeiten in der Zeit von 10 bis 14 Uhr ein. 

Einnahmen decken die Gesamtkosten nicht

Die Beispiele zeigen: Personalmangel und Sanierungsstau fallen den Freibädern vielerorts auf die Füße. Bereits in den vergangenen Jahren hat ein Großteil der Schwimmbäder die Eintrittspreise angehoben – seit 2020 im bundesweiten Durchschnitt um 20 Prozent. Die Bewohner der Hauptstadt gehören zu den Badegästen, die mit am meisten Geld für eine Eintrittskarte bezahlen müssen. So verlangen die Berliner Bäderbetriebe in einigen Bezirken sieben Euro für einen Erwachsenen, in München sind die Preise mit 6,50 Euro für eine Erwachsenen-Eintrittskarte auf einem ähnlichen Niveau. In Hamburg müssen Badegäste 4,20 Euro berappen und Kinder unter zwölf können für 1,10 Euro die öffentlichen Freibäder nutzen. Auch wenn die Preise erhöht wurden, reichen die Einnahmen der Bäderbetriebe nicht aus, um die Gesamtkosten zu decken.

So stehen den Einnahmen der kommunalen Freibadbetreiber in Höhe von rund 108.000 Euro pro Jahr Gesamtkosten von knapp 372.000 Euro gegenüber. Ohne staatliche Zuschüsse würde der Eintritt höher ausfallen und nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (GDfdB) bei elf Euro pro Erwachsenem liegen.

Hälfte der Schwimmbäder ist sanierungsbedürftig

Dementsprechend ist es kaum verwunderlich, dass der Sanierungsbedarf steigt. Eine Erhebung der Förderbank KfW von Anfang 2025 zeigt: Jedes zweite Freibad in Deutschland hat einen nennenswerten oder sogar gravierenden Investitionsrückstand. Bereits jetzt droht jedem sechsten Freibad die Schließung. Um Abhilfe zu schaffen, legte die Bäderallianz Deutschland, der 15 Schwimmverbände angehören – darunter auch die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) – Anfang Juli einen bundesweiten Schwimmbadplan vor, der umfangreiche Investitionen vorsieht und eine zukunftsfähige Versorgung mit Schwimmbädern gewährleisten soll. Die zentrale Forderung: Eine Milliarde Euro soll über einen Zeitraum von zwölf Jahren investiert werden, zudem wird ein umfangreiches Bäderförderprogramm gefordert. Dementsprechend sollen 700 Millionen Euro pro Jahr als Zuschüsse für Neubau, energetische Sanierung, Digitalisierung und Substanzsanierung für Hallen-, Frei- und Kombibäder eingesetzt werden. 150 Millionen sind für den Bau und Betrieb von Spitzensportbädern vorgesehen, 100 Millionen für den Bau von Lehrschwimmbädern sowie 50 Millionen für die Förderung von bäderbezogener Forschung und Lehre. Bei der Planung neuer Schwimmbäder sei es wichtig, dass diese mitten in Vierteln gebaut werden, um als „soziale Treffpunkte“ zu fungieren.

Der Schwimmbadplan sei nötig, sagt auch DLRG-Präsidentin Ute Vogt, denn: „Die Hälfte der Schwimmbäder in Deutschland ist sanierungsbedürftig.“ Die Kosten würden auch durch das Ringen um Personal in die Höhe getrieben. „Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn die Eintrittspreise steigen“, sagt sie. Bund, Länder und Kommunen müssten sich gemeinsam um die Bäderlandschaft kümmern, Versorgungslücken seien über den kommunalen Finanzausgleich zu schließen. Sonst werde folgende Situation forciert: Immer mehr Badegäste weichen auf Seen und Flüsse aus – und genau das sei mit Risiken behaftet. „Die Zahl der Badeunfälle wird dann womöglich weiter ansteigen“, so Vogt.

Rund 58 Prozent der Grundschulkinder können nach Angaben der DLRG beim Übergang in eine weiterführende Schule nicht sicher schwimmen, 20 Prozent von ihnen können überhaupt nicht schwimmen. Niemand solle deshalb für einen Schwimmbadbesuch länger als 30 Minuten mit dem Auto unterwegs sein müssen.

Derzeit gibt es laut dem „Bäderatlas“ der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bundesweit rund 6.000 Hallen- und Freibäder. Dabei nimmt deren Zahl sukzessive ab: Nach einer Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) muss durchschnittlich alle vier Tage ein Schwimmbad schließen – 80 Bäder pro Jahr. Parallel verdoppelte sich zwischen 2017 und 2022 der Anteil der Kinder, die nicht schwimmen können. Die wenigsten Schwimmbäder pro Kopf gibt es laut der IW-Analyse in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg, bundesweit am besten versorgt ist Thüringen. 

Ein Drittel der Freibäder braucht umfassende Sanierung

Den Investitionsbedarf der öffentlichen Schwimmbäder bezeichnet der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ebenfalls als erheblich. In den nächsten Jahren drohe ohne Gegensteuern die Schließung von bis zu 800 Bädern. „Bereitstellung und Betrieb von Bädern gehören nicht zu den Pflichtaufgaben von Kommunen. Damit fallen solche freiwilligen Leistungen als erstes Sparzwängen zum Opfer“, erklärt DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. André Berghegger. Neben einer besseren Finanzausstattung der Kommunen durch umfangreichere Beteiligung an der Umsatzsteuer sei ein unbürokratisches Förderprogramm für kommunale Sportstätten mit einer pauschalen Bereitstellung von Mitteln nötig. „Damit könnten die Kommunen anhand der tatsächlichen Bedarfe vor Ort direkt in die Sportstätten und Bäder investieren“, begründet Berghegger.

Wie groß der Sanierungsstau der kommunalen Freibäder ist, zeigt auch eine im Juni veröffentlichte Umfrage des Verbands der kommunalen Unternehmen (VKU) unter 100 kommunalen Badbetreibern. Demnach sei mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Freibäder hierzulande „umfassend sanierungsbedürftig“. Gegenüber 2024 ist dies ein Anstieg von drei Prozentpunkten. 35 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrem Freibad kleinere Reparaturen im Sinne von Ausbesserungen anstünden. 27 Prozent und damit mehr als jedes vierte Bad ist hingegen frisch saniert und damit gut in Schuss. Zu den Ergebnissen der Umfrage erklärte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: „Sanierungen sind kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass unsere Bäder auch morgen noch für alle offenstehen.“

Bei der Frage, was einer umfassenden Sanierung entgegensteht, gaben die kommunalen Badbetreiber unterschiedliche Finanzierungsfragen an. Bei 88 Prozent waren die Fördermittel nicht ausreichend oder passten nicht zum Bedarf. Gestiegene Baukosten standen bei 79 Prozent einer Sanierung entgegen, 71 Prozent sehen den Finanzierungsbedarf durch höhere Zinsbelastungen erschwert.

Die Bundesregierung müsse gemeinsam mit den Ländern für besser ausgestattete Förderprogramme sorgen, sagt Liebing. So unterstütze das Förderprogramm Sport, Jugend, Kultur (SJK) beispielsweise eher Leuchtturmprojekte als finanziell schwache Kommunen mit vorrangigem Förderbedarf. „Aus unserer Sicht ist es sinnvoller, hunderte einfache Bäder zu sanieren als zehn neue Hochglanzbäder zu bauen.“  

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