StartDigitalesSieben Projekte mit Ko-Pionier-Preis ausgezeichnet

Sieben Projekte mit Ko-Pionier-Preis ausgezeichnet

Warum selbst entwickeln, wenn es schon eine bewährte Lösung gibt? Das Konzept der Nachnutzung leuchtet den meisten ein – trotzdem ist der Ansatz in der Verwaltungsdigitalisierung oft nicht so verbreitet wie gewünscht. Der Ko-Pionier-Preis will das ändern. Die Auszeichnung, die in diesem Monat zum ersten Mal vergeben wurde, hebt Beispiele der erfolgreichen Nachnutzung hervor und zeigt somit Anderen, wie es gehen kann.

Es war ihr eine Herzensangelegenheit, diesen Preis ins Leben zu rufen, erklärte Zehra Öztürk bei der Preisverleihung im März. Zusammen mit Robert Peter initiierte sie den Preis im Rahmen von Re:Form, der Allianz für den Staat von morgen. Dr. André Göbel, Präsident der Föderalen IT-Kooperation (FITKO) und Schirmherr des Preises, betonte: „Verwaltungsinnovationen entstehen nicht nur durch neue Ideen, sondern auch durch die kluge Nachnutzung bestehender Lösungen.“ Erst durch die breite Anwendung in verschiedenen Verwaltungen könnten innovative Lösungen ihre volle Wirkung entfalten.

Ressourcen sinnvoll einsetzen

Öztürk hob einen wichtigen Aspekt hervor: „Der Ko-Pionier-Preis zeigt, wie sich durch Nachnutzung Zeit, Ressourcen und Know-how sinnvoll einsetzen lassen.“ Die eingesparte Zeit und Geld könne man wiederum in andere Vorhaben investieren, weiß auch Mitinitiator Peter. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sei dies wichtiger denn je.

„Mit dem Preis wollen wir der Nachnutzung Aufmerksamkeit geben, damit sie wieder mehr gelebt wird“, bekräftigte Peter. Zur „Kultur der Nachnutzung“ gehöre auch, die Nachnutzung bereits bei der Produktentwicklung zu bedenken. Andernfalls könnten Produkte entstehen, die nicht außerhalb des eigenen Kontexts genutzt werden können, warnte Peter.

Von den über 40 eingereichten Projekten bestimmte eine Jury aus Praktikerinnen und Praktikern aus der Verwaltung die überzeugendsten Beispiele. In den zwei Kategorien „Digitalisierung der Verwaltung“ und „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ wurde je drei Projekte vom ersten bis dritten Platz ausgezeichnet. Den Preis erhielten die Nachnutzer, also die Verwaltungen, die bestehende Lösungen übernommen und an ihre eigenen Strukturen angepasst haben. „Die ausgezeichneten Projekte sind Vorreiter in ihren Bereichen und bieten Inspiration für viele andere“, sagte Öztürk.

Das sind die Gewinner

Die Kategorie „Digitalisierung in der Verwaltung“ gewann die Alte Hansestadt Lemgo mit dem Projekt BaKIM (Baum, KI, Mensch). Mittels hochauflösender Luftbilder und der Auswertung durch tiefe neuronale Netze generiert BaKIM Informationen über Baumbestände, die städtischen Grün- und Forstämtern bei der täglichen Planung helfen. Zu erkennen sind auf den Bildern Einzelbäume, Gattungen, Vitalität und Höhe. Die Lösung stammt ursprünglich aus Bamberg. Den Preis nahmen Nicole Bäumer (Smart City Team Kalletal/Lemgo) und Jonas-Dario Troles (Smart City Team Bamberg) an.

Der zweite Platz ging an das Projekt „DatenAdler“, welches es von Bayern nach Brandenburg geschafft hat. Dabei handelt es sich um das „open.bydata“-Portal, das zur Bereitstellung von Daten dient. Öffentliche Einrichtungen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger können hier Daten suchen und ansehen. Brandenburg hat das bayerische Portal modernisiert und an seine Anforderungen angepasst. Durch die Nachnutzung wird nicht nur die Neuentwicklung eines eigenen Portals überflüssig, sondern es entsteht auch eine Entwicklergemeinschaft, die beiden Seiten Vorteile bringt. Adrian Gelep, Geschäftsführer der DigitalAgentur Brandenburg GmbH (DABB), und Ernst Bürger, Staatssekretär der Justiz und für Digitalisierung des Landes Brandenburg, nahmen den Preis an. Bürger rief andere Bundesländer dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen und das Open-Data-Portal ebenfalls nachzunutzen.

Mit dem Projekt „HAL-Plan“ sicherte sich Magdeburg den dritten Platz in der Digitalisierungskategorie. Sie erhielten zudem den Sonderpreis „Nachnutzung der Herzen“, welcher durch die Öffentlichkeit bestimmt wurde. Der digitale Zwilling „HAL-Plan“ kommt ursprünglich aus Halle und soll die Stadtplanung optimieren. Die Prozesse sollen damit schneller und präziser ablaufen. Zudem werden durch den Wegfall externer Vergaben Kosten gespart. Die Software besteht aus einem Tool zur Planung, einem Ökologietool und einem dritten Tool für das Flächenmanagement. Durch die transparente Bürgerbeteiligung soll „HAL-Plan“ zudem das Vertrauen der Bevölkerung stärken. Der Preis wurde an Stephan Becker und Mario Schröter von der Landeshauptstadt Marburg übergeben.

In der Kategorie „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ wurden die Projekte wie folgt prämiert:
1. Mönchengladbach und Wiesbaden mit Stadtlabor2go
2. Homburg mit HOMie
3. Freiburg mit dem Freiburger Klimapakt


Meiste EfA-Nachnutzung durch Rheinland-Pfalz

Zusätzlich wurde ein Sonderpreis für die meiste EfA-Nachnutzung über den Marktplatz der govdigital verliehen. Dieser ging an Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Pilotkommunen Landeshauptstadt Mainz, Landkreis Alzey-Worms und Verbandsgemeinde Asbach. Auf Grundlage eines kommunalen Nachnutzungsinteresses erwirbt das Land EfA-Lösungen auf dem Marktplatz und gibt diese dann als Subnachnutzungsvertrag unentgeltlich an Kommunen weiter. Die EfA-Kosten werden zentral aus dem Kommunalen Finanzausgleich des Landes getragen.

Neben der FITKO hat der Ko-Pionier-Preis eine Reihe weiterer Partner: die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), die Genossenschaft govdigital, den Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), den Verein NExT e.V., Fraunhofer FOKUS sowie den Behörden Spiegel. Die Verleihung fand am Abend des Kongresses Digitaler Staat statt.

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