StartStaat & RathausTrauriger Rekord bei Beratungsanfragen

Trauriger Rekord bei Beratungsanfragen

Rund 10.800 Menschen suchten 2023 Hilfe bei der Antidiskriminierungsstelle. Das entspricht einem Anstieg der Beratungsanfragen um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und damit einem nie dagewesenen Höchstwert. „Die Lage ist ernst“, findet Ferda Ataman, Unabhängige Beauftragte für Antidiskriminierung.

„Unsere Fallzahlen zeigen einen alarmierenden Trend. Mehr Menschen als je zuvor bekommen die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und Radikalisierung unmittelbar zu spüren“, so Ataman. Eine „Ausländer-Raus“-Stimmung sowie Menschenverachtung seien Normalität gewonnen – nicht nur beim Feiern auf Sylt oder auf Volksfesten, sondern auch im Alltag vieler Betroffener.

Der häufigste Grund für Beratungsanfragen ist rassistische Diskriminierung. Rund 3.400 Anfragen gingen laut Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle Bund zum Thema ein. Das sind etwa 41 Prozent aller Anfragen. Platz zwei der Anfragegründe ist mit einem Viertel der Anfragen (knapp über 2.000) die Diskriminierung aufgrund von Behinderung und chronischen Krankheiten. Dicht dahinter liegt mit knapp unter 2.000 Anfragen Diskriminierung wegen Geschlecht oder Geschlechtsidentität. Auch in anderen Bereichen haben die Diskriminierungserfahrungen im vergangenen Jahr zugenommen. Weitere Gründe sind beispielsweise Alter (über 1.100 Anfragen), Religion und Weltanschauung (über 600 Anfragen) und sexuelle Identität (rund 300 Anfragen). Fast ein Fünftel der geschilderten Diskriminierungen bezieht sich auf Erfahrungen mit Ämtern und Behörden sowie Polizei und Justiz.

Höchste Zeit zu handeln

„Diskriminierung ist nicht nur ein Problem derjenigen, die sie erleben. Diskriminierung gefährdet die Demokratie und unseren Rechtsstaat als Ganzes: Wer die Demokratie schützen will, muss Menschen besser vor Diskriminierung schützen“, erläutert Ataman. Sie fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag versprochene Reform des Allgemeinen Geleichbehandlungsgesetzes zeitnah anzugehen. „Ich erwarte von der Bundesregierung entschlossenes Handeln gegen den alltäglichen Hass und Rassismus. Das ist die Regierung den Betroffenen schuldig“.

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