Die Polizei Berlin testet künftig an zwei Orten eine Videoüberwachung mit KI-Auswertung. Das Pilotprojekt startet zunächst am Kottbusser Tor, später soll auch die Warschauer Straße folgen. Mit der Künstliche Intelligenz will die Polizei Angriffe und auffälliges Verhalten schnell erkennen.
Noch im August startet das KI-Pilotprojekt der Polizei Berlin am Kottbusser Tor, wie die Berliner Innenverwaltung mitteilte. Bei erfolgreichem Verlauf der Pilotphase ist eine schrittweise Ausweitung auf weitere kriminalitätsbelastete Bereiche vorgesehen. Konkret soll das System anhand von Kamerabildern in der Lage sein, auffällige Bewegungsmuster zu identifizieren. Erkennt die KI auffällige Bewegungsmuster, löst sie einen Alarm aus. Eine Analyse oder Erkennung von Gesichtern soll dabei ausdrücklich ausgeschlossen sein. So unterstrich die Innensenatorin Iris Spranger (SPD), dass es bei dem System nicht um Überwachung oder biometrische Identifizierung gehe. „Das Gesicht wird nicht erkennbar sein. Es geht um die Bewegungsabläufe“, erklärte Spranger. Statt realen Menschen sehe die Polizei auf den Bildschirmen lediglich Strichmännchen und deren Bewegungen. Dann sei es Aufgabe der Einsatzkräfte zu entscheiden, ob etwas tatsächlich bedrohlich ist.
Auch für den Gebäudeschutz
Nach Angaben der Innenverwaltung sollen die Kameras künftig auch zum Gebäudeschutz – etwa am Roten Rathaus – eingesetzt werden. Nach Abschluss der Ausschreibung werde bis Ende September feststehen, welcher Anbieter den Zuschlag erhält. Der Testlauf soll im Dezember beginnen und rund ein Jahr dauern. Für die KI-Videotechnik an kriminalitätsbelasteten Orten sind in den Jahren 2026 bis einschließlich 2030 schätzungsweise 2,47 Millionen Euro Investitionskosten und 2,13 Millionen Euro an Betriebskosten veranschlagt. Für den Objektschutz wird für 2026/2027 von etwa 1,76 Millionen Euro Investitionskosten und 355.000 Euro Betriebskosten ausgegangen.
Berlin ist mit dem Vorhaben nicht allein. Bereits in mehreren deutschen Städten kommen vergleichbare Systeme zum Einsatz. So startete 2018 das erste entsprechende Pilotprojekt in Mannheim (Behörden Spiegel berichtete). Dort sind inzwischen rund 50 Kameras mit Analysesoftware im Einsatz. Laut Koalitionsvertrag, der im Mai ins Amt gestarteten baden-württembergischen Regierung, soll die „intelligente Videoüberwachung nach Vorbild des Mannheimer Modellprojekts“ künftig ausgeweitet werden.





