Vernetzt denken, vernetzt arbeiten

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Martin Kaloudis ist Chief Executive Offi cer (CEO) und Vorsitzender der Geschäftsführung der BWI GmbH, des IT-Systemhauses der Bundeswehr. (Foto: BS/BWI)

Digitale Kollaborationstools werden in der Arbeitswelt immer wichtiger. Große Organisationen – egal ob in der Verwaltung, der Wirtschaft oder bei den Streitkräften – können aber einige der bekannten Tools aufgrund von Sicherheitsrisiken nicht nutzen. Gemeinsam mit der Bundeswehr entwickelt die BWI geeignete Lösungen für eine bessere digitale Zusammenarbeit. Und liefert so einen wichtigen Beitrag für den Fortschritt und zur Modernisierung des Staates.

Aufgrund von Homeoffice, flexiblen Arbeitsmodellen und mobilen Endgeräten wird die Arbeitswelt immer dezentraler und digitalisierter. Gleichzeitig entwickeln sich vernetztes Denken und neue, bereichsübergreifende Formen der Zusammenarbeit zu wesentlichen Erfolgsfaktoren. Einheitliche und intuitiv bedienbare Kollaborationstools und -plattformen gewinnen daher immer stärker an Bedeutung. Als Digitalisierungspartner und Innovationstreiber der Bundeswehr entwickelt die BWI sichere und souveräne Lösungen, mit denen die Streitkräfte ihre Angehörigen ortsunabhängig miteinander vernetzen können. Dabei betrachten wir etablierte Standards und entwickeln für die besonderen Anforderungen der Bundeswehr passgenaue Anwendungen.

Groupware Bw: Gemeinsame Plattform ersetzt Insellösungen

Der Kollegin fix ein paar Infos per Chat schicken, mit dem Kollegen Dateien teilen oder Online- Meetings mit geteiltem Bildschirm abhalten – bis vor Kurzem war das für Angehörige der Truppe noch nicht so einfach, da sie etablierte Kollaborationstools aus Sicherheitsgründen nicht nutzen konnten. Deshalb hat die BWI als IT-Systemhaus der Bundeswehr “Groupware Bw” entwickelt. Die Plattform lässt sich von jedem beliebigen Ort nutzen und verknüpft Anwendungen wie Outlook, Sharepoint oder Jabber medienbruchfrei miteinander. An die Stelle von Einzellösungen und -prozessen rückt damit eine einheitliche Kollaborationsplattform. Sie öffnet den rund 190.000 Angehörigen der Bundeswehr und des Bundesverteidigungsministeriums ein großes Potenzial für vereinfachte Arbeits- und Verwaltungsabläufe und insgesamt mehr Übersicht im Informations- und Datendschungel.

BwMessenger: Sicher über das Smartphone kommunizieren

Auch die schnelle Kommunikation per Smartphone gestaltete sich in der Bundeswehr in der Vergangenheit mitunter schwierig: Wegen Sicherheitsrisiken können die Messenger- Dienste der Marktführer nicht verwendet werden. Daher hat die BWI eine sichere Chat-Lösung für die Bundeswehr entwickelt – den BwMessenger. Er basiert auf dem Open-Source- Protokollstandard Matrix und wird auf BWI-eigener IT-Infrastruktur betrieben. Dadurch ist er vollkommen souverän und erfüllt alle relevanten Sicherheitsvorschriften – selbst Inhalte der Klassifizierung “Verschlusssachen – nur für den Dienstgebrauch” können über den Messenger versendet werden. Etwa 85.000 Nutzer/- innen verwenden derzeit den BwMessenger auf dienstlichen Computern, Smartphones oder Tablets, aber auch auf privaten Endgeräten. Und im kommenden Jahr stellen wir das Tool in angepasster Form als BundesMessenger öffentlichen Anwendern wie Bund, Ländern und Kommunen zur Verfügung.

Per Avatar ins virtuelle Meeting

Gemeinsam mit der Luftwaffe haben wir darüber hinaus den Einsatz von Virtual Reality (VR) für die Planung, Vor- und Nachbereitung von Einsätzen untersucht. Hintergrund: Bei der Planung größerer Missionen müssen Pilot(inn)en und Befehlshabende für Lagebesprechungen und Einsatzplanungen persönlich zusammenkommen, befi nden sich aber oft an unterschiedlichen Standorten. Aufgrund fehlender Interaktionsmöglichkeiten können Videokonferenzen den Austausch vor Ort nicht ersetzen. Bei der Virtual-Reality-Lösung “VR Lage” kommen die Teilnehmenden in einem virtuellen Raum zusammen, um die Mission gemeinsam bis ins letzte Detail zu planen. Sie können über Avatare gestikulieren und so miteinander interagieren, als wären sie gemeinsam in einem physischen Raum. Hierbei hat unsere Innovationseinheit BWI innoX im Übrigen echte Pionierarbeit geleistet und zum ersten Mal im militärischen Kontext einen Sprachassistenten im VR-Raum eingesetzt. Die drei Beispiele zeigen, dass bei der Entwicklung von Kollaborationstools nicht nur die Bedarfe der Nutzer/-innen betrachtet werden müssen, sondern auch eine intuitive Bedienung wichtig für die Akzeptanz und Nutzbarkeit ist. Deshalb orientiert sich die BWI bei der Entwicklung an Funktionalitäten und Logiken, die aus der privaten Nutzung von Messengerdiensten, VRAnwendungen und Ähnlichem bekannt sind. Denn je einfacher die Benutzung ist, desto wahrscheinlicher ist die Anwendung. Dies gilt nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für die staatlichen Organisationen, da dort der Bedarf an übergreifender Zusammenarbeit, Sicherheit und Funktionalität ähnlich gelagert ist.

Der Autor des Gastbeitrags ist Martin Kaloudis, CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der BWI GmbH.

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