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StartSicherheitWie Weltraumblindheit die Resilienz gefährdet

Wie Weltraumblindheit die Resilienz gefährdet

Raumfahrt und Weltraumtechnik spielt im alltäglichen Leben weitestgehenden eine von der Allgemein unbekannte Rolle. Viele Anwendungen, das wirtschaftliche Leben, aber auch Sicherheit sind erst durch Satelliten und Erdbeobachtung möglich. Dennoch fristen die Raumfahrt und die dazugehörige Technologie in Deutschland ein Schattendasein. Dies gefährdet die Sicherheit in Deutschland. Das soll geändert werden.

„Wir leben in einer hochgradig funktionalen Wissensgesellschaft, deren Funktionsfähigkeit in erheblichem Maße von dem abhängt, was wir heute als erdorbitale Infrastruktur bezeichnen. Das ist vielen Menschen wahrscheinlich gar nicht bewusst“, unterstreicht Enrico Fels, Geschäftsführer des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Bedeutung von Satelliten und Co. Es bestehe, laut Fels, eine Weltraumblindheit – „eine gewisse Ignoranz gegenüber der vielfältigen Bedeutung der Raumfahrtinfrastruktur für unser alltägliches Leben“. Dies schlage sich nicht nur in der allgemeinen Bevölkerung nieder, sondern auch in der Kommunikation des Staates oder in der Hochschullandschaft. So gebe es in Deutschland nicht einmal eine Handvoll Professuren, die sich strategisch mit Raumfahrt auseinandersetzen.

„Die Relevanz von Raumfahrt muss spürbar werden“, so Fels. Das will auch die Bundesregierung mit ihrer Raumfahrtstrategie. Dort heißt es sinngemäß: Für die Bundesregierung steht der konkrete Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt ihrer Raumfahrtpolitik. Ein durchschnittlicher Westeuropäer beziehungsweise Nordamerikaner hat etwa 35-mal am Tag Kontakt mit Raumfahrttechnologien, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein. Ohne dieses Wissen um die Relevanz in der Bevölkerung gerate die Legitimation für staatliche Investitionen in Raumfahrt ins Rutschen. „Wichtig ist, dass die Relevanz von Raumfahrt gesellschaftlich sichtbar wird, wenn wir aus Daten und Technologien ganz konkrete, wahrnehmbare Vorteile für Bürgerinnen und Bürger schaffen. Denn letztlich sind es die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger, die am Ende des Tages darüber entscheiden, ob entsprechendes Geld bereitgestellt wird“, mahnt Fels.

1.000 bis 2030

Die Relevanz wurde schon von Sicherheitsakteuren erkannt. So auch von der Bundeswehr. Und die hat ambitionierte Pläne. Bis 2030 will die Bundeswehr 1.000 Satelliten im Orbit haben. Oberstleutnant i. G. Roderick Dercks aus dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) sagt auch, warum: „Wir wollen souverän im Weltraum agieren. Deswegen geben wir auch entsprechend viel Geld dafür aus.“ Zudem wolle die Bundeswehr eine resiliente Infrastruktur im All haben. Gesamtsysteme bedeuteten militärisch beispielsweise Redundanz. Wenn einer ausfällt, könne ein anderer einspringen. „Wir leben momentan in einer Zeit, in der wir als Bundeswehr immer mehr Systeme ins Weltall bringen und immer mehr Konstellationen aufbauen. Für mich ist das großartig, weil vieles von dem, worum wir jahrelang gebeten haben, jetzt tatsächlich kommt“, so Dercks.

Doch er warnt, dass so auch eine neue Achillesferse geschaffen werde. Deswegen müsse der Schutz bereits bei der Entwicklung mitgedacht werden. Dies sei eine wichtige Lektion aus der Kriegsführung in der Ukraine. Mit relativ einfachen Mitteln könne man in einem kleinen, aber auch in einem größeren Gebiet GPS-Signale erheblich beeinträchtigen. „Das heißt: Ich muss ein alternatives System haben. Wie kann ich meine Position überhaupt bestimmen?“, sagt Dercks. „Für uns im Weltraum ist vieles davon noch Neuland. Bei vielen Menschen in der Bundeswehr ist noch nicht vollständig angekommen, wie wichtig der Weltraum für die Operationsführung ist und dass vieles von dem, was wir heute machen, ohne Weltrauminfrastruktur gar nicht funktionieren würde.“

Dual Use im All

Von den Milliardenausgaben könnte auch die zivile Seite profitieren. „Wenn wir als Militär Milliarden dafür ausgeben, Systeme zu haben, mit denen wir die Erde beobachten und überwachen können, und es diese Fähigkeiten im zivilen Bereich vielleicht nicht gibt, kann man sich durchaus Gedanken darüber machen, ob man diese Systeme auch gemeinsam nutzen kann. Das ist in der Vergangenheit bereits geschehen“, sagt Dercks.

Doch um das Potenzial aus Navigation, Kommunikation, Wetterdaten und Lagebilderstellung unter Einbeziehung von Satelliten heben zu können, brauche es noch Unterstützung beim Katastrophenschutz. „Die Nutzung von Satellitendaten befindet sich noch in den Kinderschuhen“, sagt Gunnar Kreidl von der Stabsstelle für Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Wir sind mittlerweile auch dabei, Informationssysteme aufzubauen, die verschiedene Informationsquellen zusammenführen. Das Problem auf kommunaler Ebene ist allerdings, dass das eine riesige Herausforderung darstellt. Viele Dinge können wir kommunal gar nicht alleine stemmen“, so Kreidl weiter. Es wäre schön, wenn auf Bundes- und Landesebene Funktionen oder Programme geschaffen würden, bei denen diese Daten bewertet und daraus Handlungsvorschläge oder Alarmschwellen abgeleitet und diese einheitlich kommuniziert werden.

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