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Teilerholung der Bauwirtschaft

(BS) Nach Jahren der Krise gibt es für die Bauwirtschaft erste Hoffnungssignale: In Baden-Württemberg steigen die Baugenehmigungen wieder leicht an. Verbände sprechen von einer möglichen Trendwende, warnen jedoch vor verfrühtem Optimismus und fordern verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Nach massiven Einbrüchen in den vergangenen Jahren zeichnet sich in der Bauwirtschaft eine leichte Stabilisierung ab. Wie aus aktuellen Auswertungen hervorgeht, wurden in Baden-Württemberg zuletzt wieder mehr Baugenehmigungen erteilt – insbesondere im Wohnungsbau. Für die Branche gilt dieser Anstieg als wichtiger Frühindikator, dass die Talsohle möglicherweise durchschritten ist.

Vorsichtiges Aufatmen

Vertreter der Bauwirtschaft sprechen von einem ersten Lichtblick nach drei Jahren Rezession. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und eine starke Zurückhaltung privater Investoren hatten den Neubau nahezu zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Betriebe mussten Kurzarbeit anmelden oder Projekte aufschieben. Die nun steigenden Genehmigungszahlen deuten darauf hin, dass Bauherren wieder vermehrt Planungssicherheit sehen und Projekte vorbereiten.

Auch bundesweit lassen jüngste Statistiken erkennen, dass die Zahl der genehmigten Wohnungen wieder über dem sehr niedrigen Vorjahresniveau liegt. Experten führen dies unter anderem auf stabilisierte Materialpreise, leicht gesunkene Finanzierungskosten und staatliche Förderprogramme zurück. Allerdings bleibt das absolute Niveau der Genehmigungen weiterhin deutlich unter den Werten früherer Jahre.

Trotz der positiven Signale mahnt die Branche zur Zurückhaltung. Zwischen Genehmigung und tatsächlicher Fertigstellung liegen oft Monate oder sogar Jahre. Der tatsächliche Bauimpuls wird daher erst zeitverzögert spürbar. Zudem sind viele Projekte wirtschaftlich weiterhin nur schwer darstellbar, insbesondere im bezahlbaren Wohnungsbau.

Wirtschaftsexperten vorsichtig optimistisch

Bauverbände fordern daher eine verlässliche Wohnraumförderung, schnellere Genehmigungsverfahren und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Gerade öffentliche Bauvorhaben könnten helfen, die Auslastung der Betriebe zu stabilisieren und Beschäftigung zu sichern. In Baden-Württemberg verweisen Vertreter der Bauwirtschaft auf den erheblichen Sanierungsbedarf bei Straßen, Brücken und öffentlichen Gebäuden, der bislang nur teilweise angegangen wird.

Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Bauwirtschaft nur schrittweise erholen wird. Prognosen erwarten für 2026 zwar wieder ein moderates Wachstum, betonen jedoch, dass strukturelle Probleme – wie hohe Standards, Fachkräftemangel und Finanzierungshürden – bestehen bleiben.

Unterm Strich sind die steigenden Baugenehmigungen ein wichtiges Signal, aber noch kein Durchbruch. Ob aus der vorsichtigen Erholung ein nachhaltiger Aufschwung wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Politik, Kommunen und Wirtschaft gemeinsam verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, um Investitionen langfristig zu ermöglichen.

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