Digitalisierung im öffentlichen Sektor: modern, sicher, bürgernah

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(Grafik: Sara_Torda, pixabay.com)

Noch im Jahr 2015 waren in 90 Prozent der Kommunen in Deutschland weniger als 0,5 Prozent der Services online verfügbar. In den vergangenen sieben Jahren hat Deutschland bei der Digitalisierung der öffentlichen Hand aufgeholt, hinkt im europäischen Vergleich jedoch weiter hinterher. Der im November 2021 von der Europäischen Kommission veröffentlichte Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) 2021 zeigt, dass Deutschland bei der Digitalisierung der Verwaltung auf Platz 16 aller 27 EU Mitgliedsstaaten liegt. Demgegenüber sind Länder wie Estland, Dänemark und Irland deutlich weiter. Hierzulande erweisen sich hohe Anforderungen an den Datenschutz immer noch als Bremsklotz und lassen Länder und Kommunen bei der Einführung neuer Technologien zögern.

Die europäische Initiative Gaia-X zeigt Wege aus diesem Dilemma auf: Softwareunternehmen, wissenschaftliche und staatliche Einrichtungen entwickeln ein Datenökosystem, das die Europäische Union maßgeblich fördert. Dabei entstehen auch Datenräume und Softwareprogramme, die speziell auf Behörden ausgerichtet sind. Mitarbeitende können somit die Vorteile moderner technischer Lösungen nutzen, ohne Verstöße gegen den Datenschutz zu riskieren.

POSSIBLE: Gaia-X-Projekt für die öffentliche Verwaltung

Ziel des Projekts POSSIBLE (Phoenix open software stack for interoperable engagement in dataspaces“) ist es, Behörden zu einem souveränen Umgang mit Daten und digitalen Prozessen zu befähigen. Dafür sollen neue Kommunikationsschnittstellen und Anwendungen entstehen. Von der Art der angebotenen Programme her stellt das Projekt Alternativen zu Microsoft-Office-Lösungen dar – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Öffentlichen Hand. Die Lösungen ermöglichen das Erstellen von Texten, Tabellen oder Präsentationen, Videokonferenzen, schnelles Versenden von Textnachrichten per Chat, klassische Mails und das Teilen von Dokumenten. Die Datenspeicherung ist unbedenklich: Behörden der Bundesrepublik können die Informationen auf Servern lagern, die in Deutschland stehen. Da Gaia-X ein ganzes Datenökosystem umfasst, können Ämter problemlos ihre Daten mit Unternehmen oder anderen Organisationen teilen. Auch die Bürgerinnen und Bürger erhalten somit über ein zentrales Interface sicheren Zugang zu allen mit ihrer Identität verbundenen Daten. POSSIBLE zielt also nicht nur auf ein effizienteres Arbeiten innerhalb der Behörden ab, sondern bietet auch den Bürgerinnen und Bürgern praktische Vorteile bei der Regelung ihrer Angelegenheiten. 

Welches Know-how in das Projekt fließt, lässt sich am Konsortium erkennen, das hinter POSSIBLE steht: Bechtle führt das Konsortium. Das deutsche Cloud-Unternehmen IONOS stellt die IT-Infrastruktur. Zusätzlich sind die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung, das August-Wilhelm Scheer Institut, Dataport, Univention, IMC Information Multimedia Communication beteiligt, um den digitalen Arbeitsplatz auf Basis von Open Source zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um öffentlich einsehbaren Software-Code, der keinem bestimmten Technologiekonzern gehört. Die Nutzung von Code, der allen Beteiligten bekannt ist und von ihnen verändert werden kann, schafft Vertrauen und Sicherheit – auch in rein technischer Hinsicht.

Open-Source: Anknüpfungspunkt für weitere Innovationen

Eine ganze Reihe von Softwareunternehmen hat sich inzwischen der Digitalisierung der Verwaltung angenommen, was allein schon die hohe Priorität des Themas zeigt. Hier gehen die Projekte teilweise schon deutlich über den Einsatz grundlegender Office-Anwendungen hinaus: So entwickelt der Cloud-Anbieter IONOS gemeinsam mit dem Softwarehersteller Stackable Lösungen, die auf die Nutzung von Big Data und Künstlicher Intelligenz abzielen. 

Der Autor des Gastbeitrags ist Jan Schruf, Head of Public Sales bei IONOS.

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