Vom digitalen Zwilling über KI-Unterstützung bis hin zur smarten Straßenlaterne: Smart-City Projekte sind die Zukunft der modernen Verwaltung. Und manch einer würde staunen, was mittlerweile smart verfügbar ist.
Besonders im Infrastrukturbereich geht es immer smarter zu. Das beginnt schon bei der intelligenten Straßenbeleuchtung. Und auch hier gibt es unterschiedliche Arten. Allein in der Stadt Essen gibt es zum einen Straßenlaternen, die mit einem Bewegungsmelder ausgestattet sind und nur erstrahlen, wenn ein Verkehrsteilnehmender in der Nähe ist. An anderer Stelle hat die Stadt sogenannte Smart Poles, die nicht nur Licht spenden, sondern zum Beispiel auch als Ladepunkt für E-Autos fungieren, die Parkflächenbelegung erfassen oder Daten über die Luftqualität erheben. Auch in Saarbrücken wird mancherorts auf intelligente Beleuchtung gesetzt. Entlang der Saar sind die neuen Lampen steuerbar und insektenfreundlich – also z. B. in einem warmen Lichtspektrum, das weniger Insekten anzieht. Zudem könne die Helligkeit jeder einzelnen Leuchte entsprechend der Passantenfrequenz angepasst werden, erläutert Tobias Raab, Dezernent für Wirtschaft, Soziales und Digitalisierung der Landeshauptstadt Saarbrücken. Doch damit nicht genug. „Die Landeshauptstadt setzt mit verschiedenen Projekten ihren Smart-City-Entwicklungsplan um.“ Zu diesem gehört seit Kurzem auch ein smarter Zebrastreifen. Doch was kann einen Fußgängerüberweg, an dem gewöhnlich keinerlei Technik verbaut ist, intelligent machen?
Laserlicht für erhöhte Sicherheit
Wie die Stadt erklärt, erkennt moderne Sensorik frühzeitig, wenn eine Person den Zebrastreifen überqueren will und warnt Autofahrende durch ein gut sichtbares Blinklicht. Durch eine zusätzliche Laserbeleuchtung, welche auf Fußhöhe die Bewegungen der Passierenden sichtbar macht, ist sowohl im Dunkeln als auch bei Sichtbehinderung durch parkende Fahrzeuge ein frühzeitiges Bremsen möglich. Zugleich erfolgt eine anonyme, automatisierte Verkehrszählung der Passierenden und zu einem späteren Zeitpunkt auch der Durchfahrenden. Das seien wichtige Daten, denn allein innerhalb eines Sieben-Tagen-Zeitraums habe es rund 1.000 sichere Kreuzungen des Zebrastreifens gegeben, ergänzt Raab.
Diese Informationen könne die Stadt „zum Beispiel bei baulichen oder sicherheitstechnischen Verbesserungen oder bei der Nutzung von Bewegungsdaten zur Optimierung von Wegen, Beleuchtung, Bushaltestellen“ verwenden. Zudem sei die Resonanz der Bürgerinnen und Bürger durchweg positiv. Auch die Kreisstadt Olpe rühmt sich eines smarten Zebrastreifens. Als Teil des Bundesmodellprojekts „5 für Südwestfalen“ beteiligt sich die Kreisstadt zusammen mit vier anderen Städten daran, eine smarte Region mit geteilten Arbeitsbereichen zu erschaffen. Michaela Halbe, die Smart-City-Projektmanagerin der Kreisstadt Olpe erklärt: Wir „nutzen die Chance, Technologien zu erproben und Pionierarbeit für die Region zu leisten. Durch Arbeitsteilung und die Smart Cities Schule lernen Kommunen voneinander und können Lösungen nachnutzen.“ Ein Projekt der Kreisstadt ist der Mobility Scan, eine smarte Verkehrsvermessung. Dazu erfassen zwei mobile Verkehrssensoren an wechselnden Standorten für jeweils ein bis zwei Wochen den Verkehr und messen dabei drei Parameter:
- Anzahl und Art der Fahrzeuge (z. B. Pkw oder Lkw)
- Fahrgeschwindigkeit
- Lärmpegel
Zusätzlich findet eine digitale Parkraumüberwachung statt. Die Standorte der Messungen könnten sowohl von der Bürgerschaft als auch von der Verwaltung vorgeschlagen werden, ergänzt Halbe. Die daraus gewonnenen Daten fließen als objektive Grundlage in das Mobilitätskonzept der Stadt. „Daraus entstehen dynamische Projekte wie ein Mobilitätsdashboard oder die Ausweitung der Messungen auf Rad- und Fußverkehr“, so Halbe. Jeder kann dabei die Daten über ein Open-Data-Portal einsehen.
Inklusion durch smartes Parken
Allgemein sind Erfassung und Analyse immer wiederkehrende Stichworte bei Smart-City-Projekten. So fokussiert sich die Stadt Ulm darauf, „die Nutzung des beschränkten Verkehrsraums durch die verschiedenen Beteiligten zu optimieren“, erklärt ein Sprecher der Stadt. Im Rahmen der Mission Smart City liege das Hauptaugenmerk gerade auf dem Projekt Sensorbasiertes Parkraum-Management. Besonders Behindertenparkplätze sollen mit Sensoren ausgestattet werden. Diese hätten zweierlei Nutzen, erklärt der Sprecher. Zum einen könne mithilfe einer Echtzeitmeldung erfasst und später auch von den Bürgern eingesehen werden, welche Parkplätze noch frei sind – sie können sich dann auch eine digitale Route zu besagtem freien Platz anzeigen lassen. Zum anderen solle durch die Einführung einer freiwilligen und kostenfreien Anwendung namens Loc.ID eine leichtere Kontrolle von Falschparkern auf diesen Plätzen ermöglicht werden.
Menschen mit Behinderung, die diese App aktiv auf ihrem Smartphone haben, werden von dem System erkannt und dieses meldet die Information an den städtischen Datenhub zurück. Parkt nun jemand ohne die App auf einem solchen dedizierten Parkplatz, kann er oder sie gezielt kontrolliert werden. „Der größte Teil der Sensoren ist bereits produktiv und liefert Daten in die städtische Datenplattform“, erklärt der Sprecher der Stadt. Bei einzelnen Sensoren bestehe noch Optimierungsbedarf bezüglich der Datenübertragung, sobald diese aber einwandfrei funktioniere, werde auch die öffentlich zugängliche Karte freigegeben. Laut dem Sprecher wurde die nutzende Bevölkerung komplett in das Projekt eingebunden und freut sich auf die kommenden, zur Verfügung gestellten Daten. Ab 2026 werde dann auch mit dem „größten Mehrwert“ gerechnet, nämlich der Kenntlichmachung der Parkberechtigung. Dazu entwickele die Stadt gerade ein prototypisches System. „Wir rechnen damit, dass die Kenntlichmachung einer nicht legitimierten Nutzung durch Lichtzeichen an den Parkplätzen und die dadurch auch vereinfachte Ahndung zu einer Verbesserung bei der Nutzungssituation führt.

