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Litauen stärkt seine Grenze

Litauen und Russland verbinden 275 km gemeinsame Grenze. Weißrussland und der baltische Staat grenzen auf weiteren 679 km aneinander. Die gemeinsamen Grenzen möchte die Republik fortan mit einem neuen Verteidigungssystem absichern.

Litauen wird in Zukunft eine mehrschichtige Verteidigungslinie an der Grenze errichten. Sie soll unter anderem aus Panzerabwehrhindernissen, Entwässerungsgräben, Minenfeldern und weiteren Elementen bestehen. Wie das litauische Verteidigungsministerium in einem Post auf der Kurznachrichtenplattform X bekannt gab, soll die dreistufige Verteidigungsgrenze individuelle Maßnahmen zur Hemmung von Bewegungen ablösen. Das Verteidigungsministerium um Dovilė Šakalienė verspricht sich davon mehr Tiefe, stärkere Kontrolle und vollständige Integration in die NATO.

Drei Stufen gegen Russland

Der Post enthielt neben dem allgemeinen Hinweis eine schematische Darstellung der geplanten Verteidigungslinie. Sie zeigt eine Verteidigungsanlage mit einer Breite von 50 Kilometern. Diese ist in drei Ebenen unterteilt. Die Erste weist eine Länge von fünf Kilometern auf. Sie ist unmittelbar hinter dem Grenzkontrollpunkt angelegt. Dieser erste Abschnitt verfügt über einen Panzerabwehrgraben, Panzerabwehrhindernisse – in der Veröffentlichung als „Drachenzähne“ bezeichnet –, befestigte Stützpunkte mit Schützengräben und Sekundärstellungen. Darüber hinaus plant das Verteidigungsministerium des Landes, ein Minenfeld zu errichten.

Auf die erste Verteidigungslinie folgt eine 15 km breite zweite Verteidigungsanlage. Dort sollen erneut befestigte Stützpunkte mit Schützengräben, ein blockier- und sprengbarer Brückenkopf, Entwässerungsgräben und Lagerungsmöglichkeiten für Pionierfahrzeuge entstehen
Darauf folgt der finale dritte Teil der neuen Grenzbefestigungen. In einer Tiefe von 20 km bis 50 km hinter der Grenze sollen zum zweiten Mal manipulierte Brückenköpfe gebaut werden. Außerdem sollen Bäume an Zubringerstraßen gepflanzt werden. Sie sollen im Bedarfsfall gefällt und auf der Straße platziert werden können. Denn gefällte Bäume können nützlich sein, um die Bewegungen eines Gegners entlang von Straßen zu hemmen. Das gilt insbesondere in bewaldeten Gebieten. Wie in den zwei Grenzlinien zuvor plant das litauische Verteidigungsministerium befestigte Stützpunkte mit Schützengräben. Die Bekanntmachung der Anpassungen der Grenzanlagen folgt drei Wochen, nachdem eine unbekannte Drohne in den litauischen Luftraum eindrang. Für die Landesstreitkräfte gab das Anlass, die Luftverteidigung entlang der Grenze zu Belarus zu verstärken.

Eine Milliarde für den Grenzschutz

Bereits im Frühling gab die litauische Regierung bekannt, dass die Maßnahmen zur Grenzverteidigung ausgebaut werden sollen. Dafür investiert der baltische Staat mehr als eine Milliarde Euro in einem Zeitraum von zehn Jahren. Wie das Verteidigungsministerium am 5. Mai verlauten ließ, sollen die Maßnahmen „Aktionen feindlicher Staaten blockieren und verlangsamen“. Konkret ist vorgesehen, den Großteil der Mittel in die Beschaffung von Panzerabwehrminen zu investieren. 800 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Die übrigen Summen sind für die Anschaffung von Waffen für die elektronische Kriegsführung, die Bekämpfung von Drohnen, die Stärkung der Überwachungs- und Frühwarnsysteme sowie die Verbesserung der Minenräumkapazitäten der Landstreitkräfte eingeplant. An welchen Stellen der fast 1.000 km langen Grenze zwischen Litauen, Belarus und Russland neue Anlagen entstehen sollen, ließ das Ministerium allerdings noch offen.

„Es wird intensiv daran gearbeitet, die geografischen Punkte zu ermitteln, an denen die technischen Barrieren der Länder zusammenlaufen müssen, um die Integrität der baltischen Verteidigungslinien zu gewährleisten“, ließ das Verteidigungsministerium verlauten. Darüber, ob die vergangene Woche angekündigten Verteidigungsanlagen mit Mitteln aus dem angekündigten Paket von Mai finanziert werden sollen, machte das litauische Verteidigungsministerium keine Angaben. Der Hinweis auf die geplanten Minenfelder legt diese Vermutung jedoch nahe.

Ein kontroverses Verteidigungsmittel


Im Frühling dieses Jahres verkündeten Lettland, Litauen, Estland und Finnland, die Ottawa-Konvention zu verlassen. Mit der Ratifizierung der Konvention verpflichten sich Staaten dazu, den Einsatz und die Lagerung von Antipersonenminen zu unterlassen. Bereits im Mai stimmte das lettische Parlament offiziell für den Austritt aus dem internationalen Verbotsvertrag. Finnland verkündete am 1. April seinen Entschluss, von seiner Ratifizierung Abstand zu nehmen.
Beide Staaten rechtfertigten den Schritt mit dem Argument, dass ihre Länder ihre Verteidigungsstrategien überdenken müssen, um potenziellen militärischen Bedrohungen wirksamer begegnen zu können.

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