Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel eröffnete den Nordländer Kongress 2024 mit einer positiven Nachricht: Der Haushalt der Hansestadt hat einen Rekordüberschuss erzielt. In Sachen Digitalisierung hält er die Ressource Geld jedoch nicht für die wichtigste.
Digitalisierungserfolge sind an der Elbe keine Seltenheit. Im Smart City Index des Bitkom etwa landete Hamburg stets auf Platz eins und wurde lediglich 2023 erstmals von München überholt. „Digitalisierung in einem Stadtstaat ist besser zu organisieren als in einem Flächenland“, erklärte Dressel einen großen Vorteil, den Hamburg auch in der Verwaltungsdigitalisierung hat. Als Erfolgsgeheimnis der Digital Governance der Hansestadt nannte er drei Säulen: die zentrale Digitalstrategie, die aus der Senatskanzlei heraus gesteuert wird, flexible Anwendungen vor Ort und regelmäßig stattfindende Runden, in denen die aktuellen digitalen Entwicklungen evaluiert, diskutiert und weiterentwickelt würden.
Effizient wie Start-ups
Um schnelle und effiziente Lösungen zu finden, arbeitet der Hamburger Senat mit jungen Digitalisierungsexpertinnen und -experten zusammen. Die spezielle „Venture Client Unit“ GovTecHH arbeite nach dem Vorbild von Start-up-Unternehmen und könne diese Agilität leisten, so Dressel. Ein digitales Erfolgsbeispiel sei die Echtzeit-Übersetzung von Verwaltungstexten in Leichte Sprache, die einerseits Barrieren abbaue und andererseits „über 90 Prozent Kostensenkung“ bedeute. Ein Beispiel, wo hoher Datenschutz die Agilität hemme, seien Steuerdaten. Viele Bürgerinnen und Bürger, die mit ihren persönlichen Daten im privaten Bereich weniger „krüsch“ (wählerisch) umgingen, würden womöglich auf höchste Datenschutzstandards verzichten, um im Gegenzug mehr digitalen Service in Steuerangelegenheiten zu erhalten.
First Mover statt Geisterarmeen
„Die Ressource Geld ist wichtig“, betonte Dressel als Finanzsenator wenig überraschend. Aber: Die Mitarbeitenden in der Verwaltung seien wichtiger. Wolle man in naher Zukunft nicht mit „Geisterarmeen“ arbeiten, müsse man die „First Mover“ gewinnen – innovative Unternehmen, die neue Produkte entwickeln und in den Markt einführen. Nicht minder wichtig seien laut Dressel Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung. Beim Bürgerservice gehe es letztlich immer um Qualität und die Frage, wie Anwendungen angenommen werden. „Die eID ist mir zu kompliziert“, gab Dressel ein aus seiner Sicht weniger gelungenes Beispiel. Besser laufe die Bewohnerparkausweis-Beantragung in Hamburg. Diese sei „einfach nutzbar“ und habe dementsprechend „Nutzungsquoten von über 90 Prozent“. Am Ende suche er immer nach einem „Gleichklang“, so der Finanzsenator: der harmonische Zweiklang aus kleinen schnellen Erfolgen und den großen Strukturen der Digitalisierung.

