StartSicherheitAuch in NRW nimmt die Messergewalt zu

Auch in NRW nimmt die Messergewalt zu

Schon wieder gab es zwei neue Messerangriffe in Deutschland. Gespiegelt werden die Taten vom kürzlich veröffentlichten Lagebild „Gewalt im öffentlichen Raum – Tatmittel Messer in Nordrhein-Westfalen 2019 bis 2023“.

Am Freitag, den 30. August, kam es abends in Ravensburg zu einem tödlichen Messerangriff. Ein Streit zwischen einem 31-Jährigen und einem 25-Jährigen eskalierte und  führte letztlich zum Tod eines der beiden Männer. Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei festgenommen. Am selben Abend ereignete sich in der Stadt Siegen ein weiterer Fall von Messergewalt. Dort hatte eine Frau in einem Bus plötzlich mit einem Messer auf Menschen eingestochen. Der Bus einer Sonderlinie sollte am Freitag eigentlich die mehr als 40 Passagiere zu einem Stadtfest bringen. Mindestens sechs Menschen wurden verletzt – drei von ihnen lebensgefährlich. Dieser Vorfall reiht sich in eine wachsende Serie von Messerangriffen in Deutschland ein.

Täter und Opfer sind männlich

Auch die Statistik bestätigt diesen Zuwachs. So wurden allein in Nordrhein-Westfalen rund 3.500 Straftaten im letzten Jahr mit einem Messer begangen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Zunahme um 43 Prozent. Bei 34,9 Prozent der Straftaten im Jahr 2023 handelte es sich um Bedrohungen und bei 34,6 Prozent um gefährliche Körperverletzungen. Durch einen Messerangriff starben insgesamt 15 Menschen. Die Mehrzahl der Tatverdächtigen war männlich, fast die Hälfte unter 21 Jahre alt.

Weiter gibt die Statistik einen Einblick in die Rahmenbedingungen der erfassten Messerangriffe, wie den Tatort. So fanden fast 9 Prozent der begangenen Straftaten mit Messern im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) statt. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Fälle um ganze 81,5 Prozent gestiegen.

Individuelle Maßnahmen

„Wir müssen mehr über Täter, Taten und Opfer erfahren, wenn wir diese schrecklichen Messerangriffe verhindern wollen“, betonte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) anlässlich der Ergebnisse. Sich zu bewaffnen, habe auch etwas mit einem „Männlichkeitsgehabe“ zu tun. So vermittle das Tragen eines Messers den jungen Männern ein vermeintliches Gefühl der Stärke und Unbesiegbarkeit.

Zur Eindämmung von Messergewalt plant das Innenministerium Nordrhein-Westfalen nun unter anderem die Präventionsarbeit in Flüchtlingsunterkünften zu verstärken. Außerdem soll neben individuellen Waffentrageverboten und Waffenverbotszonen auch mobile Videoüberwachungen und strategische Fahndungen eingeführt und durchgeführt werden. Die Maßnahmen sollen angepasst an örtliche Gegebenheiten und Kriminalitätsgeschehen individuell umgesetzt werden.

Innenminister Reul schlug zudem vor, Messerkriminalität mit dem Entzug von Führerscheinen anzugehen. „Personen, die wiederholt straffällig geworden sind, sollen mit dem Ziel des Entzugs oder der Nichterteilung der Fahrerlaubnis an die Straßenverkehrsbehörden gemeldet werden“, teilte diesbezüglich das Landesinnenministerium mit.

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