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Künstliche Intelligenz im kommunalen Verwaltungsalltag

Bürgerservice, Protokollmanagement und Antragsbearbeitung zählen zu den Bereichen, in welchen Künstliche Intelligenz (KI) kommunale Verwaltungsprozesse unterstützen kann. Dazu benötigt es Innovationsbereitschaft der Städte, eine wissenschaftliche Grundlage und zukunftsgerichtete Dienstleister, welche diesen Prozess vorantreiben.

Wie bei allen einschneidenden Veränderungen eines Arbeitsfeldes, braucht es Vorreiter, welche einen Weg für Nachzügler andeuten. Als solcher sieht sich Dr. Philipp Lechleiter mit seiner Abteilung Digitale Stadt in Heidelberg. „Wir hatten das Glück, dass die Firma Aleph Alpha aus Heidelberg kommt und dadurch konnten wir bereits vor dem Hype um generative KI mit dem Unternehmen zusammen Projekte starten“, erklärte der Abteilungsleiter bei Baden-Württemberg 4.0 in Stuttgart. Aus der Zusammenarbeit mit den KI-Spezialisten entstanden unter anderem Chatbot „Lumi“, welcher seit 2022 in Sachen Bürgerservice eingesetzt wird, eine KI-unterstütze Suchfunktion für die kommunale Datenbank und ein Wissensmanagement-Tool, das ebenfalls dem Bürgerservice dient.

„Wir sind erst mit den Use Cases gestartet und haben uns dann im Nachhinein mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandergesetzt“, beschrieb Lechleiter das Vorgehen seiner Abteilung. Diese Erfahrungen aus dem tatsächlichen Einsatz sollen nun in einen KI-Wegweiser einfließen, welcher dem Verwaltungspersonal der Stadt Heidelberg an die Hand gegeben werden kann. „Dieser Wegweiser soll unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigen, generative KI-Tools in einem rechtlich sicheren Rahmen auszuprobieren“, erläutert der Abteilungsleiter. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart präsentierte ihre Erfahrungsberichte.

Kommunale Realität trifft auf wissenschaftliche Reflexion

Oana Merkt, die städtische IT-Domänenarchitektin für Enterprise Search und KI der Landeshauptstadt, berichtete im Rahmen des Kongresses von der Einführung des KI-Hubs. „Der KI-Hub ist unsere Stabsstelle, um eine verantwortungsvolle und praxisnahe Einführung von KI in der Verwaltung zu fördern“, erklärte Merkt. Eines der ersten Projekte dieses neu eingeführten Amtes war das Programm GitHub Copilot, welches in der Softwareentwicklung eingesetzt wird. Ähnlich wie in Heidelberg wurde innerhalb des KI-Hubs außerdem ein Chatbot entwickelt, welcher die kommunale Datenbank mit KI-gestützten Antworten verbindet und so die notwendigen Informationen effektiv an die Bürgerinnen und Bürger vermitteln kann.

Prof. Dr. Jörn von Lucke, Direktor des Lehrstuhls für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformatik am Open Government Institute, zeigte sich zwiegespalten. Einerseits lobte der Professor die Innovationsfreude, andererseits mahnte er, man müsse das Personal auf „Fallstricke“ bei der Arbeit mit KI hinweisen. Zudem dürfe man bei der Einrichtung der Services und Systeme nicht alles auf eine Karte setzen. „Wir müssen jede KI, jederzeit austauschen können und dürfen nicht in Abhängigkeit zu einzelnen Anbietern geraten“, plädierte er.

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