Erstmals seit fünf Jahren ist das Bauvolumen wieder angestiegen. Vor allem im öffentlichen Bau werden jetzt viele neue Vorhaben angegangen. Auch die Kommunen beantragen wieder mehr Investitionskredite.
Es wird wieder gebaut. Dabei zeichnet sich nicht nur im öffentlichen Sektor eine Trendwende ab, auch der Wohnungsneubau belebt sich allmählich wieder. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Darin gehen die Ökonomen von einer Steigerung des Bauvolumens um 1,7 Prozent im laufenden Jahr sowie 3,4 Prozent für das Jahr 2027 aus. Unter Bauvolumen werden Investitionen und Reparaturen verstanden. „Die Talsohle der Baukonjunktur scheint durchschritten“, sagt Studienautorin Laura Pagenhardt aus der DIW-Abteilung Makroökonomie.
Ursache für die Trendwende am Bau sind einerseits die stabileren Baupreise und verbesserten Finanzierungsbedingungen, andererseits tragen auch die Investitionen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zum Aufschwung bei. Nach der Prognose des DIW dürfte das Bauvolumen im öffentlichen Tiefbau in diesem Jahr um fast ein Zehntel wachsen.
Profitieren von staatlichen Investitionsimpulsen
Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) berichtet von einem höheren Bauvolumen. Dieses sei in der Zeit von 2022 bis 2025 von 1,5 Milliarden Euro auf rund 2,6 Milliarden Euro gestiegen. Zurückzuführen ist dies laut einer Sprecherin auf den „Aufgabenzuwachs im Bereich des Bundesbaus“. Gemeint seien insbesondere Bauprogramme des Technischen Hilfswerks (THW), des Bundesverteidigungsministeriums sowie der Einsatztrainingszentren des Zolls. Auch in Bezug auf die Umsetzung des Klimaprogramms, die Dekarbonisierung und den Wohnungsbau verzeichne die BImA einen „Aufgabenzuwachs“.
Von einer Trendwende spricht ebenfalls der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Er rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 2,5 Prozent. Die Bauwirtschaft profitiere von den staatlichen Investitionsimpulsen. Es würden mehr Ausschreibungen geplant, auch wenn diese noch nicht in den Auftragsbüchern angekommen seien, erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Die verschleppten Jahre 2024 und 2025 haben schlicht ein tiefes Loch in die Planungsphasen gerissen. Künftig braucht es deshalb wieder mehr Planungssicherheit, insbesondere durch eine auskömmliche Finanzierung, auch über das Sondervermögen hinaus“, sagt er.
Unabhängig vom Sondervermögen würden derzeit vor allem Großprojekte im Kabelleitungstiefbau, darunter der Ausbau von Strom- und Glasfasernetzen oder der Bau von Rechenzentren, die gute Entwicklung des Wirtschaftsbaus flankieren. Nach drei Jahren rückläufiger Baugenehmigungen zeige sich beim Wohnungsbau „endlich wieder ein kleiner Lichtblick“, erklärt Müller weiter. „Das Sondervermögen verschafft Luft, aber es löst nicht alle Probleme“, sagt Müller. Denn tatsächlich stünden die Gelder aus dem Sondervermögen nicht zusätzlich zur Verfügung, sondern ersetzten zu einem großen Teil Investitionsausgaben, die „vor Einführung des Sondervermögens vollständig aus dem Kernhaushalt des Bundes und auch der Länder finanziert wurden“.
Die staatliche Förderbank KfW verzeichnete im vergangenen Jahr in allen Bausparten steigende Auftragseingänge. Auch im laufenden Jahr würden laut KfW-Sprecherin Nina Luttmer Kommunen, Bund und Länder durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität viele neue Bauvorhaben angehen, darunter im Straßen- und Schienenverkehr, im Energiesektor und in der digitalen Infrastruktur. „Zudem dürfte in diesem Jahr auch bei den Wohnungsbauinvestitionen endlich die Trendwende nach oben gelingen, nachdem Förderbedingungen verbessert wurden und die Bundesregierung auch regulatorische Maßnahmen zur Erleichterung des Wohnungsbaus umgesetzt hat“, erklärt Luttmer weiter.
Die staatliche Förderbank prognostiziert zudem beim Wirtschaftsbau eine Konjunkturerholung. Auch wenn Unternehmensbefragungen bislang noch keine klaren Anzeichen für eine zeitnahe Erholung bei den Unternehmensinvestitionen gezeigt hätten, werde mit einer „durchgreifenden Besserung“ in der zweiten Jahreshälfte gerechnet, so Luttmer. Denn dann habe sich der Abfluss der öffentlichen Investitionsausgaben beschleunigt.
2025 hat die KfW an Kommunen neue Investitionskredite von mehr als vier Milliarden Euro vergeben, hinzu kamen Investitionszuschüsse für Klimaschutz und ähnliche Maßnahmen in Höhe von rund 550 Millionen Euro. „Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Wir erwarten für 2026 eine weiterhin sehr hohe Nachfrage“, so die Sprecherin. Grundsätzlich sei mit „einem mehrjährigen positiven Effekt“ des Sondervermögens Infrastruktur auf die Investitionstätigkeit der Kommunen zu rechnen.
Taskforce zur Koordination von öffentlichen Investitionen
Dabei verortet das DIW in den Fördermilliarden aus dem Sondervermögen aber auch ein Risiko. Dies könne zu „unangemessenen Preisanstiegen“ am Bau führen. Denn: „Sollten durch die vielen Investitionen die sehr spezialisierten Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, könnte dies den Preisauftrieb erneut befeuern – und die Dynamik bremsen“, erklärt Studienautor Martin Gornig. Um dem entgegenzuwirken, müsse die zuletzt gesunkene Produktivität in der Bauwirtschaft dringend steigen, beispielsweise über Initiativen von Politik und Unternehmen. Eine Taskforce zur Koordination der öffentlichen Investitionen, in der die unterschiedlichen staatlichen Ebenen eingebunden sind, würde helfen, sagt er.





