Status des Schweren Transporthubschraubers

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CH-47 Chinook der niederländischen Streitkräfte beim Lufttransport eines GRF von Defenture. (Foto: BS/Defenture, Marco Ferrageau)

Traditionell veröffentlicht der Behörden Spiegel jedes Jahr zur Weihnachtspause ein Update zum Vorhaben Schwerer Transporthubschrauber (STH), diesem für die Mobilität, Luftbeweglichkeit und somit Schlagkraft des Deutschen Heeres so überaus wichtigen Programms. Nachdem Ende 2020 entschieden worden war es als Foreign Military Sale zu realisieren und im Frühjahr 2022 die CH-47 Chinook ausgewählt wurde, verhandelt Deutschland weiterhin mit den USA über die finale Konfiguration. Hierbei wird im Detail zwischen deutschen Repräsentanten und Vertretern der U.S. Army der Aufbau der künftigen deutschen Chinook besprochen, das Ergebnis wird dann durch die U.S. Regierung genehmigt und als Letter of Offer and Acceptance (LOA) offiziell an Deutschland übersandt. Schließlich verkauft bei einem FMS-Case nicht das herstellende Unternehmen, in diesem Fall Boeing, sondern die US-Streitkräfte das System.

Der Behörden Spiegel sprach auf der diesjährigen Berlin Security Conference mit Michael Hostetter, Vice President Boeing Defense Germany. Hier folgt ein Auszug in deutsch, der gesamte Podcast kann hier in englisch angehört werden. Das Interview führte Dorothee Frank.

Behörden Spiegel: Was ist der aktuelle Status des deutschen Chinook-Programms?

Hostetter: Die U.S. Army bereitet einen Letter of Offer and Acceptance vor, der an die deutsche Regierung geht. Wir erwarten, dass dieser LOA in naher Zukunft, wahrscheinlich Ende Januar, an Deutschland übermittelt wird.

Behörden Spiegel: Einer der kritischen bzw. problematischen Punkte in den aktuellen Verhandlungen sollen die Notausstiege im Frachtraum sein, können sie darauf kurz eingehen?

Hostetter: Ich wusste nicht, dass es damit Probleme gibt. Ich weiß nichts von irgendwelchen Problemen mit dem Notausstieg im Frachtraum. Wir bauen diese Hubschrauber bereits seit sehr langer Zeit und keiner unserer Kunden hatte an unserer Konfiguration etwas auszusetzen.

Behörden Spiegel: Was man ebenfalls immer wieder hört ist, dass es Probleme mit der Zertifizierung der Luftbetankung gebe, mit der die deutschen Chinook ausgestattet werden sollen. Wie ist hier der Status?

Hostetter: Es gibt keine Probleme mit der Zertifizierung. Aktuell hat die MH-47G der US-Spezialkräfte dieselbe Luftbetankungsausstattung. Wir stellen Chinook mit Luftbetankung seit 1988 her. Die Chinook absolvierten über 10.000 Luftbetankungen. Die deutschen Hubschrauber werden dieselbe Luftbetankungssonde und dieselben Treibstofftanks erhalten, welche die U.S. Army aktuell nutzt. Es handelt sich also um eine laufende und zertifizierte Produktionslinie, sodass die Hubschrauber nach der Auslieferung direkt nutzbar sind.

Diese Konfiguration wird allerdings eine extra Ausbildung der deutschen Soldatinnen und Soldaten erfordern. Sie müssen es lernen und sie müssen es regelmäßig üben. Die Bundeswehr muss also sicherstellen, dass ihre Pilotinnen und Piloten für die Luftbetankung mit der Chinook zertifiziert sind. Diese Zertifizierung der deutschen Soldatinnen und Soldaten muss im Rahmen der Ausbildung nach der Lieferung der Hubschrauber erfolgen.

Behörden Spiegel: Wie schnell könnten die ersten Chinook nach Vertragsschluss ausgeliefert werden?

Hostetter: Wenn wir davon ausgehen, dass der LOA Ende Januar an Deutschland übermittelt wird, dann würde der Deutsche Bundestag wahrscheinlich im zweiten Quartal vor der Sommerpause darüber entscheiden, sodass die ersten Hubschrauber gegen Ende 2026 ausgeliefert werden könnten. Wenn sich die Unterzeichnung verzögert, verzögert sich der gesamte weitere Prozess. Wir brauchen drei Jahre, um einen Hubschrauber zu bauen. Es hängt also alles davon ab, wann der Vertrag realisiert wird.

Das vollständige Interview – mit weiteren Fragen und Antworten – finden Sie im englischen Podcast:

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