Die US-Marine hat der RTX-Tochtergesellschaft Raytheon einen mehrjährigen Großauftrag im Wert von bis zu 24,4 Milliarden US-Dollar ausgestellt. Gegenstand ist die Massenproduktion von Standard-Missile-6-Lenkflugkörpern (SM-6). Der Rahmenvertrag hat eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Darüber hinaus ist eine Option für zwei weitere Jahre im Kontrakt enthalten.
Die jüngste Beschaffungsmaßnahme reiht sich in eine Vielzahl von Großaufträgen ein, mit denen die US-Regierung die stark beanspruchten Munitionsdepots rasch aufzufüllen plant. Angesichts der Konflikte im Nahen Osten soll dies die heimische Rüstungsindustrie zu massiven Kapazitätssteigerungen motivieren. Zuvor vergab das Pentagon bereits einen vorläufigen 20,7-Milliarden-Dollar-Auftrag für AMRAAM-Luft-Luft-Lenkwaffen an Raytheon sowie ein 58,6-Milliarden-Dollar-Paket für Patriot-Abfangraketen an Lockheed Martin.
Die Produktion soll sich vervierfachen
Der nun mit RTX abgeschlossene Vertrag stellt die bisherigen Maßnahmen in seinem Umfang noch einmal deutlich in den Schatten. Ziel des SM-6-Vertrags ist es, die jährliche Fertigungsrate von durchschnittlich 125 Einheiten auf über 500 Stück zu vervierfachen. Konkret strebt die Navy für das Haushaltsjahr 2027 die Beschaffung von 540 Lenkwaffen für 4,3 Milliarden US-Dollar an. Sollte die Jahresproduktion auf 500 Einheiten pro Jahr ansteigen und diese Summe über die gesamte Vertragslaufzeit gehalten werden, würde der Neuzuwachs der Bestände die ursprünglich ausgerufene Zielzahl allerdings deutlich überschreiten. Diese beläuft sich auf 1.800 Stück.
Folgerichtig gehen Brancheninsider davon aus, dass das Vertragsvolumen von 24,4 Milliarden US-Dollar nur eine Obergrenze darstellt. Die tatsächlichen Abrufe sind von künftigen parlamentarischen Freigaben durch den US-Kongress abhängig. Dann schließt sich allerdings die Frage an, ob RTX im vom Pentagon gewünschten Umfang in seine Produktionskapazitäten investiert. Denn die Fertigung der SM-6 ist komplex und kostenaufwendig. Die gesamte Lieferkette – von Feststoffraketenmotoren über Gefechtsköpfe bis zur Hochfrequenz-Elektronik – muss gleichzeitig aufwachsen.
Rückgrat der Navy
Das Waffensystem SM-6 ist für die US-amerikanischen Seestreitkräfte von großer Bedeutung. Sie deckt eine Vielzahl von Aufgaben ab. Auf den Aegis-Kreuzern und -Zerstörern ist sie als primäre Flugabwehrwaffe im Einsatz. Darüber hinaus kann sie bei der Abwehr ballistischer Raketen und gegen Schiffsziele eingesetzt werden. Der 6,6 Meter lange und 1.500 kg schwere Flugkörper erreicht Geschwindigkeiten von Mach 3,5 (ca. 4.288 km/h) und verfügt über eine Reichweite von 240 bis 460 Kilometern. Dank eines aktiven Suchkopfs, der von der AIM-120C AMRAAM abgeleitet ist, kann die SM-6 Zieldaten von externen Sensoren verarbeiten (Engage-on-Remote).
Neben der Navy steigt die Nachfrage nach der SM-6 auch bei weiteren Teilstreitkräften. Das US-Heer setzt die SM-6 im bodengebundenen „Typhon“-System ein.
Parallel zur Kapazitätserweiterung bei der SM-6 ist die Industrie mit der Einführung der neuen Version Block IB befasst. Diese nutzt einen von 0,34 m auf 0,53 m vergrößerten Raketenmotor zur Erreichung von Hyperschallgeschwindigkeiten. Um die Engpässe zu beseitigen, hat RTX unter anderem seine Belegschaft aufgestockt, Fertigungsschritte automatisiert und eine 115 Millionen US-Dollar teure Erweiterung des Raketenwerks in Alabama abgeschlossen.





