Ein Schritt in Richtung nachhaltigem und klimaverträglichem Fliegen: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die ADAC Luftrettung führten eine bisher einmalige Messkampagne zum Einsatz von nachhaltigen Flugkraftstoffen in Rettungshubschraubern durch. Die ersten Ergebnisse klingen vielversprechend.
Insgesamt flogen zwei ADAC-Luftrettungshubschrauber mehr als 1.800 Stunden mit einem sogenannten SAF-Blend. Darunter versteht man ein Gemisch aus konventionellem Kerosin mit nachhaltigen Kraftstoffen – auch als Sustainable Aviation Fuels (SAF) bekannt. SAF wird aus recycelten pflanzlichen oder tierischen Fetten wie Altspeiseöl hergestellt.
Forschende des DLR-Instituts für Verbrennungstechnik begleiteten diesen Langzeitversuch mit insgesamt sechs Messkampagnen am Boden. Sie untersuchten dabei das Verbrennungsverhalten und die Leistungsfähigkeit des SAF-Blend. Speziell analysierten sie die freigesetzten ultrafeinen Partikel und Verbrennungsgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Kohlenstoffmonoxid (CO) und Stickoxide (NOX).
Die Messungen ergaben, dass beim Einsatz des Kerosingemischs deutlich weniger Ruß ausgestoßen wurde als bei reinem Kerosin. Im Idle-Betrieb kurz vor dem Start, wenn sich die Rotoren schon mit einer sehr hohen Geschwindigkeit drehen, konnten die Forschenden 44 Prozent weniger Partikel messen. Bei Triebwerksleistungen wie im Flug mit Einsatzgeschwindigkeit lagen die Werte 33 Prozent unter denen von reinem Kerosin. Die Triebwerke hätten reibungslos funktioniert.
Das DLR zeigt sich überzeugt, dass man durch ein richtiges Design dieser Art von Treibstoffen weniger Rußpartikel erzeuge. Das helfe Umwelt und Klima. Das immer noch entstehende CO2 würde zuvor aus erneuerbaren Quellen gewonnen, sodass über den gesamten Lebenszyklus gesehen insgesamt auch die Netto-CO2-Emissionen deutlich sinke würden.
„Nach den vielversprechenden ersten Ergebnissen möchten wir Forschung und Weiterentwicklung auf diesem Gebiet noch vertiefen und den SAF-Anteil weiter erhöhen. Unser langfristiges Ziel ist es, die Dekarbonisierung der Luftfahrt auch im Rettungsdienst entscheidend voranzubringen“, erläutert Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung.
„Als Ergebnis dieser Messkampagnen mit der ADAC Luftrettung liegen uns jetzt neue, deutlich präzisere und im realen Betrieb gemessene Daten vor. Diese können wir auch für Hochrechnungen, Simulationen und Modelle nutzen, um die Auswirkungen der Luftfahrt auf Umwelt und Klima noch exakter zu ermitteln“, erklärt DLR-Experte Tobias Grein, der das Projekt begleitet hat.

