Am 19. November treffen sich in Brüssel die Verteidigungsminister der EU zur Billigung des Jahresberichts der European Defence Agency (EDA). Zur Debatte steht an diesem Datum auch die gemeinschaftliche Entwicklung einer European Combat Vessel (ECV). EDA-Programmverantwortlicher, Jürgen Scraback, ist zuversichtlich.
Auf der Euronaval in Paris verkündete der Verantwortliche für die maritime Domäne der Europäischen Behörde für Rüstungsbeschaffung (EDA), Jürgen Scraback, dass seine Behörde an Plänen für eine gemeinsame Entwicklung eines Kampfschiffes arbeite. In der Dekade ab 2040 könnte das sogenannte European Combat Vessel (ECV) bereits einsatzbereit sein. Das Budget für die Entwicklung soll sich laut Scraback auf 20 Milliarden Euro belaufen. Ob es letztendlich zu einer gemeinsamen Entwicklung kommt, wird sich am 19. November zeigen. Dann kommen die EU-Verteidigungsminister in Brüssel zum FAC/Verteidigung und EDA-Lenkungsausschuss zusammen. In diesem Rahmen legt die Rüstungsbehörde eine Reihe von Letters of Intent (LoI) vor, darunter auch den Vorschlag zum ECV-Projekt.
Die Vertragsunterschrift ist zunächst nur als politische Willensbekundung zu verstehen. In welchem Umfang die Projektbeteiligung erfolgt, wird sich zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. In Paris erklärte der EDA-Verantwortliche, dass man bereits sechs Interessenten für das Projekt gefunden habe, von denen vier über größere Marinen verfügen. Konkret erklärte Scraback, dass Spanien und Italien mit einer Vertragsunterschrift liebäugelten. In Frankreich sei man hingegen noch unentschlossen. Auf Nachfrage wollte die EDA das Interesse benannter Staaten nicht bestätigen.
Mittlere Größe – modernste Fähigkeiten
Zwar ist noch unklar, ob sich europäische Partner für das EVC finden, in Paris erläuterte Scraback jedoch, wie sich das Schiff in Zukunft gestalten könnte. So müsse das zukünftige Schiff mit einer vergleichsweise geringen Crew auskommen. Automatisierungsprozesse sollen dies ermöglichen. Darüber hinaus soll das Schiff über verschiedene unbemannte Systeme verfügen.
Des Weiteren grenzte Scraback ein, wie groß das Schiff werden könnte. Geplant sei eine Verdrängung von 8.000 metrischen Tonnen. Diese Zahl ergebe sich aus dem Anforderungsprofil des Schiffs. Konkret geht es dabei um die Fähigkeit, Teile modular auszutauschen, Containerfracht zu transportieren sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Drohnensysteme unterzubringen. Im internationalen Vergleich ist die angestrebte Größe von 8.000 Tonnen im Mittelfeld angesiedelt. Frankreichs brandneue Defence and Intervention Frigatte verdrängt 4.500 Tonnen. Das französisch-italienische Gemeinschaftsprojekt Frégate Européenne Multi-Missions (FREMM) verdrängt 6.000 Tonnen. Immer noch kleiner als das ECV-Konzept sind die von der belgischen und niederländischen Marine beauftragten Anti-Submarine Warfare Frigates (ASWF), die 6.400 Tonnen verdrängen. Größer als das ECV fällt hingegen die zukünftige F126-Fregatte der Deutschen Marine aus. Statt nur 8.000 Tonnen verdrängen sie den Plänen entsprechend 10.000 Tonnen.
Der Wert maritimer Drohnen
Dass maritime Drohnen einen großen Wert haben, stellt der Ukraine-Krieg eindrücklich unter Beweis. Der ukrainischen Streitkräfte gelingt es immer wieder, mit Drohneneinsätzen großen Schaden an maritimen Zielen anzurichten. So traf die Ukraine vergangene Woche mit einer Kamikaze-Drohne erstmals ein russisches Kriegsschiff im Kaspischen Meer.
Es liegt daher nahe, dass das ECV über vielfältige Drohnenfähigkeiten verfügen soll. Auch auf NATO-Ebene gibt es Bemühungen, die Einsatzmöglichkeiten maritimer Drohnen auszuloten. Im September veranstaltete das Verteidigungsbündnis vor der Küste Portugals die Übung Robotic Experimentation and Prototyping with Maritime Unmanned Systems (REPMUS) 24. Deren Ziel ist es, die Fähigkeit autonomer Systeme zu testen, gemeinsam zu operieren und das Verständnis des Bündnisses für neue Bedrohungen im maritimen Umfeld zu verbessern. REPMUS widmete sich in diesem Jahr explizit den Multi-Domain-Operationen. Im kommenden Jahr wiederum stellen sich die Teilnehmenden der Herausforderung, gegnerische Einheiten mithilfe von Drohnen auf Distanz zu halten. Die Pläne für ein weiteres großes europäisches Schiffsprojekt fallen in eine Zeit, in der viele internationale Werften mit Herausforderungen kämpfen. So fehlen laut Erica Logan, stellvertretende Direktorin für Arbeitskräfte im Programm Submarine Industrial Base (SIB), in der kommenden Dekade allein für die U-Boot-Projekte der U.S. Navy 140.000 Fachkräfte.
In Deutschland gestaltet sich der Fortschritt des größten Rüstungsprojekts der Bundesrepublik, der Fregatte 126, schleppend. Seit der Kiellegung des Typschiffs „Niedersachsen“ am 3. Juni stehen in Kiel bei NVL zwar Werftmitarbeitende und Anlagen bereit, aufgrund von Problemen bei der Übertragung der Konstruktionsunterlagen ist der Baubeginn der Rumpfsektion jedoch weiter vertagt. Inzwischen nutzt NVL die ungenutzten Produktionskapazitäten, um Arbeiten für die französische Schwesterwerft in Cherbourg auszuführen und Zollschiffe zu bauen.

