Sie sind laut, die sind lebhaft, sie sind fröhlich. Sie sind die Zukunft dieses Landes und doch werden sie zwei Mal im Jahr zum Spielball. Einmal, wenn bundesweit der Leistungsvergleich in den PISA-Ergebnissen das Land in tiefe Verzweiflung darüber wirft, wie schlecht ihr Leseverständnis oder ihre Rechenleistungen sind. Ein andermal, wenn zum Ende der Sommerferien Mängel an räumlichen, personellen und strukturellen Voraussetzungen sichtbar werden, weil von allem zu wenig da ist.
Und dass das eine mit dem anderen zu tun hätte? Wer ist verantwortlich für die schlechten Ergebnisse an deutschen Schulen? Die Lehrer, deren Ausbildung, das Land oder vielleicht sogar die Schüler selbst? Mitunter auch die Eltern, denn früher waren die Kinder besser erzogen, haben stiller gesessen, waren einfach tüchtiger. Das sind noch die einfachsten Antworten. Das Problem liegt im System. Mit finanziellen Mängeln lasst sich keine Zukunft verwalten. Das zeigt sich darin, dass das Land NRW für den Start von Erstklässlern keine Ersatzlehrerin bereitstellen kann, wenn die eigentliche Lehrerin erst später aus der Elternzeit zurückkehrt, weil sie für ihr eignes Kind nicht rechtzeitig einen Kita-Platz bekommen hat. Das zeigt sich auch darin, dass nach vier Jahren Ukraine-Krieg immer noch Kinder eingeschult werden, die kein Wort Deutsch sprechen, obwohl sie hier den Großteil ihres Lebens verbracht haben. Und darin, dass auch Kinder mit Migrationshintergrund teilweise in der fünften Klasse kein Wort Deutsch sprechen. Hinzu kommt in diesem Jahr der herausfordernde Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung, gültig seit knapp drei Monaten für alle Erstklässler in Deutschland. Der Mangel ist auch hier vorprogrammiert. Willkür zeigt sich zudem daran, dass Landkreise in Brandenburg suggerieren, der Rechtsanspruch auf einen Platz in Kindertagesstätten gelte nur bei Vorlage der Geburtsurkunde. Manch ein Beschäftigter überinterpretiert den Rechtsanspruch. Denn für eine Altersfeststellung können laut Land auch andere Dokumente herangezogen werden. Es zeigt sich einmal mehr: Weder auf die seit 2015 gestiegenen Zuwanderungen noch auf die Ergebnisse der PISA-Studie gibt es strukturellen Antworten. Eine daten- und wirkungsorientiere Schulpolitik scheint nicht im Interesse der Länder und Kommunen zu sein.





