Das ländlich gelegene Arnsberg hat sich das Ziel gesetzt, eine Stadt des langen und guten Lebens zu werden. Um das zu erreichen, entwickelt die größte Kommune im Hochsauerlandkreis aktuell den Präventionskettengedanken – als Kette der einzelnen Lebensabschnitte – prozesshaft weiter.
Schon jetzt steht fest: Die Arnsberger Präventionskette versteht sich als eine kommunale Querschnittsaufgabe, welche Fachbereiche, Institutionen und Netzwerke miteinander verbindet. Sie richtet ihr Handeln an gemeinsamen Zielen, Beteiligung und Wirkung aus. Dabei stehen die Menschen im Mittelpunkt. Sowohl die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger als auch die Erfahrungen der Fachkräfte bilden die Grundlage aller Überlegungen.
Damit die Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird, denkt die Präventionskette gesamtstädtisch und sozialraumorientiert. Sie ermöglicht frühzeitiges, bereichsübergreifendes Handeln und fördert die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Von der Schwangerschaft bis ins hohe Alter werden Lebensphasen und die Übergänge dazwischen so nahtlos und bedarfsgerecht wie möglich gestaltet.
Der Arnsberger Ansatz schafft Transparenz über Angebote, Ansprechpersonen und Unterstützungsstrukturen und erleichtert so den Zugang zu Hilfen. Die Stadt setzt zudem auf kommunale Koordination und kontinuierliche Weiterentwicklung, um Kooperationen zu stärken und auf neue Herausforderungen zu reagieren. Die Präventionskette hat sich als wichtiges Werkzeug erwiesen, das die Lebensqualität und Chancengerechtigkeit in Arnsberg langfristig verbessert und die strategischen Ziele einer zukunftsfähigen Stadt unterstützt.
Nachhaltig wirksam
Unter dem Motto: „Früh erkennen. Orientierung geben. Passend verbinden. Gemeinsam stärken.“ stellen gezielte Lotsendienste ein verbindendes Element der Arnsberger Präventionskette dar. Sie erkennen Unterstützungsbedarfe, schaffen Orientierung und erleichtern den Zugang zu passenden Angeboten. So werden vorhandene Ressourcen besser genutzt, Übergänge gelingen und Familien sowie Bürger erhalten die Unterstützung, die sie zum richtigen Zeitpunkt benötigen. Die folgenden Arnsberger Präventionsgebote zeigen, wie bedarfsorientiert Lotsendienste angesetzt sein können.
Gut begleitet von Anfang an
Rund um die Geburt und die ersten Lebensjahre entstehen viele Fragen und neue Herausforderungen. Nicht jede Familie weiß, welche Unterstützung es gibt oder an wen sie sich wenden kann. Genau hier setzt der Lotsendienst BEAGLE im Alexianer Klinikum Hochsauerland an – mit den Angeboten „Familienlotse – rund um die Geburt“ und „Schrei- und Schlafberatung“. Sie unterstützen auf Wunsch (werdende) Eltern und Familien mit Kindern bis zum Ende des dritten Lebensjahres frühzeitig, unkompliziert und vertraulich aus dem Klinikalltag heraus. Durch den einheitlichen Zugang für alle Arnsberger Bürgerinnen und Bürger sowie Fachkräfte wird die notwendige Niedrigschwelligkeit gewährleistet. Der Kooperationsverbund in der Region stärkt dabei nicht nur den Zusammenhalt, sondern ermöglicht überhaupt erst dieses umfangreiche, kostenlose Angebot für Familien und Fachkräfte.
Familien stärken, Praxen entlasten
Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre bis ins Jugendalter sind prägende Lebensphasen. Treten in dieser Zeit Belastungen auf, wünschen sich viele (werdende) Eltern schnelle, unkomplizierte und verlässliche Unterstützung. Das neue, überregionale Konzept „Info-Lotse für Praxen“ agiert über die Stadtgrenzen hinaus und bietet Familien trotzdem klare Zugänge. Der „Info-Lotse für Praxen“ unterstützt Arztpraxen dabei, psychosoziale Belastungen frühzeitig zu erkennen und Familien auf Wunsch gezielt an passende regionale Unterstützungsangebote zu vermitteln. So profitieren Eltern von kurzen Wegen, einer frühzeitigen Orientierung und einem unkomplizierten Zugang zu Hilfen mit festen Ansprechpartnern in ihrer Kommune. Gleichzeitig erhalten Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams mehr Handlungssicherheit im Umgang mit psychosozialen Fragestellungen. Einheitliche Ansprechpartner und transparente Vermittlungswege entlasten den Praxisalltag und stärken die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Kommunen und sozialen Hilfesystemen – auch über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg. Das Angebot ist so gestaltet, dass weitere Praxen sich jederzeit beteiligen können.
Beide genannten Konzeptansätze sind überregional aus der Praxis für die Praxis entwickelt. Die Konzepte entstanden in enger Zusammenarbeit der Koordinierungsfachkräfte der Kommunalen Präventionsketten in der Region mit Fachkräften der Jugendhilfe sowie dem Gesundheitswesen.
Menschen erreichen
Arnsberg arbeitet zudem mit aufsuchenden Lotsenangeboten. Durch den persönlichen Kontakt in der Lebenswelt der Menschen können die Lotsen Bedarfe frühzeitig erkennen, über passende lokale Unterstützungsangebote informieren und bei Bedarf gezielt den Weg zu weiterführenden Hilfen ebnen. Gleichzeitig liefern die Hausbesuche wertvolle Erkenntnisse über die Lebenssituation der Bürger, die in die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Arnsberger Präventionskette einfließen.
Eines dieser Angebote betrifft die frühe Kindheit. Die Fachstelle Frühe Hilfen ist eine offene Anlaufstelle für Schwangere, (werdende) Eltern mit Kindern bis zum Schuleintritt sowie für Fachkräfte. Sie bietet individuelle, lebensnahe und bedarfgerechte Beratung und Begleitung bei Fragen rund um das Familienleben. Im Mittelpunkt steht die Stärkung der Erziehungs-, Beziehungs- und Gesundheitskompetenz von Eltern.
Mit dem demografischen Wandel wächst auch die Zahl der hochaltrigen Menschen in Arnsberg. Gerade ab dem 80. Lebensjahr steigt der Bedarf an Unterstützung häufig an, gleichzeitig nehmen viele ältere Menschen vorhandene Hilfsangebote erst spät in Anspruch. Deshalb bietet die Fachstelle Zukunft Alter in einem zweiten aufsuchenden Lotsenangebot allen Arnsberger Bürgern zum 80. Geburtstag ein freiwilliges und kostenfreies Gespräch in der eigenen Häuslichkeit an. Bei Themen von Gesundheit, Mobilität und Wohnen über Pflege und soziale Kontakte bis hin zu passenden Unterstützungsangeboten wird Menschen geholfen, möglichst lange selbstbestimmt und nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben.
Die präventiven Hausbesuche in der frühen Kindheit und im höheren Alter sind wichtige Bausteine der Arnsberger Präventionskette. Durch ihre Lotsenfunktion fördern sie Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität, indem sie Menschen frühzeitig Orientierung geben und den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten erleichtern – für ein gutes Aufwachsen und ein selbstbestimmtes Älterwerden.
Weitere Informationen zu den genannten Angeboten finden Sie hier.
Autorin des Gastbeitrags ist Barbara Niedenführ, Koordinatorin der Arnsberger Präventionskette in der Fachstelle Zukunft Alter im Bürgermeisterdezernat der Stadt Arnsberg.




