Angesichts veränderter Sicherheitslagen in Europa mahnen das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Malteser in Bayern einen konsequenten Ausbau von Zivilschutz und Krisenvorsorge an. Neben klassischen Gefahren gewännen hybride Bedrohungen wie Cyber-Angriffe, Desinformation und gesellschaftliche Polarisierung zunehmend an Bedeutung. Ziel müsse es sein, die Bevölkerung besser zu schützen und die langfristige Handlungsfähigkeit des Katastrophenschutzes zu sichern.
Im Mittelpunkt steht aus Sicht der Hilfsorganisationen die Stärkung von Selbst- und Nachbarschaftshilfe. Viele grundlegende Kompetenzen seien in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen, was in Krisen schneller zu Überlastungen führen könne. Bürgerinnen und Bürger müssten daher befähigt werden, sich im Notfall selbst zu organisieren und vorbereitet zu sein – etwa durch Haushaltsvorsorge oder lokale Unterstützungsstrukturen. Dies stabilisiere die Gesellschaft und entlaste professionelle Einsatzkräfte.
„Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig – und nimmt damit Druck aus der Lage. Genau das ist moderne Krisenvorsorge“, betonte Christoph Friedrich, Landesgeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes Bayern. „Wir brauchen mehr Wissen in der Breite: Selbstschutz, Erste Hilfe und geordnete Nachbarschaftshilfe gehören dazu.“ Gleichzeitig warnen BRK und Malteser vor strukturellen Engpässen: Qualifizierung und Aufbau entsprechender Programme benötigten Zeit, Personal und verlässliche Finanzierung. Ohne zusätzliche hauptamtliche Kapazitäten sowie staatliche Unterstützung seien flächendeckende Angebote kaum umzusetzen. Zudem bleibe das System stark vom Ehrenamt abhängig. Dafür seien verlässliche Rahmenbedingungen und die Unterstützung durch Arbeitgeber entscheidend. „Unser Bevölkerungsschutz funktioniert, weil Hunderttausende Ehrenamtliche Verantwortung übernehmen – dieses Fundament dürfen wir nicht als selbstverständlich betrachten“, erklärt Robert Augustin, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). „Damit das Ehrenamt leistungsfähig bleibt, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen – und Arbeitgeber, die Freistellungen für Einsätze, aber auch Ausbildung mittragen.“
Als weitere Herausforderung sehen die Organisationen gezielte Desinformation, die gesellschaftliche Spaltung vertiefe und Krisenbewältigung erschwere. Verlässliche Information sei daher zentraler Bestandteil moderner Vorsorge. Insgesamt plädieren BRK und Malteser gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsschutz für ein langfristig angelegtes Verständnis von Zivilschutz – mit klaren Zuständigkeiten, Investitionen in Ausbildung und Strukturen sowie politischem Engagement auf allen Ebenen.





