In Größe und Umfang ist der jüngste Vertrag, den das US-Verteidigungsministerium (DoD) vergangene Woche mit dem Rüstungsunternehmen L3Harris Technologies abschloss, beispiellos. Die US-Regierung investiert eine Milliarde Dollar in das Raketengeschäft von L3Harris.
Konkret sieht der Kontrakt vor, dass das Rüstungsunternehmen in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 einen Börsengang des Geschäftsbereichs Missile Solutions durchführt. Damit entsteht ein börsennotiertes Unternehmen, das auf die Lieferung kritischer Antriebssysteme spezialisiert ist. Das Pentagon wiederum sichert sich mit dem Vertrag das Recht, mehrjährige Rahmenvereinbarungen für die Beschaffung von Feststoffraketenmotoren auszuhandeln. Das ist relevant, weil dieser Antriebstyp bei Systemen wie der PAC-3-Patriot-Rakete oder der Tomahawk zum Einsatz kommt. Insbesondere die Entwicklungen in der Ukraine machen deutlich, dass derartige Waffensysteme an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus könnte die US-Regierung vom Börsengang finanziell profitieren.
Wie das US-Verteidigungsministerium in der offiziellen Pressemitteilung deutlich machte, erwartet die Regierung, dass L3Harris mit dem Finanzierungsschub im Rücken die Produktionskapazitäten für Feststoffraketen deutlich ausbaut. Darüber hinaus soll das Unternehmen seine Anlagen modernisieren und die Resilienz erhöhen. Damit hat das Unternehmen nun den Auftrag und die Mittel, den bereits eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen. Im Juli 2023 übernahm L3Harris den Triebwerkshersteller Aerojet Rocketdyne für 4,7 Milliarden US-Dollar. Damit expandierten die US-amerikaner in den Markt für Triebwerke und Antriebe. Knapp acht Monate später gab das Rüstungsunternehmen bekannt, im Rahmen des Defense Production Act mit dem Aufbau von vier neuen Produktionsstätten für Feststoffraketen begonnen zu haben.
Teil einer umfassenderen Strategie
Die jüngste Investition folgt einer neuen Defense-Acquisition-System-Strategie von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Neue Vertragsmodelle sollen ein schnelles und termingerechtes Zulaufen von Rüstungsgütern sicherstellen. Das hat sich bereits in mehreren Vertragsabschlüssen niedergeschlagen. So verkündete das Verteidigungsministerium zu Beginn des Jahres, einen Rahmenvertrag mit Lockheed Martin zur Produktion von Lenkflugkörpern vom Typ PAC-3 (MSE) abgeschlossen zu haben.
„Wir ändern unseren Ansatz zur Sicherung unserer Munitionslieferkette grundlegend“, erläuterte Michael Duffey, Unterstaatssekretär für Beschaffung und Nachschub im Verteidigungsministerium, die Investition in L3Harris. Durch direkte Investitionen in Lieferanten baue die Regierung die widerstandsfähige industrielle Basis auf, führte er weiter aus. Die direkte Zusammenarbeit mit Lieferanten sei dabei ein entscheidender Schritt.

