StartDigitalesSchulen in Baden-Württemberg: Viel Technik, weniger Know-how

Schulen in Baden-Württemberg: Viel Technik, weniger Know-how

Die Schuldigitalisierung hat Sprünge gemacht. Baden-Württemberg liegt dabei in den meisten Kategorien über dem deutschen Durchschnitt. Doch die Lehrkräfte könnten besser auf das digitale Lehren vorbereitet sein.

Das ist das Ergebnis einer forsa-Studie im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Dafür hat das Sozialforschungsinstitut Schulleitungen in ganz Deutschland befragt. Im Ländle ergibt sich ein klares Bild: Durch die Corona-Pandemie haben sich viele Zahlen verdoppelt. Im Jahre 2019 hatten erst vier von zehn Schulen in Baden-Württemberg Breitbandinternet mit WLAN. Mittlerweile sind es fast acht von zehn (75 Prozent). Im Bundesdurchschnitt verfügen dagegen nur zwei Drittel aller Schulen über die leistungsstarken Internetanschlüsse. Auch was die Ausstattung mit Endgeräten angeht, war die Pandemie ein Treiber. Vor der Krise hatte rund ein Drittel der Schulen Klassensätze an Laptops, Tablet-PCs oder Smartphones (in der Regel nicht für alle Klassen). Damit lag Baden-Württemberg sogar noch leicht unter dem Bundesschnitt (37 Prozent der Schulen hatten Klassensätze). Nun, nach der Corona-Pandemie haben 86 Prozent der Schulen im Ländle Klassensätze an Endgeräten. Hier liegen Baden-Württemberg und der Bund in etwa gleichauf.

Und die Lehrkräfte? An rund zwei von drei Schulen haben sie Dienstgeräte. Etwa ein Viertel der Schulen stellt vielen ihrer Lehrenden Endgeräte zur Verfügung. Nur zwei von hundert Schulen geben überhaupt keine Dienstgeräte aus. Baden-Württemberg liegt damit etwa im Bundesschnitt.

Die einzige Ausstattungsfrage, wo das Ländle dem Bundesschnitt hinterherhinkt, sind E-Mail-Adressen. Neun von zehn Schulen in Deutschland stellen ihren Lehrkräften dienstliche E-Mail-Adressen zur Verfügung. In Baden-Württemberg sind es hingegen nur 84 Prozent der Schulen. Etwas mehr als jede zehnte Schule (12 Prozent) im Bundesland bietet ihrem Personal gar keine dienstliche E-Mail. Dies ist mehr als doppelt so viel wie der Bundesschnitt von 5 Prozent.

„Seit Jahren haben Schulen die Möglichkeit, dienstliche und datenschutzkonforme E-Mailserver über landeseigene Systeme zu nutzen, müssen das allerdings aus ihren eh schon geringen Haushaltsmitteln finanzieren“, erläutert der stellvertretende Landesvorsitzende des VBE Baden-Württemberg Oliver Hintzen. Der Digitalexperte des Verbandes kritisiert: „Viele Schulen wussten das erst gar nicht oder ihnen wurden vom Kostenträger nicht genug finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt.“

Der Landesvorsitzende des VBE Baden-Württemberg Gerhard Brand kritisiert: „Wir sind noch längst nicht da, wo wir sein müssten. Ein Grund dafür ist die Hängepartie von Bund, Land und Kommunen, wer die weitere Finanzierung und Wartung von digitalen Endgeräten für Lehrkräfte übernimmt. Auf dem Rücken dieser Streitigkeiten wird die Digitalisierung verschleppt oder gar zurückgefahren.“

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