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Zukunfts-Fähigkeiten

Der Öffentliche Dienst steht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vor zahlreichen großen Veränderungen: Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Digitalisierung und KI – um nur ein paar zu nennen. Der Schlüssel, diese multiplen Transformationen zu bewältigen, ist die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten. Dazu müssen schon jetzt die nötigen Schritte in Richtung Zukunft gemacht werden.

Grundsätzlich gilt: Der Öffentliche Dienst braucht engagierte Menschen, um zu funktionieren – heute wie in 40 Jahren. Er leidet unter einem eklatanten Arbeitskräftemangel. Schon jetzt fehlen 570.000 Beschäftigte. In den kommenden 20 Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Das bedeutet einen Verlust der Hälfte der aktuell Beschäftigten.

Die drei entscheidenden Fragen, die für die Zukunft beantwortet werden müssen, sind also: Welche Aufgaben soll der Öffentliche Dienst zukünftig noch erfüllen? Wie können diese Aufgaben effizient erledigt werden? Und: Wie kann die Verwaltung das dafür notwendige Personal gewinnen und halten?

KI kann echte Entlastung bringen

Der öffentliche Sektor erlebt in den letzten Jahren einen enormen Aufgabenzuwachs. Die Beschäftigten müssen mehr Aufträge erfüllen, mehr Verordnungen berücksichtigen und mehr protokollieren. Das lähmt und sorgt für Frust bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die Politik muss effektiv Bürokratie durch Überregulierung abbauen und den Beschäftigten mehr Spielraum bei den Entscheidungen lassen. Aufgabenkritik, Praxistests für neue Gesetze und die Evaluierung alter Gesetze müssen die neuen Mantras werden.

Digitalisierung und KI werden den Öffentlichen Dienst der Zukunft prägen. Diese Technologien können auch dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel zu lindern. Gewarnt sei an dieser Stelle allerdings vor überzogenen Erwartungen – Digitalisierung und KI sind kein Allheilmittel. Für den Deutschen Beamtenbundund Tarifunion (DBB) liegt das größte Potenzial dieser Technologien in der Entlastung von Mitarbeitenden im Öffentlichen Dienst, die überall dort greifen kann, wo kleinteilige Routineprozesse anfallen. Dadurch haben die Beschäftigten mehr Zeit für andere Aufgaben.

Die Mitarbeitenden in der öffentlichen Verwaltung müssen auch auf die Veränderungen, Unsicherheiten und Komplexitäten der Arbeit unter den Bedingungen der Digitalisierung vorbereitet werden. Die Anforderungen an Erreichbarkeit, Schnelligkeit, Transparenz und Servicequalität sind gerade durch die Möglichkeiten der Digitalisierung erheblich gestiegen. Zugleich muss Verwaltungshandeln weiter rechtssicher, verlässlich, nachvollziehbar und am Gemeinwohl orientiert sein.

Neue Kompetenzen fallen nicht vom Himmel

Die Digitalisierung der Verwaltung wird nur erfolgreich sein, wenn alle Mitarbeitenden über entsprechende Kompetenzen und Qualifikationen verfügen. Das erfordert neben der Beherrschung grundlegender IT und Medienkompetenzen zusätzlich die Ausbildung neuer bzw. veränderter Kompetenzen. Diese fallen aber nicht vom Himmel, sondern müssen in grundständigen Studiengängen und Berufsausbildungen erlernt und vor allem im Berufsleben ständig weiterentwickelt werden.

Bei der Arbeit mit KI muss das Ziel sein, dass alle Mitarbeitenden zumindest über ein Grundverständnis über die Funktionsweise, Vorteile und Risiken von KI-Systemen verfügen. Daher brauchen wir weitere Investitionen in die Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten im öffentlichen Sektor. Für die digitale Transformation sind Fort- und Weiterbildung genauso wichtig wie eine angemessene sachliche Ausstattung.

Woher kommt das Personal für die neue Technik?

Die Verwaltung muss im Blick behalten, dass sich auch der Arbeitsmarkt stark wandelt. Mittlerweilesind es nicht mehr die Arbeitnehmer, die um einen Arbeitsplatz buhlen müssen. Es sind die Arbeitgeber, die im harten Wettbewerb um den Nachwuchs stehen. Der Öffentliche Dienst muss dringend attraktiver werden, um Nachwuchskräfte zu finden und das bestehende Personal zu halten. Nur dann kann er auch von den neuen Technologien profitieren.

Im Kampf um die besten Fachkräfte hat der Öffentliche Dienst seit jeher schlagkräftige Argumente, wie die Sinnhaftigkeit und Sicherheit der Tätigkeit auf seiner Seite. Die Kolleginnen und Kollegen sind Menschen im Dienst der Menschen und setzen sich mit ihrer Arbeit für das Gemeinwohl ein.

Der große Knackpunkt betrifft die Bezahlung der Kolleginnen und Kollegen. Ein auskömmliches Gehalt im Öffentlichen Dienst muss sichergestellt werden, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben zu können. Aber auch die Arbeitszeitgestaltung muss mit der jeweiligen Lebenssituation der Beschäftigten vereinbar sein. Sowohl Arbeitgeber als auch Beschäftigte profitieren von guten Arbeitszeitmodellen. Überzeugt von diesem Mehrwert ist der DBB in der Einkommensrunde Anfang des Jahres für die dringend benötigte Flexibilität eingetreten. Der DBB erwartet, dass in der nun beginnenden neuen Legislaturperiode die Politik ein klares Bekenntnis zu einem verlässlichen und modernen Staat abgibt. Es wird entscheidend darum gehen, die Leistungsfähigkeit und Attraktivität des Öffentlichen Dienstes dauerhaft zu sichern.

Ob im Jahr 2025, 2050 oder 2100: Der Öffentliche Dienst ist und bleibt ein Garant für rechtsstaatliche und sichere Verhältnisse in Deutschland. Der Staat der Zukunft erledigt seine Aufgaben schnell und effektiv und verfügt über eine gut ausgestattete Infrastruktur. Er wird auch in Zukunft Dienstleister und Multiplikator für gesellschaftlichen Zusammenhalt zugleich bleiben. Das ist sicher.

Der Autor des Gastbeitrags ist Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbund und Tarifunion.

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