Auf der 25. Berlin Security Conference (BSC) betonten Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein litauischer Amtskollege Robertas Kaunas die Bedeutung einer länderübergreifenden Zusammenarbeit. Auch die Herausforderungen für die NATO in den kommenden Jahren standen im Fokus der Konferenzdebatten.
Innerhalb der NATO muss Europa mehr Verantwortung übernehmen und zusammenstehen, um sich im Verteidigungsfall gegen den Aggressor Russland zu schützen. Darin waren sich Vertreter und Vertreterinnen sowohl aus der Politik wie aus NATO, EU und Industrie einig. Auch was die notwendigen Voraussetzungen für Resilienz und Abschreckung betrifft, herrschte auf der 25. Berlin Security Conference (BSC) ein breiter Konsens: Es braucht mehr Geschwindigkeit – bei der Entwicklung, Beschaffung und Einführung neuer militärischer Technologien. Schnellere Verfügbarkeit sei auch bei den Landstreitkräften vonnöten ebenso wie eine Verstärkung an der Ostflanke. Zudem müsse die Interoperabilität, die Kooperation der nationalen Streitkräfte unter NATO-Führung, verbessert werden.
Rascher Fähigkeitsaufbau zur Abschreckung
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte, dass die NATO – unabhängig vom Sieg der Demokraten bei den Midterms-Wahlen – europäischer werden müsse, um transatlantisch zu bleiben. Glaubwürdige Abschreckung entstehe durch „einsatzbereite Truppen, klare Planung, die Verlässlichkeit, Zusagen einzuhalten und am Ende die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln“, sagte er. Dabei verwies Pistorius mit Bezug auf das BSC-Partnerland Litauen auf die Brigade der Bundeswehr, die dort im Sommer 2023 mit 4.800 Soldaten und 200 zivilen Beschäftigten stationiert wurde. Im April 2025 wurde die Brigade offiziell in Dienst gestellt, bis Ende 2027 solle sie ihre volle Einsatzbereitschaft erreichen. „Die Bundeswehr wird in Litauen die Reihen schließen“, erklärte Pistorius.
Florian Hahn, Staatsminister im Auswärtigen Amt, rückte die zunehmenden hybriden Angriffe in den Fokus, die „besorgniserregend“ seien. Die Drohnenattacke am Leipziger Flughafen Anfang August habe deutlich gemacht: „Russland bedroht uns nicht nur massiv, es attackiert uns bereits.“ Um sich dagegen zur Wehr zu setzen, seien ein rascher Fähigkeitsaufbau und Abschreckung notwendig. „Das Geld steht zur Verfügung und auch bei den Entscheidungstragenden ist die Erkenntnis da. Im Moment ist unsere größte Herausforderung die Geschwindigkeit“, machte er klar. Der Fähigkeitsaufbau in Russland schreite voran. Europa müsse deshalb schnell in der Lage sein, sich konventionell zu verteidigen.
Zusammenarbeit zwischen Militär und Industrie stärken
Um eine volle militärische Verteidigungsfähigkeit zu erreichen, brauche es allerdings immer auch eine Gesellschaft, die mitziehe, betonte David Cvach, stellvertretender Generalsekretär für Frieden, Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Auswärtigen Dienst (EEAS). „Die Herausforderung für die EU besteht darin, Sicherheitsmaßnahmen auch in den nicht-militärischen Bereichen zu verfolgen. Wir sehen bereits, dass wir mit jeder Verordnung anfangen, einen stärker sicherheitsorientierten Ansatz zu verfolgen“, so Cvach.
Aus Sicht von Dr. Christian Freuding, Generalleutnant und Inspekteur des Heeres, müsse es beim Fähigkeitsaufbau der NATO auch darum gehen, die Bedeutung einer Zusammenarbeit zwischen Militär und Industrie zu stärken. Um schlussendlich erfolgreich zu sein, müssten neu entwickelte Technologien in bereits bestehende Systeme integriert werden. Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen europäischen Staaten ist, untermauerte Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas: „Unsere Stärke lässt sich nicht nur an Zahlen messen. Sie liegt in der Qualität unserer Kräfte, dem Einfallsreichtum unserer Bürgerinnen und Bürger, in Innovation und dem intelligenten Einsatz von KI. Viele Angriffe wurden rechtzeitig gestoppt, aber wir müssen besser vorbereitet sein für das, was als Nächstes kommt.“ Kein Land könne dies allein bewältigen.





