Eine Hochwasserkatastrophe wie im Ahrtal 2021 kommt in der Regel ohne Vorwarnung und bedeutet für die eingesetzten Rettungskräfte eine aufwendige Suche nach zu rettenden Personen, gefährdeten und beschädigten Gebäuden oder Infrastrukturpunkten. Eine mühselige und zugleich zeitkritische Aufgabe, die bald durch Künstliche Intelligenz vereinfacht werden könnte.
Die Aufgaben von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) nehmen mit den sich häufenden Wetterextremen immer mehr zu. Hinzu kommen Großveranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft oder andere Lagen wie Naturkatastrophen. Doch nicht nur die Aufgaben wachsen, auch die Technik entwickelt sich weiter, mit der Einsatzkräfte arbeiten können. Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gibt es hier ein paar spannende Entwicklungen.
Eine dieser neuen Technologien ist das zuvor schon angedeutete Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Hier sollen Drohnenaufnahmen aus der Luft von einer Lage binnen Sekunden ausgewertet und an die entsprechenden Einsatzleitungen übermittelt werden. So können Luftaufnahmen von beispielsweise überschwemmten Wohngebieten schnell auf verschiedene Faktoren hin ausgewertet werden, was die Rettung von Personen deutlich beschleunigen kann. Es solle nach Personen gesucht werden können, aber auch nach Autos oder Gebäuden und nach dem Beschädigungsgrad eines Gebäudes, erklärt Dr. Monika Gähler, die Leiterin des Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation beim DLR. Allerdings befände sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase, so Dr. Gähler. Jedoch gibt dies einen Ausblick auf das, was in naher Zukunft schon möglich ist.
Ein weiteres interessantes Beispiel für ein solches Projekt stammt aus den Robotics Innovation Centers (RCI) aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Hier erläutert Dr. Sirko Straube, stellvertretender Leiter des RCI, das Projekt ROBDEKON – Kompetenzzentrum „Robotersysteme für die Dekontamination in menschenfeindlichen Umgebungen“. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) sollen hier Systeme entwickelt werden, die autonom oder teilautonom handeln können und in kontaminierter Umgebung an der Dekontamination arbeiten können, damit sich Menschen nicht mehr dieser Umgebung aussetzen müssen. Beispiele wären hier die Sanierung von Altlasten oder der Rückbau kerntechnischer Anlagen. Ein zusätzliches Projekt, an dem das DFKI arbeite, sei der Transportroboter Kratos, der gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) entwickelt werde. Hierbei handele es sich ebenfalls um einen teilautonomen Roboter, der den Einsatzkräften schwere Lasten abnehme und ihnen dank Gestensteuerung durch schwieriges Gelände folgen könne.
Eine Lösung für alle?
Jedoch gibt es auch einige Hürden bei der Etablierung solcher Projekte. Denn häufig ist es ein Problem, die entwickelten Lösungen bei der tatsächlichen Nutzung kompatibel und einheitlich einzuführen, sodass es häufig zu Insellösungen kommt. Wie Simon Franke – Teamleiter für Forschungsprojekte beim Informations- und Technologie Center (ITC) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. – erklärt, liege es zum Teil an den unterschiedlichen Markenanbietern bekannter Systeme, aber auch am Ausschreibungswesen der einzelnen Bundesländer. Jedoch gebe es zum Teil auch Projekte, bei denen von vornherein die Kompatibilität gefordert und gefördert werde, beispielsweise durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Bei Projekten mit dem BMWK werde auf einen einheitlichen Datenstandard und eine projektübergreifende Vernetzungsmöglichkeit geachtet. Auch Dr. Straube unterstreicht die Wichtigkeit einer Standardisierung: „Wir haben bis heute in der Robotik, bei den Robotik- und Automatisierungsfirmen immer noch das Problem, dass jede Firma ihr eigenes Interface hat, obwohl man weiß, dass allein bei der Automatisierung die Systeme eigentlich Hand in Hand arbeiten müssen.“ Das sei ein Riesenproblem, doch könnten das die Forschungseinrichtungen nicht allein durchsetzen, dafür brauche es einen gewissen Willen und auch Druck hinter der Forderung, so Dr. Straube.
Grundsätzlich brauche es mehr Mut und Offenheit von den Entscheidern und Investoren, damit vor allem die Forschung auch in die richtigen Anwendungen transferiert werden könne, erklärt Franke. „Also da braucht man dann auch den Mut der Entscheider, auch vielleicht Technologien einzusetzen, die nicht 120 Prozent ausgereift sind.“ Denn nur so könne man sich auf dem Gebiet weiterentwickeln.
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