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StartDigitalesKein Bericht, ein Arbeitsauftrag

Kein Bericht, ein Arbeitsauftrag

Deutschland will KI-Nation werden. Bis 2030 soll die Technologie Wirtschaft, Wissenschaft und Staat entscheidend voranbringen. Doch was bedeutet das konkret? Mit einem neuen Bericht legt die KI-Taskforce der Bundesregierung erstmals einen gemeinsamen Fahrplan vor. Es geht um mehr Rechenleistung, leistungsfähige KI-Modelle und vor allem darum, die Technologie in die breite Anwendung zu bringen.

 „Wir stehen heute nicht an der Schwelle eines solchen Wandels. Wir sind mittendrin“, sagt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Künstliche Intelligenz verändere bereits, wie Unternehmen arbeiten, wie Wissen entsteht und wie wirtschaftliche Wertschöpfung organisiert wird. Für Deutschland gehe es deshalb um eine zentrale Zukunftsfrage: „Wer setzt die Regeln?“ Das Land und Europa dürften die Entwicklung nicht anderen überlassen. Sie müssten selbst bestimmen können, welche Technologien sie nutzen, eigene Lösungen entwickeln und ihre Werte in die Gestaltung einbringen. Denn KI sei längst nicht mehr nur ein Thema für Forschung und IT-Unternehmen. Sie sei eine Schlüsseltechnologie für nahezu alle Bereiche.

Merz betont dabei auch, dass bei aller technologischen Dynamik der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse: „Im Zentrum unserer Bemühungen steht nicht eine Technologie, sondern der Mensch.“ Die Entwicklung müsse in die Grundstrukturen des gesellschaftlichen Miteinanders passen und sich an menschlichen Bedürfnissen orientieren.

Das Streben nach digitaler Souveränität

Ein wichtiges Ziel des Berichts ist deshalb, Deutschland technologisch unabhängiger zu machen. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht, alles selbst herstellen zu müssen oder sich von internationalen Partnern abzuschotten. Merz stellt klar: „Souveränität bedeutet nicht Autarkie.“ Es gehe darum, eigene Fähigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufzubauen – von der Hardware über Software bis zu leistungsfähigen KI-Modellen. Nur wer über eigene Kompetenzen verfüge, könne selbstbestimmt entscheiden und in internationalen Partnerschaften auf Augenhöhe agieren.
Digitalminister Dr. Karsten Wildberger (CDU) bringt den Gedanken auf eine einfache Frage: „Womit arbeite ich?“ Gerade in Krisen sei entscheidend, eine Wahl zu haben und nicht von einzelnen Anbietern oder Technologien abhängig zu sein. Souveränität bedeute Unabhängigkeit, Wahlfreiheit und Freiheit. Gleichzeitig müsse Deutschland selbst Innovationen hervorbringen und an den wirtschaftlichen Chancen der Technologie teilhaben.

Die KI-Strategie

Wie das gelingen soll, beschreibt der KI-Bericht in sechs Handlungsfeldern: KI und Gesellschaft, Sicherheit, Anwendung, Infrastruktur, leistungsfähige KI-Modelle und Talente. Dahinter stehen konkrete Vorhaben. Die Rechenkapazitäten für KI sollen bis 2030 mindestens vervierfacht werden. Deutschland brauche mehr leistungsfähige Rechenzentren, um große KI-Anwendungen zu entwickeln und zu betreiben. Der Ausbau soll dabei nachhaltig erfolgen und die Energieversorgung und den Wasserverbrauch berücksichtigen. Zugleich will die Bundesregierung die Entwicklung eigener KI-Modelle stärken und vorhandene Stärken besser zusammenführen: die Forschungslandschaft, das industrielle Know-how und die Daten aus zahlreichen Wirtschaftszweigen.

Entscheidend sei allerdings, dass die Technologie nicht in Forschungseinrichtungen und großen Tech-Unternehmen bleibe. Sie soll dort eingesetzt werden, wo sie konkrete Verbesserungen ermöglicht. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf dem Mittelstand. Mindestens 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen sollen KI bis 2030 intensiv nutzen. Nach den von Wildberger genannten Zahlen liegt der Anteil heute bei rund 25 Prozent.

Auch der Staat soll die Möglichkeiten stärker nutzen. Mindestens 90 Prozent der Behörden sollen bis 2030 eine oder zwei relevante KI-Anwendungen einsetzen. Das ist ein konkretes Ziel für eine Verwaltung, die mit knappen Ressourcen arbeitet und zugleich verlässliche Leistungen erbringen muss.

Der Bericht nimmt daneben die Sicherheit der Anwendungen und das Vertrauen in den Blick. Denn die Technologie werde sich nur dann dauerhaft durchsetzen, wenn Menschen ihre Funktionsweise und Auswirkungen nachvollziehen können.

Zwischen den Zielen und ihrer Umsetzung liegt allerdings noch einiges an Arbeit. Wildberger räumt ein, dass die Geschwindigkeit der Entwicklung unterschätzt worden sei. KI sei keine Technologie wie jede andere; sie verändere viele Lebensbereiche und stelle auch Fragen an das menschliche Selbstverständnis. „Die Währung heißt wirklich Geschwindigkeit. Aber nicht blinde Geschwindigkeit“, sagt der Minister. Politik und Wirtschaft müssten schneller entscheiden und ins Handeln kommen. Selbstkritisch fügt er hinzu, auch die Bundesregierung müsse dabei ihr eigenes Tempo überprüfen.

Gleichzeitig dürfe die gesellschaftliche Seite nicht zu kurz kommen. Menschen müssten verstehen, was KI für ihre Arbeit und ihr Leben bedeutet. Sie bräuchten Vertrauen in die Technologie und eine Vorstellung davon, welche Chancen und Perspektiven sich daraus ergeben. Deshalb gehörten Akzeptanz, Sicherheit und Qualifizierung ebenso zum Zielbild wie Rechenleistung und eigene Modelle.

Messbare Fortschritte

Wildberger versteht den Bericht ausdrücklich nicht als weiteres Strategiepapier: „Es ist ein Commitment, ein Arbeitsauftrag, an dessen Umsetzung jetzt gearbeitet wird.“ Die 18 Schlüsselmaßnahmen sollen messbar sein, ihre Fortschritte mindestens quartalsweise überprüft werden. Damit soll sichtbar werden, ob Deutschland seinen Zielen tatsächlich näherkommt. Am Ende bringt Wildberger den Anspruch auf eine kurze Formel: „Execution matters. Umsetzung ist entscheidend.“ Oder, wie er es ebenfalls formulierte: „Wir brauchen eine Mission.“

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