KI verändert den Arbeitsalltag in der öffentlichen Verwaltung. Gerade deshalb gewinnen Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration und geistige Flexibilität an Bedeutung. Was stärkt diese Fähigkeiten?
Wer kennt das nicht? Gerade arbeitet man konzentriert an einem anspruchsvollen Vorgang, da klingelt das Telefon. E-Mails treffen ein, während die nächste Besprechung ansteht. Der Fokus ist schnell verloren.
Der Arbeitsalltag ist geprägt von häufigen Unterbrechungen, hoher Informationsdichte und ständiger Erreichbarkeit. Besonders beansprucht wird das Arbeitsgedächtnis – gewissermaßen das „Nadelöhr“ unserer Informationsverarbeitung. Hier werden Informationen kurzfristig gespeichert, miteinander verknüpft und für Denken, Planen und Entscheiden genutzt.
Seine Kapazität ist begrenzt. Treffen ständig neue Informationen ein oder wird die Aufmerksamkeit immer wieder unterbrochen, gerät das Arbeitsgedächtnis an seine Grenzen. Die Folge sind Konzentrationsverluste, eine höhere Fehleranfälligkeit und Stresserleben.
Eingangstor unseres Gedächtnisses
Nur was unsere Aufmerksamkeit erreicht, kann verarbeitet, verstanden und dauerhaft gespeichert werden. Konzentration entsteht, wenn wir unsere Aufmerksamkeit bewusst über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe richten. Sie bildet die Grundlage für Merkfähigkeit, Lernen und fundierte Entscheidungen. Genau hier stößt Multitasking an seine Grenzen. Unser Gehirn kann mehrere anspruchsvolle Aufgaben nicht gleichzeitig bearbeiten, denn unsere Aufmerksamkeit kann immer nur einer anspruchsvollen Aufgabe gleichzeitig folgen. Jeder dieser Aufmerksamkeitswechsel unterbricht den Denkprozess und kostet Zeit, bis der ursprüngliche Gedankengang wieder aufgenommen ist. Wer seine Aufmerksamkeit bewusst steuert und Unterbrechungen reduziert, arbeitet konzentrierter und schont zugleich seine mentalen Ressourcen.
Was Hänschen nicht lernt … gilt heute nicht mehr
Die Vorstellung, dass unser Gehirn im Alter kaum noch lernfähig sei, hat die Hirnforschung längst widerlegt. Das Gehirn bleibt ein Leben lang anpassungsfähig. Neue Erfahrungen und geistige Herausforderungen fördern seine Fähigkeit, sich immer wieder neu zu organisieren. Fachleute sprechen von Neuroplastizität – der Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden und bestehende Netzwerke zu verändern. Jede neue Erfahrung, jedes Lernen und jede geistige Herausforderung stärkt diese Netzwerke.
Gedächtnistraining bedeutet deshalb weit mehr als das Einprägen von Begriffen oder Zahlen. Es fördert Konzentration, Merkfähigkeit, logisches Denken, Kreativität und geistige Beweglichkeit. Besonders wirkungsvoll sind Mnemotechniken. Sie nutzen Bilder, Assoziationen und räumliche Vorstellungen und helfen dabei, Informationen leichter zu verarbeiten und dauerhaft im Gedächtnis zu verankern.
Gedächtnistraining ist mehr als Gehirnjogging
Mentale Leistungsfähigkeit entsteht nicht allein im Kopf. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Bewegung, Erholung und geistige Aktivität sich gegenseitig ergänzen.
Ganzheitliches Gedächtnistraining verbindet Denkübungen mit Bewegung, bewussten Pausen und einem achtsamen Umgang mit den eigenen Ressourcen. Denn unser Gehirn arbeitet nicht losgelöst vom Körper. Bewegung verbessert die Durchblutung und Sauerstoffversorgung, Erholung unterstützt die Verarbeitung neuer Informationen und hilft, Stress abzubauen. So können Aufmerksamkeit, Konzentration und geistige Beweglichkeit langfristig erhalten bleiben – wichtige Voraussetzungen für gesundes Arbeiten.
Was KI nicht ersetzen kann
Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt grundlegend. Sie übernimmt zunehmend Routineaufgaben, fasst Informationen zusammen oder erstellt erste Entwürfe. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Fähigkeiten, die Menschen besonders auszeichnen: Zusammenhänge erkennen, Informationen kritisch bewerten, verantwortungsvoll entscheiden, kreativ denken und empathisch kommunizieren.
Genau hier setzt modernes Gedächtnistraining an. Es geht längst nicht mehr nur darum, sich Namen oder Zahlen besser zu merken. Vielmehr stärkt es neben der Konzentrations- und Merkfähigkeit auch die Denkflexibilität, die vor allem beim Umgang mit Veränderungen und neuen Anforderungen hilfreich ist.
Am Ende zählt der Mensch
Je leistungsfähiger digitale Werkzeuge werden, desto wichtiger wird der Mensch, der sie verantwortungsvoll nutzt. Mentale Fitness schafft die Voraussetzungen, Informationen einzuordnen, den Überblick zu behalten und auch unter hoher Belastung entscheidungsund handlungsfähig zu bleiben.
Mentale Fitness bedeutet nicht, möglichst viel gleichzeitig zu schaffen. Sie bedeutet, auch in einer komplexen Arbeitswelt klar zu denken, konzentriert zu bleiben und die eigenen Kräfte bewusst einzusetzen.
Die Webinarreihe „Gedächtnistraining – mentale Fitness für den Arbeitsalltag“ findet am 13. Oktober und 10. November 2026 jeweils von 9 bis 12 Uhr statt. Beide Webinare können unabhängig voneinander besucht werden. Beim ersten Termin stehen Konzentration und strukturiertes Denken im Mittelpunkt, beim zweiten Merkfähigkeit und Kreativität. Mehr Informationen finden Sie hier.
Autorin des Gastbeitrags ist Gerda Schneider, Diplom-Kauffrau, Erwachsenenbildnerin (M. A.), zertifizierte Trainerin und ganzheitliche Gedächtnistrainerin. Seit vielen Jahren begleitet sie Führungskräfte und Beschäftigte in Verwaltungen dabei, ihre Selbstkompetenz, Kommunikation und mentale Fitness zu stärken.





